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Reisetagebuch Iran 2003
28.4.03 Die Grenze Türkei / Iran ist wuselig [Bazagan], überall wird gebaut : Männer, Autos, Bagger, Schlammlöcher, Dreck, Pfützen, Container... Habe vergessen, die letzte Flasche Efes (türkisches Bier) wegzuschmeißen, big problem! Kein Alkohol im Iran! Ich sage, ich könne sie ja eben fix austrinken (!). Nein, die Flasche ist nun ein Zolldelikt, sie wird beschlagnahmt : viele Formulare werden ausgefüllt mit vielen Unterschriften, 6 wichtige Männer in grauen Anzügen kümmern sich. Bei Vorlage der Kopien kriege ich die Flasche zurück, wenn ich hier wieder ausreise. Nebenbei wird auch das Carnet abgestempelt. Verlasse erst 17 Uhr die Grenze, um diese Zeit sollte ich schon im 170 km entfernten Marand Mitsch und Caro aus der Schweiz am Bahnhof treffen! [Uhr vorstellen : 2,5 Stunde vor MEZ, zur Zeit : 1 Liter Diesel=2 Cent, 1 USD=8100 Real] Das besondere Gefühl, allein ein noch unbekanntes Land zu betreten : alles scheint gleich anders, als hätten die Hügel eine andere Form, als schiene die Sonne heller. Der erste Ort heißt Maku : baumlose, breite, verlassene Straßen, keine Hinweisschilder, eine Geisterstadt, lange Schatten, ein paar Schüler gehen herum wie Statisten in einem Theaterstück (sieht aus wie ein DeChiricoGemälde), später dann doch der belebte Teil, mit allem... Landschaft hinter Maku wunderschön : weites, ebenes, grünes Tal, manchmal treten die kahlen Berge links und rechts näher heran, manchmal scheint das Tal vor mir von schneebedeckten Bergen verschlossen zu sein, aber dann öffnet der Fluss doch eine Durchfahrt. 4 Stunden zu spät in Marand, es ist schon dunkel, Verkehr wie Autoscooter; frage eine schwarz verschleierte Frau nach dem Weg zum Bahnhof, indem ich ihr 1 Foto von einem Bahnhof zeige, sie antwortet lächelnd in Englisch. Mitsch und Caro haben auf mich gewartet, wir haben uns nie vorher gesehen (Verabredung per eMail, seine webseite), sie sind nett, genau wie ich sie mir vorgestellt habe. Die Iraner äußerst höflich, geradezu begeistert über unsere Anwesenheit, versessen darauf, mit uns zu reden, zu helfen, uns einzuladen. Ich höre, wir befinden uns im Jahr 1382. [Leider sprechen nicht viele Englisch, noch seltener Deutsch, ich hatte "point it" dabei, das UniversalLexikon in Bildern] 29.04.03 Am Orumiyeh-See lang gefahren, keine Strandpromenade, Schlafplatz am Ende eines Feldweges, der Wind weht Qualm aus einem Dieselmotor heran, vermutlich eine Wasserpumpe. 30.04.03
20 km vor Miyanah am Shari-Cay, wieder auf der 32 Richtung Teheran : Stehen etwas erhöht am gegenüberliegenden Flussufer, Caro und Mitsch machen Lagerfeuer, grillen Fleisch und Kartoffeln. Es ist leider noch zu kalt, lange in der Dunkelheit draußen zu sitzen. 1.5.03
In Qazvin : Der Basar ist leer, Läden geschlossen, ein ungewöhnlicher Anblick. Ein Iraner fragt Mitsch, ob ich Arzt oder Rechtsanwalt sei: "Taxifahrer", sagt Mitsch und dreht in der Luft ein Lenkrad. "Aha, also Pilot", sagt der Iraner. (Ich bin eben ein Blender. Eine Wahrsaherin hielt mich mal für einen Professor.) Wir halten mitten auf einer belebten Kreuzung, 2 Polizisten kommen, ich denke, sie wollen uns verscheuchen, aber sie erklären uns in aller Ruhe den Weg. Als ich an dem einen vorbeifahre, sagt er ins geöffnete Fenster hinein: "Thank you very much!" Schlafplatz bei Qazvin : Wiese, Bach, paar Bäume, viele Siedlungen, Besuch von 5 Männern, wir reichen Tee und Gebäck, später umringt uns eine Schafherde. Nach Sonnenuntergang kommen die Männer noch mal, bringen Joghurt und Hühnchen. 2.5.03 "Prisoner of the white lines of the road" : schwarzer Qualm aus Ofenrohren, sie fahren die schönen alten MACK-Trucks mit martialischen Motorhauben, Mercedes Rundhauber Repliken mit riesigen Rädern, es wird erst überholt und dann geguckt, auch mir gelingt ein neues Kunststück: während ich fahre, pinkel ich in eine Weithalsflasche, schwierig ist nur das Aus- und Anziehen. [Es gibt nur wenige Tankstellen, Tank nie leer fahren! An den Dieselsäulen sehr dreckig, die iranischen LKW-Fahrer lassen immer überlaufen, dafür ziehen sie vorher andere Klamotten über.] Wüstenlager mit Saksaul : dornige, trockene Büsche; sonst brauner, steiniger Boden. Stehen in einem Wadi, kein Laut, keine Vögel, nicht mal Fliegen; nachts am Horizont ein paar Lichter, schöner, mondloser Sternenhimmel. Bunkern Wasser an einer Art Raststätte. Familien sitzen auf mitgebrachten Teppichen und machen Picknick unter Bäumen. Ein Kleinbus kommt mit jungen Frauen, sie stürzen sich auf Caro, quasseln und kichern, ihr ist es bald zu viel, also kommen sie zu mir, die eine möchte einen deutschen Mann heiraten, ob ich schon verheiratet sei? Nein, sage ich, sie könne gleich bei mir einsteigen und mitkommen. Großes Geschrei. Aber die hübsche ist schon verheiratet. Als sie hören, wie alt ich bin, steigen sie wieder in den Bus. [Es gibt keine Campingplätze oder Raststätten wie wir sie kennen. Man kann aber überall im Auto schlafen, sogar mitten in den Städten. In der Wüste, abseits der Straßen, ist es natürlich am schönsten] Morgens ist der Himmel bedeckt, Sonne schickt Lichtbündel durch Wolken; die dunklen Stellen sehen aus wie Regenfahnen, die auf dem Weg zur Erde verdunsten. Spitzkeglige Steinhügel links und rechts, der Kopfbedeckung chinesischer Reisbauern nachempfunden. Auf den Schmutzfängern eines LKW steht : "GOD BAY", soll vielleicht heißen : dieser LKW ist Gottes Bucht, oder Gott hat mir diesen LKW gekauft? (Die islamische Version von ebay.com? - d.S.) 3.5.03
12 Uhr in Esfahan [Verkehr in GroßStädten nervtötend, fordert volle Konzentration, am besten Auto am Hotel stehen lassen und Taxi nehmen] Wir erwarten Allan, er hat von der Schweiz aus das teuerste Hotel der Stadt und vornehmste des Landes als Treffpunkt gewählt, in der Tat ein angemessener Ort für ihn : 20 Jahre alt, quirliger, weltläufiger Knirps, schon überall gewesen, spricht mehrere Sprachen, studiert "Internationale Beziehungen", wird also mal Botschafter oder Journalist, wenn er so weiter macht, ist er bald Generalsekretär der UNO, sein Vorbild ist Peter Scholl-Latour. Mein neuer Freund Achmad lotst mich zum Soranderut, dem breit und hoch angeschwollenen Fluss, an dem ich im Bus schlafen werde.
Trinken Tee unter der Sio-se-pol Brücke, dem Wahrzeichen der Stadt; sitzen direkt in einem der Brückenpfeiler, ein Schritt weiter rechts rauscht das Wasser vorbei; darüber liegen Stahlplatten, über die man zum nächsten CaféTisch gelangt. Schaue über den Fluss und die Lichter : ich bin tatsächlich an diesem verrückten Ort, in diesem Augenblick, ich existiere, die Rückenhaut zwieselt...
Ein junger Mann setzt sich zu uns, er sei Dichter, sagt er, hat eins in deutscher Sprache geschrieben, es geht so :
Achmads Kommentar : Dichter sind nicht ganz richtig im Kopf. Stimmt. 5.5.03
Jeder Tag bringt neue Freunde: Sitze mit 3 schwarz verhüllten jungen iranischen Damen auf dem Dach des Teehauses, von dem aus man über den großen Meydan-e-Iman Platz schauen kann. In Platzmitte ist 1 großer Teich, in dem zu Zeiten des Shah Abassi nackte Schönheiten herum schwammen, erzählt mir Fatima, die schönste meiner Freundinnen. Von seinem Balkon aus habe er sie beobachtet. Jaja, es war prima, Shah zu sein. Heute gibt's dort nur noch einen Springbrunnen zu sehen, und auf 2 Begrenzungssteinen steht : "Down with USA". Ich darf Fatimas Hand halten, mit langen, weiß lackierten Fingernägeln (wie ich sie aus Pornofilmen kenne); sie sagt: "Love is like snow". Ich schreibe in ihr Schulheft : "Nein, meine Liebe schmilzt nicht wie Schnee, wenn ich liebe, dann für immer, und dich liebe ich für immer." Sie wollen mich aber lieber mit der Mutter von Wida verkuppeln, weil der Vater früh gestorben ist. [Der Meydan-e-Iman Platz mit Basar und großer Moschee und die alten Brücken über den Soranderut sind sehenswert, sonst ist Esfahan eine moderne Großstadt.] Mechdi Azizi, Geigenspieler und Straßenmusiker, spricht mich an, begleitet mich zum Schneider, bei dem ich gestern einen Nadelstreifenanzug in Auftrag gegeben habe. Stoff und Arbeit für 80 US-Dollar (billiger als der billigste bei C&A). Wir steigen in den ersten Stock neben der ehemaligen Karawanserei, die Schneiderei sieht eher aus wie eine Schreinerei, mit Werkbank und Werkzeugschränken. Ich stehe mitten im Raum, die Hose runtergelassen für die Anprobe, als Mechdi anfängt, auf seiner Geige zu kratzen, als wolle er für eine Hochzeit aufspielen. Es ist ergreifend und komisch zugleich : ich möchte lachen und auf die Knie fallen vor Rührung : Dass ich das noch erleben durfte! 6.5.03
War mit Fatima verabredet, aber sie ist nicht gekommen. Wir verlassen Esfahan Richtung Shiraz, unterwegs 23 Kilo Orangen auf einem Großmarkt gekauft; finden einen hübschen Schlafplatz unter Bäumen vor einem kahlen Steinhügel. Besteige den Hügel und schaue übers Land : sehr besiedelt, Schrebergärten, grüne Felder, schwarzer Rauch steigt auf, Glücksgefühle, machen ein Gruppenfoto (von vorn nach hinten : ich, Mitsch, Allan, Caro) 7.5.03 Zwei Krähen hacken auf der Dachluke rum, viele Orangenschalen liegen nach dem Frühstück ums Auto verteilt. Wir fahren weiter Richtung Shiraz auf der 65 : platter Wüstenboden bis zum Horizont. Plötzlich, unerwartet, fällt die Straße etwa 50 Meter tief in ein grünes Tal, in den Hängen verlassene Höhlen-Behausungen, ein Fluss ist nicht zu sehen, aber da muss einer sein. Nach etwa 500 Metern steigt die Straße wieder steil auf die trockene Ebene, und das Tal ist nicht mehr zu sehen. [alle Straßen gut asphaltiert, auch durch die Wüste] Anhalter mitgenommen, er gibt mir den Rat zu heiraten, die Frau wärmt den Körper des Mannes, sagt er, damit er keine Erkältung bekommt. 2 Kilometer weiter muss ich niesen, "Siehste", sagt er. [auch im Iran keine Probleme mit Anhaltern] Vorfahre vom Ayatolla kennen gelernt : "ancient of ayatolla", habe ich verstanden, aber er meint wohl : "agent", also einer seiner Agenten; er sagt, wir sollen überall, wo wir hinkommen, verkünden, der Ayatolla ist nicht müßig, er hat Olivenbäume und verkauft das Öl. Für unseren missionarischen Auftrag kriegen wir jeder eine kleine Flasche auf den Weg. 8.5.03 In Marvdasht wieder einen neuen Freund gefunden. Er nimmt mich mit in seine Englischklasse : 20- bis 30-Jährige fallen über mich her mit Fragen, z. B. ob Frauen in Deutschland fremd gehen. Jaja, sage ich, nicht alle, aber das gibt es, meine zweite Ehefrau habe ständig andere Liebhaber gehabt. Sie sagen, viele Familien haben 10 bis 14 Kindern, weil die religiösen Führer das während des Krieges gegen den Irak so wollten. Jetzt sollen sie nur noch ein bis zwei Kinder haben. Ein Mann darf bis zu vier Frauen heiraten, darüber hinaus weitere Nebenfrauen. Das funktioniere so : Wenn die Dame mit dem "Geschenk" einverstanden ist, heiraten sie für zwei Tage oder nur für Stunden, indem sie sich ein paar Zeilen aus dem Koran vorlesen. Das sei keine Prostitution, sondern ein "agreement", das Wort dafür sei : "Sygheh". Sie glauben, in zwei Jahren habe der Iran eine andere Regierung (Eine zuverlässige Quelle aus dem Pentagon? - d.S.), und viele junge Leute wünschen, dass die Amis kommen und sie befreien, so wie sie den Irak "befreit" haben. Mein neuer Freund ist 16 Jahre alt und nimmt mich mit nach Hause : die Mutter knüpft im Hof Teppiche, der Wohnraum nur mit Teppichen und TV möbliert. Ich esse Iranisches unbekannter Konsistenz : abguschd und torraschi und muushg und einen sauren, staubtrockenen Ziegenmilchkeks. Mein Freund besorgt mir mit Hilfe seiner Freunde und einem Motorrad 2 Flaschen Bier. Er sagt, nun hätten wir ein Verbrechen begangen. Abends leeren wir eine der Flaschen gemeinsam in meinem Bus vor der Tür seines Hauses. Es schmeckt süß, scheinbar mit O-Saft gemischt, aber sehr stark, ich gehe betrunken ins Bett. 9.5.03 Persepolis : dicke Steine, fette Säulen und eine Busladung schwarz verhüllter Gestalten. Ich nicke freundlich und sage : "Hallo". Gleich umringen sie uns und schnattern und lachen. Sie wollen unsere Adressen, sie sind 18 bis 23 Jahre alt. Ich höre eine Trillerpfeife, und 2 Wärter vertreiben die Mädchen, am Ausgang werde ich festgehalten, bis sie in ihren Bus gestiegen sind. Frauen dürfen nicht mit Ausländern reden, sie könnten infiltriert werden. Naja, nur noch 2 Jahre... 11.5.03 Gestern zwischen Yazd und Tabas kurze Fahrt durch feinen Sand, und schon ist im Bus alles bedeckt mit Staub. Hier irgendwo sollen 1979 die Amis gelandet sein, um die Geiseln aus der Botschaft zu befreien.
Treffen unterwegs Thomas auf seinem Fahrrad, er sei von Eritrea aus durch Oman und den Jemen allein hier her geradelt, ist sehr verschwitzt, Ausrüstung und Rad dreckig und verbraucht, hat sich scheinbar in Tarnfarbe gekleidet : braun wie die Erde drumrum.
Dann Salzflecken auf schwarzem Boden; sieht aus, als sei Allah mit einem undichten Sack Waschpulver übers Land gegangen; später endlose Salzfelder, wie Schnee, der Boden ist weich und matschig wie ein Sumpf, ich sinke sofort ein mit dem Schuh. Die braunen, nackten, spitzgratigen Hügel am Horizont sehen aus wie Rücken von Reptilien. Alle 20 Kilometer ein Schild, das vor Kamelen warnt, dann tatsächlich eine kleine Herde, Mitsch läuft hin, aber sie flüchten vor ihm, und später auch Kamelkadaver im Straßengraben. Bin dann doch mal steckengeblieben auf der Suche nach einem Schlafplatz fern der Straße, Mitschs Sandbleche untergelegt und mit Seil gezogen, allein wäre ich da nicht rausgekommen.
Abends Wüstenlager : völlig platt und vegetationslos, nirgends eine Erhebung, keine Siedlungen; weicher, dunkler Boden, macht keine Staubwolke, wenn wir drüber fahren, aber eine helle Spur; nachts am Horizont doch Lichter, die Autos auf der Straße können wir noch hören, trotzdem wunderschön; der halbe Mond beleuchtet unser Nachtmahl. Allan liest uns vor von dem Shah, der Rache für seine Kastration nahm : die ganze feindliche Sippe habe er ausgerottet, sogar deren Obstbäume gefällt, den Kopf des Oberhauptes habe er in die Eingangstreppe eingearbeitet, so dass jeder Besucher auf ihn treten musste. 12.5.03 10 km vor Tabas : hohe Palmen in Kornfeldern, an der Tankstelle fülle ich den Reservekanister und schlabber Schuhe und Hose voll – Mist! Der Tankwart überreicht mir zum Trost mit öligen Fingern den Rest einer Brotscheibe mit Honigmus, an der er gerade noch geknabbert hat. Kleiner Ort hinter Tabas heißt: "Boshomhyeah". Überdosis Einsamkeit [die Freunde fahren ein paar Tage allein] : sitze auf meinem Klappstuhl wie in einem FreilichtTheater vor dem Halbrund einer Bergkulisse, etwa 3 Kilometer dehnt sich der Radius der Ebene mit Steppengras aus, dann erheben sich nackte, braune Hänge bis 1000 Meter; es ist ganz still : kein Verkehr, keine Vögel, keine Grillen, nicht mal Fliegen (die haben sich alle im Bus versammelt). Könnte noch stunden hier sitzen, aber es wird dunkel, ich muss einen Schlafplatz suchen. Schönes Gehöft, von einer Lehmmauer umgeben, fahre einfach hinein, niemand zu sehen; nach einer Viertelstunde kommt 1 Geländewagen, der Mann begrüßt mich herzlich, spricht Englisch, ist der Landlord, nennt sich Andy, hat in den USA studiert. Wir sitzen im Haus seiner Arbeiter, die uns bewirten; er sagt, schon letztes Jahr seien Leute aus Deutschland einfach auf seinen Hof gefahren, sie seien auf Expedition entlang der Seidenstraße gewesen. Sein Sohn habe in Amerika ein Foto seines Vaters auf deren Homepage gesehen. Sitze dann allein im Mondschein auf dem Hof und esse noch einen Happen, 2 verschleierte Frauen hocken sich neben meinen Klapptisch auf den Boden und schauen mir schweigend zu. Ich biete ihnen Stühle an, aber sie wollen lieber da unten bleiben. Lange nicht mehr so glücklich gewesen. 13.5.03 Hinter Ferdows kein Verkehr, ich bin ganz allein unterwegs, finde einen wunderschönen Rastplatz mit weitem Blick. In Turbate-Heyderiye zu Gast bei einer "upper-class" Familie : im Wohnzimmer könnte man Fußball spielen, möbliert nur mit Teppichen und Fernseher (als Lagerfeuerersatz). Wir schauen deutsche Programme, sie haben eine Sat-Schüssel versteckt auf dem Dach (im Iran verboten). Ich möchte nie wieder zurück nach Deutschland, nie wieder unter Menschen, die sich täglich so einen Quatsch ansehen. [Wer will, kann im Iran jede Nacht privat umsonst übernachten, einmal hatte ich gleich drei Einladungen, und ich sollte entscheiden, bei wem ich schlafen wollte. Diese Gastfreundschaft sollte natürlich mit entsprechender Höflichkeit erwidert werden] 14.5.03 Nach dem Frühstück spielt uns die Dame des Hauses was auf einer japanischen Orgel vor : mit der rechten Hand iranische Weisen, mit der linken steuert sie die Rhythmus- und Bassbegleitung: klingt merkwürdig, aber gar nicht übel. Sie spiele nur für ihre Freundinnen und die tanzen dazu. Frauen dürfen im Iran nicht öffentlich singen, daher gibt's Radio- und Fernsehstationen im Ausland (USA, Kuwait), die iranische Sängerinnen und ihre Musik über Satellit ins Land ausstrahlen. Hinter Mashad treffe ich zufällig wieder auf Mitsch, schlafen bei Vollmond an einem Flusslauf, weiter oben auf dem Hügel nickt eine alte, schwarze Ölpumpe; sehr kalte Nacht – sehr glücklich. Der Iran ist das schönste Land, das ich je gesehen habe, sowohl landschaftlich als auch menschlich, ich habe mich nirgendwo so sicher gefühlt wie dort. Kommentare per mail: am 11.7.04 von "german girl" Kleiner Nachtrag zu den "weißen langen lackierten Fingernägeln (wie ich sie aus Pornofilmen kenne)", einer Assoziation, die ja eher Schlüsse auf den Autor zulässt, anstatt auf das Objekt: "Reines dem Reinen", steht, glaube ich, im Koran... Martin schreibt am 5.7.05 Lustig, das Gedicht aus Esfahan habe ich auch auf Englisch, ich traf den Dichter in eben diesem Cafe resp. Teehaus. Geschrieben am 12.7.05 von "Frankfurter" Guten Tag bin selbst ein in Deutschland geborener Iraner, und bin darüber erfreut das viele positiv über mein Heimatland denken. Es ist wirklich auch ein sehr schönes Land mit zahlreichen Sehenswürdigkeiten. Sie haben selbst mich eher negativ eingestellten Iraner sehr mit ihrem Reisebericht überzeugt doch einmal wieder mein Heimatland zu besuchen. Das einzige störende sind die islamischen Vorschriften, jedoch muss ich zugeben, dass Iraner trotz allem sehr sehr gastfreundlich sind, und dies wie es ja das Wort sagt besonders zu Ausländischen Gästen. Auch mir als aus Deutschland kommender Perser wurden unzählige Fragen über Deutschland gestellt.... Eins kann ich jedoch aus Ihrem Reisebericht nicht bestätigen, und zwar gibt es sehr sehr wenige Männer die Mehrere Frauen haben oder öfter verheiratet sind, der Islam ist sogar gegen soetwas, habe von solchen Methoden schon im indischen Raum gehört, jedoch nicht in Persien. Die Iraner übertreiben oft absichtlich mit Aussagen, um die Religion und das Regime mit Absicht, den Ausländer zur Frage zu stelle bzw. zu kritisieren. mit freundlichen Grüßen |