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Tashkent
28.5.03
Abduwachid lotst uns durch die 2,5 Millionenstadt Tashkent: Breite Alleen und Parks und Springbrunnen, alles neu gestaltet nach dem Erdbeben von 1966. Wenig Verkehr, vollgequetschte Busse. Wir umrunden das Zentrum mit dem pathetischen Reiterstandbild des Timur Lenk, der als "erster Usbeke" verehrt wird.
Erreichen in der Dämmerung Karasú, eine Plattenbausiedlung am Stadtrand. Abdus Mutter begrüßt uns herzlich mit Abendessen: Chonum [soll heißen: schöne Frau] und Moschktir [Reis mit Gemüse]. Wir können die leerstehende Wohnung nebenan beziehen.
Wir wollen unsere Sachen aus den Autos holen und finden Mitschs Landrover aufgebrochen: Alles, was nicht extra verschlossen war, ist weg. Ein Junge führt Mitsch auf den stockdunklen Spielplatz nebenan, wo sie einiges wiederfinden. Der Junge soll auch den Rest besorgen. So hocke ich auf meinem Klappstuhl um Mitternacht zwischen 5-stöckigen Sowjetbauten, rostigen Wellblechgaragen, Müllhaufen, Pfützen, aufgeplatzten Betonwegen und warte auf den Jungen. Der kommt nicht wieder, aber am nächsten Tag bringen die Mütter der Diebe nach und nach alles zurück.
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30.5.03
Beschließe, noch ein paar Tage in Tashkent zu bleiben. Mitsch fährt heute weiter Richtung Kirgistan und Mongolei. Wir wollen uns in Bishkek oder Almaty treffen.
Bringe mein Auto zur Inspektion in die MB-Niederlassung Silkroad Star. Ein Mechaniker sagt, er könne mir eine junge Frau besorgen, die Englisch oder Deutsch spricht und mir für 2, 3 Tage Gesellschaft leistet.
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31.5.03
Die russischen Plattenbauten sind scheußlich, unten immer offen, Haustüren kaputt, keine Schellen, verkommenes Treppenhaus und Stahltüren vor den Wohnungen mit Schlössern, geeignet für Panzerschränke. Hier sind's aber Eigentumswohnungen, fast alle Usbeken wohnen so, auch wohlhabende Leute. Eine Wohnung kostet 3 bis 6000 USD.
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Meine ist rührend trist und kitschig : in der Vitrine sitzt eine dickbusige Wachspuppe im Bikini auf einer Strandliege und streift lüstern grinsend ihren Slip über die Knie. Daneben an der Wand eine Madonna mit Kind aus braunem Plastik.
Auf dem Hof, wo Mitschs Auto aufgebrochen wurde, ist Tag und Nacht Leben: Musik, Kindergeschrei, Hühnergackern, Vogelgezwitscher... Paar Jungs springen über die Dächer der Blechgaragen und pissen von oben runter.
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1.6.03
Sonntagabend, Jahrmarktstimmung in Karasú: die beiden Cafes haben Hochbetrieb. Fleischspieße werden gegrillt, Brot und Getränke bringt man von zuhause mit. Aus 3 verschiedenen Richtungen tönt russische und englische Popmusik. Ein Mann trägt ein halbes Schwein durch die Stuhlreihen, nach einer halben Stunde kommt er mit einer Handvoll Eingeweiden zurück. Die meisten haben sich fein gemacht: junge Frauen in langen, spitzen Schnabelschuhen, bedecken oben nur die Zehen, sehen aus wie Krokodile. Die älteren, ländlichen Frauen erinnern mich mit ihrer bronzenen Haut, den Goldzähnen und den bunten Trachten an MayaSkulpturen.
Auch die Kellnerin hat den halben Mund voller Goldzähne. Sie stellt mir ihre 16-jährige Tochter vor, die gerade Englisch in der Schule lernt. Sie setzt sich zu mir, und wir unterhalten uns verlegen.
Ein dicker, schwarzer Käfer fällt aus der Markise auf meinen Bauch. Zwei schwarz-weiße Kühe und zwei Kälber werden über die Kreuzung geführt. Kleine und große Busse nicken durch Schlaglöcher. Tische werden zusammengerückt für die große Familie, ein Glas Pivo [Bier] kippt vom Nachbartisch... voll das Leben! Wie schön das ist, wenn man nicht mitmachen muss... Mir kommen die Tränen - vom Grillqualm.
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Fahre mit Linie 21 in die Innenstadt. Ich wähle einen alten russischen Bus. Es gibt auch neue MB-Busse, aber die sind mir nicht exotisch genug. Der russische ist gasbetrieben, Motor wird hinten mit einer Kurbel angelassen. Blinker, Sitze, Scheiben, Räder – alles scheint gerade eben noch zusammen zu halten. Ticket kostet 100 Sum [10 Cent], egal wie weit man mitfährt. Der Fahrer hört schwarzen Rap, das Stones-Logo klebt auf dem Rückspiegel. Statt Hupe hat er eine Pfeife, die klingt, wie Männer Frauen nachzupfeifen pflegen. Die Bremse klingt wie das Einholen einer Ankerkette. Es riecht stickig, muffelig, obwohl alle Fenster offen sind. Das einzig Vertraute: Die Leute sitzen und stehen genauso schweigend und trübsinnig herum wie daheim.
U-Bahn fahren kostet auch 100 Sum, man kriegt eine Plastikscheibe. Man muss darauf achten, sie in den richtigen Schlitz zu stecken, sonst wird man von 3 Eisenstangen gefangen genommen. Die Stationen sind prächtig. Einer sagte, die schönsten Plätze in Tashkent befinden sich unter der Erde.
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4.6.03
Vor Abduwachids Deutsch-Klasse geredet, in der Fakultät für Deutsche Philologie, ein Stock über'm Goethe Institut: 12 junge, hübsche Frauen und 1 Mann mit langen Haaren. Sie sprechen sehr gut Deutsch. Eine legt den Kopf auf die Tischplatte, als wolle sie schlafen. Rede mit den jungen Damen über Ortega y Gasetts Theorie der Liebe; lange Diskussion darüber, was wahre Liebe ist. Aber noch interessanter sind deutsche Schimpfwörter, ich schreibe sie an die Tafel, und sie schreiben eifrig mit: Stinkstiefel, Arschgeige, Pissnelke, blöde Kuh usw.... macht echt Spaß, hätte doch Proff werden sollen!
Tina wieder getroffen, fahren Riesenrad, sie arbeitet im Goethe-Institut. Sie sagt, die russischen Mädchen glauben, die Frauen in USA und Europa laufen draußen so rum wie die Pop-Stars in MTV. Alle jungen, hübschen Usbekinnen wollen weg, und sie sind sich ihres Wertes bewußt. Ein Bekannter habe eine heiraten wollen. Als ihm klar wurde, wieviel es ihn kosten wird (20 Tausend USD für die Hochzeit, Geschenke: Auto, Computer usw.), habe er es gelassen. "Der Frauen Gunst ist nie umsunst."
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5.6.03
Zum dritten Mal bestohlen worden: Nachts vorm Hauseingang klaut mir einer die Geldbörse aus der Hose. Leider war meine Visa-Karte da drin. Fahre 6 Uhr morgens in die Innenstadt, um nach Frankfurt zu telefonieren und sie sperren zu lassen, aber finde den Telefonladen nicht wieder. Eine junge Asiatin hilft mir, spricht Englisch mit amerikanischem Akzent. Ich lade sie für den Abend zum Essen ein.
Abends: Sie kommt, zwar eine Viertelstunde zu spät, aber sie kommt. Sie heißt Oksana, ist 22 Jahre alt und spricht besser Englisch als ich. Ihr Uni-Prof war Amerikaner, deshalb hat sie einen amerikanischen Akzent, was in einem reizvollen Kontrast zu ihrem asiatischen Aussehen steht. Sie erzählt von ihrem Job und was sie im Leben noch so alles vorhat. Ich bin verliebt, war ja klar! Einer in mir sagt: "Bist du bescheuert? Steh auf und geh, die ist noch ein Kind, und du bist ein alter Narr, der zum Grabe wankt!"
Die andere Stimme, auf die ich am liebsten höre, sagt: "Na und? Was hast du zu verlieren?"
Ich bleibe und nehme ihre Hand und sage, ich hätte das Gefühl, wir würden uns schon lange kennen. Und das ist keine dumme Anmache, das habe ich wirklich so gefühlt. Das selbe Gefühl habe sie auch, sagt sie und zieht ihre Hand nicht weg.
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8.6.03
Ich erlebe usbekisches Camping: Unter Bäumen am Wasser wird ein runder, eiserner Ofen herangeschleppt, Holzfeuer drunter, oben ein Wok drauf, mit Fleisch und Gemüse gefüllt, von Weißkohlblättern abgedeckt... Erste Wodkaflaschen und Biere werden geleert...
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Zwischendurch springt einer in den See, oder sie liegen auf dem Tabshan in Körperkontakt zusammen. Frauen und Sex sind bevorzugte Themen, in jedem Satz ein Schimpfwort, aus dem Wolga kommt usbekische Popmusik, Abdu übersetzt den Text: "Ich sitze im Knast, rauche Hanf, denke an mein Mädchen im schönen Ferganatal".
Erst gegen 1 Uhr nachts ist der Gemüsetopf gar, Erlang, der Tartare, ist schon abgefüllt, wir schieben ihn an den Rand und setzen uns im Schneidersitz um die Teller, essen mit den Fingern, Erlang kommt hoch, beugt sich über den Rand des Tabshans und kotzt auf den Boden, alle lachen, Er schläft weiter. Diese Szene erinnert mich an die Ureinwohner auf Borneo, die durch den Boden ihrer Langhäuser kotzen und dann fröhlich weiter zechen. Morgens tragen sie Marat zu Viert aus dem Pavillon. Nach einem Sprung in den See ist er erstaunlich rasch wieder fit, nimmt zum Frühstück eine halbe Tasse Wodka. Ist usbekisches Camping anders? Saufen, fressen, Witze reißen - genau wie bei uns.
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Sie können stundenlang in dieser Hockstellung ausharren: der Körper wird gewissermaßen eingeklappt, der Hintern schwebt knapp über dem Boden, die Arme liegen nach vorn ausgestreckt auf den Knien. Ich hab's versucht, ich kippe jedesmal nach hinten weg. So sitzen sie draußen und warten auf den Bus, auf Freunde, in Fotopose...
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10.6.03
Tashkent wird vom 70 km entfernten Charvak-Stausee versorgt, und der vom Fluss Chirchik. Die Staatsgrenze umschließt den Chirchik wie ein Kondom nach Nord-Osten bis ins 4000 Meter hoch gelegene Quellgebiet, links Kasachstan, rechts Kirgisistan. Wenn die Staumauer bricht, sagt Abdu, werde Tashkent in die Wüste gespült. Nur 10% der Wasservorräte werde als Trinkwasser genutzt, behauptet Präsident Karimov im Fernsehen, entsprechend verschwenderisch geht man damit um. Aber Brot ist den Usbeken heilig, sie können es nicht wegschmeißen. Auf dem Weg zum Müllcontainer nimmt mir einer erschrocken die PlastikTüte mit grün-verschimmelten Krusten aus der Hand – wüsste gern, was er damit macht.
Auch Regen gilt als heilig, weil er so selten ist: immer dasselbe Wetter, es ändert sich nur insofern, als es jeden Tag ein bisschen wärmer wird. Heute ist es wie kurz vor einem Sommergewitter, aber es kommt keins. Eine sanfte Brise ist buchstäblich ein Geschenk des Himmels. Gewöhne mich allmählich daran, der permanente Schweißfilm auf der Haut ist ganz angenehm, kann – wie die "locals" – schon ohne Kappe und Sonnenbrille draußen rumlaufen.
Russisch ist die Sprache der "upper class". Alles, was aus Russland kommt, ist besser: Fernsehsender, Bier, Schokolade... Usbeken erkennt man u.a. an den goldenen Zähnen, Gold ist billiger als hochwertige Keramik. Seit der Wende wandern Russen und gut ausgebildete Leute ins Ausland ab. Man sagt: "Die goldenen Köpfe gehen, die goldenen Zähne bleiben."
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12.6.03
Sitze in einem Zelt am "Broadway", der tashkenter Fußgängerstraße. Mit mir am Tisch sitzen meine beiden usbekischen Freunde und drei Huren. Ein etwa 9-jähriger, schmächtiger Junge in schwarzem Anzug kommt an unseren Tisch, er hat eine Geige in der Hand, schwarz glänzendes Haar, ganz feine, kurze Finger, guckt ernst, geistesabwesend, sagt kein Wort. Abdu sagt, was wir hören wollen, und er kratzt es auf seiner Geige mit unveränderter Miene. Er kriegt 200 Sum und geht ohne einen Gruß.
Unsere Mädchen sagen, sie seien keine Prostituierte, sie müssen ihre Kinder durchkriegen; sie wollen jede 20 USD für eine Nacht. Die eine hat rote Striemen auf dem linken Unterarm, wie Kratzspuren von Katzen. Nosim sagt, das sei eine Art Tatoo, ein Zeichen der Zugehörigkeit zu "Outlaws": Ex-Sträflinge, Huren, Fixer, Bandenmitglieder usw.
Wir packen die Mädchen in mein Wohnmobil und fahren nach Hause, in meine möblierte Wohnung. Vorher haben wir Männer auf dem Basar reichlich Speisen und Getränke eingekauft. Die Mädchen fangen an zu kochen. Im Zelt hatte ich sie gefragt, ob sie das nackt machen könnten. Sie waren einverstanden, aber nun ist keine Rede mehr davon. Sie schämen sich.
Nach dem Essen verschwinden meine Freunde mit ihren Mädchen in die anderen Zimmer. Mein Mädchen tanzt für mich nach der Musik aus dem Radio eine Art Bauchtanz, mit dem Unterschied, dass sie am Schluss alle Hüllen fallen lässt. Ich sitze währenddessen im Ohrensessel, schaue ihr zu und wichse. Dann kommt sie zu mir und hockt sich auf den Boden zwischen meine Beine. Es geht mir ausgesprochen gut.
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13.6.03
Nach dem Frühstück nehmen sich die Mädchen noch ein kleines Trinkgeld: Äpfel, Pfirsiche und Plätzchen für die Kinder. Die mit den Striemen hat keine Kinder und kriegt Taxigeld.
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16.6.03
Annette und Stefan im Landcruiser eingetroffen. Wir sind uns am Ishak Pasha Saray in der Türkei begegnet. Nachmittags kommen Rosche und Susan aus der Schweiz in ihrem Landrover hinuz. Meine Wohnung wird zum Globetrotter-Treff, schöne Erzählnacht, wieder Reiselust.
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Mirobod-Basar: Drei Kuhköpfen ohne Hirn, die gerade verladen werden
Drei Typen in Zivil umringen mich, sie seien vom Zoll, wenn ich recht verstehe. Sie wollen Papiere vom Auto und meinen Pass sehen. Immerhin entschuldigt sich einer nachher, mich verdächtigt zu haben.
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23.6.03
Der 3-jährige Sarvat kommt heute Abend unters Messer, bis dahin wird gefeiert: Sunat Toje heißt das Beschneidungsfest. Im Innenhof um ein Gemüsebeet stehen Tische und Bänke und eine 2-Mann-Kapelle. Noch stolziert das Opfer ahnungslos in Königsrobe und -hut herum mit einem Plastikauto im Arm.
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Frauen in langen, bunten Kleidern klatschen und kreischen beim Tanzen, Zuschauer drücken ihnen Geldscheine in die Hände. Ich halte eine kurze Ansprache über Mikro, einer von Abdus Studenten übersetzt. Beim Tanzen kriege auch ich 1 Bündel Sum-Scheine zugesteckt, die ich an meine zahlreichen Partnerinnen weiter reiche.
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27.6.03
In den Hauptstraßen, besonders an Bushaltestellen, sitzen Frauen und verkaufen Sachen, die in einen Schuhkarton passen: weiße Kugeln aus Ziegenmilch, Männer essen sie zum Bier, heißen: "Kurt" oder auch "Achselschweißkugeln", einzelne Zigaretten, Sonnenblumenkerne, Kaugummi, Nasswei, manchmal ein Telefon (aber nicht zum Verkauf, sondern zum Telefonieren),
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29.6.03
Zu Gast bei einer usbekischen Familie, 130 km südlich Tashkent. Genieße königlich die Gastfreundschaft: ich darf nichts tun und alles verlangen.
Ich sei ein religiöser Mensch, sagt der 28jährige Sohn, er sehe es in meinen Augen. Zum Abschied schenken sie mir ein traditionelles Gewand mit Doppe.
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30.6.03
Oksana übersetzt, was wir im Radio hören: Usbekische Frauen werden vor Ausländern gewarnt, die ihnen die Ehe versprechen und sie dann als Sexsklavinnen verschleppen. Das werde ich nicht machen, sage ich.
Sie sagt, Sperma gelte als Heilmittel gegen Akne. Sobald die Frauen verheiratet sind, sei das weg. Stimmt, sage ich, und am besten trage ich es ohne Umwege frisch auf deine Haut auf. Oksana hat Akne im Gesicht.
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5.7.03
Bei Fahrten durch die Stadt immer wieder Diskussionen mit Polizisten, sie wollen Geld, auch ohne Grund. Gestern tatsächlich einen Fehler gemacht: gewendet unter einem Schild "wenden verboten", und ein Bulle hat's gesehen. Trotzdem gehen wir vor wie gewohnt: Oksana diskutiert, ich gebe Pass und schaue dem Bullen streng in die Augen: In Deutschland sei das erlaubt, sage ich, und ob er Äger mit der Deutschen Botschaft haben will, da würde ich nämlich arbeiten. Er will wissen, ob in wirtschaftlicher oder in politischer Misson. In politischer Misson, sage ich. Er gibt meinen Pass zurück, wir können fahren ohne zu zahlen.
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15.7.03
In der Nacht Sturm über Tashkent! Nach wochenlanger Windstille. Staub weht durch die dunklen Straßen, wie Schneetreiben, kein Regen, die Bäume tanzen... Es ist wie kurz vor einem Erdbeben, unter und über mir je 4 Stockwerke, kein schlechter Moment zu sterben, trunken von russischem Bier und meiner Oksana. Sie wird wach und taumelt zu mir ans Fenster, liegt in meinem Arm. Ich zeige ihr das Wunder da draußen. Sie sagt schlaftrunken: "So what? I was born in the wind!" Und legt sich wieder hin. Ein Zitat aus einem Gedicht? Nein, sie stammt aus einem Ort in der Wüste, da weht es wohl öfter so.
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18.7.03
Oksana spricht sechs Sprachen, aber in keiner hat sie bisher über Sex geredet. Sie kennt die Wörter, aber sie schämt sich, sie auszusprechen. Nur "fuck" kann sie sagen. Wir finden Wörter, die uns beiden gefallen, für Ihres: "Garden", weil sie mir zuliebe ihre Schamhaare wachsen lässt. Mein Schwanz kriegt meinen zweiten Vornamen: "Paul".
Jeden Tag will Paul in ihren Garten, aber darf nicht, sie will bis zur Hochzeit Jungfrau bleiben. Das einzige, was sie erlaubt, nennen wir "Car Repair". Ich rutsche unter sie, zwischen ihre Beine, wie der Mechaniker unter ein Auto. Und sie lässt ihren Garten auf meinem Mund nieder.
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21.7.03
Das usbekische Nationalgericht ist Plov: eine Suppenschüssel mit gelbem Reis und Möhrenstreifen, bedeckt von fettigen Fleischstücken. Von einer kleinen Portion ist man einen halben Tag satt, was mit dem Baumwollöl zu tun haben soll. Das typische Gericht besteht aus Plov, einem Teller Zwiebelringe, Brot und eine Kanne grünem Tee. Kostet ca. 85 Cent. [Plov zusammen mit einem kalten Getränk soll Bauchweh machen].
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24.7.03
Zwei Tage im Krankenhaus, Herzprobleme, ich dachte, ich müsse sterben. Sie messen Blutdruck und knipsen Kabel an Füße und Brust. Kriege eine Infusion, und sofort geht's mir besser. Es war keine Herzattacke, sagt der Arzt, es käme vom ungewohnten Klima und Durchfall nach dem Plov. Ich war dehydriert. Ich kriege weitere Infusionen und zum Abendessen Plov!
Am nächsten Morgen belegt der Amerikaner Frank das zweite Bett in meinem Zimmer; auch er dachte, er müsse sterben. Er kriegt die gleiche Therapie. Ich frage ihn, warum es nur Ausländern von Plov sterbenselend wird.
"Usbeks", sagt er, "are able to eat a dead dog from the street and drink sewage water." Er wird heute 39, die letzten Jahre war er an der Behringstraße. Auch im Winter bei -50 Grad und kälter. Den Blinddarm haben sie ihm ohne "pain-killer" rausgenommen. Er baut Camps für das US-Militär.
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27.8.03
Den Bus aus der Werkstatt in Kuluk abgeholt : geschweißt und komplett lackiert für 300 USD. Der Meister hat allerdings Einiges etwas nachlässig zurückgebaut: die Scheinwerfer funktionieren nicht mehr, die Sonnenblende nicht angeschraubt, die Innenverkleidung hängt vom Dachhimmel runter... Aber das Ambiente ist ganz nach meinem Geschmack: Voll mit Dingen, die nichts mehr können, ganz der Ort meines Weltgefühls.
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1.9.03
In der iranischen Botschaft ein Transitvisum für die Rückfahrt beantragt. Werde vom Konsul persönlich empfangen und begrüßt mich sehr höflich. Er wundert sich, dass ich drei gültige Pässe besitze, davon hat er noch nie gehört, dass das möglich ist. Anscheinend hält er mich für eine besonders wichtige Person. Zuhause bin ich ein nobody, hier ein kleiner Prinz.
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12.9.03
Oksana begleitet mich bis Buchara. Ich verfahre mich, und wir nehmen einen alten Usbeken mit, der uns auf die richtige Straße führt. Ich frage sie, was der Alte so alles erzählt hat, aber sie will es mir nicht sagen, sie schäme sich für ihn. Nun bin ich erst recht neugierig und lasse nicht locker. 'Der ist Deutscher', habe er gesagt, 'er hat ein Auto, ist reich, und wir beide sind Usbeken, also lass uns den Typen ausnehmen.'
Vor einem der üblichen Polizeiposten sitzt der Beamte draußen hinter seinem Schreibtisch. Ich stelle mich davor wie zum Rapport. Er schaut in meinen Pass und macht den Hitler-Gruß. Oksana übersetzt: "Er sagt", sagt sie, "er freut sich, einen Deutschen kennen zu lernen, sein Vater ist im Krieg gegen Deutschland umgekommen. Er fragt mich, was wir mit dir nun machen sollen."
"Erschießen", sage ich.
Er ist der erste Polizist, mit dem wir Witze machen können. Die Geschichte mit seinem Vater könnte stimmen. Die Russen haben damals gerade aus den Provinzen viele Soldaten rekrutiert.
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14.9.03
Grenze Usbekistan / Turkmenistan: Ein einzelner Europäer im Wohnmobil ist ein Exot, man hat Zeit und beschäftigt sich genussvoll mit dem Alien. Das Auto kommt in eine Halle mit Grube, 3 Typen untersuchen jeden Zentimeter und finden verdächtige Dinge: Zeitungen und ein Buch in arabischer Schrift, unschöne Fotos von Usbekistan: alte Frau wühlt im Müll:
Außerdem habe ich statt meiner 803 nur 72 USD angegeben. Das ganze belastende Material wird auf dem Schreibtisch des dicken Chefs ausgebreitet, und ich werde ernst aus vielen Augen unter Schirmmützen angestarrt. Keiner spricht Englisch. Ich gebe mich cool, werde kein breiberie (usbekisches Wort für Schmiergeld) anbieten.
Einer hat irgendwo den Inhalt der Diskette ausgedruckt: mein Foto als Khan von Khivi - siehe da, sie können lachen! Ich werde hinauf zum Computer geführt, der kann Englisch, ich werde gefragt, warum ich so hässliche Fotos von Usbekistan gemacht habe: Ich sage, sowas gibt es hier nun mal, was kann ich dafür? Nicht gerade originelle Antwort.
Der oberste Chef sei unterwegs, um über mich zu entscheiden, sagen sie. "Will he kill me?" frage ich in den Computer. Nach etwa 5 Stunden Wartezeit wird entschieden: Die hässlichen Fotos (nicht die Negative!) und ein paar iranische Zeitungen werden beschlagnahmt, und die Deklaration über die USD wird neu geschrieben. Dann darf ich fahren.
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