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Reise 2003

Türkei



Reiseroute Türkei





17.4.03

Die Türken haben eine neue Grenz-Station gebaut (Ipsala), die alte hat mir viel besser gefallen, und ich muss sie auch noch finanzieren: zum ersten Mal verlangen sie Gebühr für die Einreise: 8 Euro. Erste Tankstelle vollgetankt: 1 Liter Diesel kostet 1,5 Millionen Lira, ca. 0,86 Cent.






18.4.03

Mitten in Gelibolu mit Blick auf den alten Hafen geschlafen; 5:30 von 2 krächzenden Muizinen geweckt, 1 Hund heult dazu, draußen kein Mensch. Nur Katzen, Hunde und Plastiktüten huschen herum. Fahre an den Dardanellen entlang; sieht aus wie am Rhein, nur alles größer: Schiffe, Wellen, Wind, Müll...






Wieder der köstliche, würzige Geruch türkischer Kleinstädte. Er kommt aus Kanonenöfen, mit denen sie heizen (es ist kalt), in den Restaurants stehen sie mitten im Raum; dem Geruch nach verbrennen sie Abfälle: Essensreste, Yoghurtbecher, überfahrene Hunde - letztere findet man am Straßenrand.






19.4.03

Canakkale bis Balikesir: Schöne, regennasse Landschaft, Nadelwälder, moosbewachsene Steine, Tümpel und Bäche, Wiesen tiefgrün und voller Pfützen, ganz wenig Verkehr, die Straße übersät mit "Meteoriteneinschlägen".

Auf einem Feld neben der Straße stehen 2 Sattelzüge genau nebeneinander, der eine aber komplett auf dem Dach. Wie haben die das hingekriegt?




20.4.03

In Balikesir auf einer Tankstelle geschlafen. Wenn man tankt, kriegt man eine Wäsche umsonst, umgekehrt wäre noch besser. Während der Junge mein Auto schrubbt, erzähle ich dem Chef, ich will in die Mongolei. Da geht er in seine Bude und holt 4 Päckchen Knorr-Fertigsuppe und eine türkische Zeitung mit Bildern vom Irak-Krieg, damit ich auf dem langen Weg nicht verhungere und mich nicht langweile.

Es gibt unglaublich viele Tankstellen, die meisten sind rund um die Uhr geöffnet und haben reichlich Platz für die Übernachtung im Wohnmobil, kostet nichts, aber fragen sollte man, das heißt : "Burada Arabamizda yatabilirmiyiz".

Es sei nicht einfach, eine Freundin zu finden in der Türkei, sagt mein neuer Freund Ibrahim, den ich bis Tavsanli mitnehme. "Don't worry", sage ich, "no woman no cry". Sein Freund hat ein Internet-Café, das trifft sich gut, ich zeige ihnen die Fotos meiner Freunde, eine mail kann ich nicht abschicken, jedesmal setzt kurz vorher der Strom aus.




21.4.03

Einen türkischen Landmann mitgenommen, er riecht deftig nach Tabak, vielleicht auch nach Stall. Die kleinsten Orte haben die längsten Namen: Serefligöközü z. B. hat so viele Hütten wie Buchstaben.



Die schönsten Gegenden findet man auf solchen Nebenstrecken, meist guter Asphalt.

Immer noch arschkalt: Hocke bibbernd in meiner Karre in 2 Hosen, 2 Pullovern und dicker Jacke mit Kapuze. Die Türken gehen draußen im Hemden rum als wär's Hochsommer. Schlafe unruhig, vermutlich deshalb, weil ich seit 5 Tagen keinen Sex mit mir selbst hatte.






22.4.03

Abends in Kayseri: ein 14-jähriger führt mich zu einem Internet Café, setzt sich auf meine Kosten selbst vor den Bildschirm; beklagt sich, er bekomme immer so viel Sex-Reklame in sein Postfach. Er ist wibbelig und schwitzt. Er sagt, mit meiner Mütze und dem grauen Bart sehe ich aus wie ein Koran-Lehrer. Er heißt Tschuma, das heißt Freitag, weil er an einem Freitag geboren wurde. Sein Vater heißt Savas, das heißt Krieg. was ihm gar nicht gefiele. Ich sage, zum Ausgleich hätte er ihn, seinen Sohn, ja Frieden nennen können. Wär doch prima, wenn man sie vorstellt: Da sind Krieg und Frieden. Er sagt: "Frieden" sei doch kein Name!




23.4.03

Von einer wunderschönen, jungen Frau geträumt, die mir die Haare schneidet und wäscht, die ganz offensichtlich mit mir altem Sack ins Bett will; ich bin sehr scharf, und sie kniet vor mir und sieht mich verliebt an, ich will meine Hose öffnen... da werde ich vom Muizin geweckt.






25.4.03

Sehr kalte Nacht: kratze 6 Uhr morgens Eis von den Scheiben. Über Gürün nach Malatya: schönes, kahles Bergland, Pässe bis 1900 Meter, grüne Täler mit vollen Bächen und endlich Sonne: Sitze zum ersten Mal draußen, 3 Kinder schleichen sich an und lachen über mich...

Hochebene vor Elazig, stürmischer Seitenwind, dann dreht die Straße das Auto in den Wind, ich nehme den Gang raus, die Karre läuft von selbst.






27.4.03

Schlafplatz über dem Ishak pasha sarayi, sitze wie in einem Adlernest hoch über der Ebene; mir zu Füßen der alte Palast, darunter die Stadt Dogubayazit, weiter hinten Schneeberge.

In der Nacht stehe ich ganz allein da, nur ein paar Hunde streichen ums Auto, heulen und bellen. Es fängt an zu schneien, die Lichter der Stadt verschwinden unter weißen Flocken. Ich sitze auf dem Beifahrersitz in der Dunkelheit und lach mich kaputt - warum weiß ich selbst nicht genau, es geht mir offenbar zu gut.






28.4.03

7:00 Uhr, das Auto vollkommen eingeschneit, starre frierend auf fette, tief hängende Wolken über Dogubayazit. Ich kann nicht weg, es hat die ganze Nacht geschneit, und es schneit weiter, Erde und Himmel weiß. Der Hund, den ich gestern gefüttert habe, liegt vor meiner Tür mit der Nase im Schnee.






Setze mich an den Kanonenofen im Pavillon und trinke Tee.

Mittags ist der Nebel weg und der Schnee nur noch Matsch. Ich fahre im Schritttempo den Hang runter; vor mir ein Landcruiser aus Deutschland. Wir halten an, ich frage aus dem Auto raus, wo sie hinwollen: "In die Mongolei!" Große Überraschung: Monatelang habe ich nach Mitfahrern gesucht, und jetzt treffe ich diese beiden netten Leute auf diesem verschneiten Berg! Wir stehen eine halbe Stunde draußen im kaltem Wind und erzählen. Annette und Stefan heißen sie, Hund Shiva bleibt lieber im warmen Auto. Leider können wir nicht zusammen reisen: Stefan möchte auf den Ararat klettern, und ich will Mitsch und Caro nachmittags in Marand / Iran treffen.

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