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Reisetagebuch 2006 / Bishkek, Teil 2 26.7.06 Bärengang
Visum für Kirgisien verlängert, bleibe 1 Monat länger in Bishkek; schöne helle Wohnung im 7. Stock von Aserbaidschanern gemietet. Von der Eckbank in der Küche schauen wir nach Süden auf die Berge, das Wasser aus dem Hahn können wir bedenkenlos trinken, das Klo hat eine Sitzhöhe, die auch für Männer geeignet ist; wir haben TV, Telefon, großen Kühlschrank, Perserteppiche (angeblich), Aufzug, und alles funktioniert, sogar die Armaturen im Bad!
Liegt es nun an der Wohnung oder dem frischen Südwind? Oder am guten Essen im ‚Smile'? Oder am mineralhaltigen, bishkeker Wasser? Oder an Nuria? Sicher liegt es hauptsächlich an Nuria, dass es mir so gut geht, ‚glücklich' ist nicht übertrieben. Nuria ist 26, Jungfrau und hatte in den letzten 3 Jahren 500 bis 800 Männer und 5 bis 6 Frauen, schätzt sie.
Sie geht wie ein Elefant, mit den Füßen nach innen, was man hier einen ‚Bärengang' nennt. Sie kaut den ganzen Tag Kaugummi und kippt in der Disco eiskaltes Wasser über meinen Kopf. Müll und Kippen schmeißt sie aus dem Fenster und isst im Restaurant mit chinesischen Stäbchen.
Nuria bringt mich zum Lachen
Nuria liest in meinem Tagebuch (kannse aber nich)
Nuria schnarcht
Karl Marx und Friedrich Engels diskutieren im Park
Nicole und Johanna im Smile
Zeitungsverkäuferin
Tütenfrau in Bishkek 27.7.06 Heftig daneben Mein Seminar in der AST (Agentur für soziale Technologie) auf Anregeung der OSCE-Organisation ‚Jenshini mogut VSO' (Frauen können alles) sei ein Fiasko gewesen, sagt Abdu nachher. Die 6 Teilnehmerinnen waren emanzipierte Frauen, Leiterinnen von Frauengruppen, eine ausserdem Schriftstellerin. Mein selbst gewähltes Thema: ‚Emanzipation und sexuelle Tabus'. Ich kam in Begleitung von Abduwachid als Übersetzer und Nuria, nach deren Beruf zum Glück niemand fragte. Als Einleitung erzählte ich, dass das Reisen für mich so spannend ist, weil in der Fremde alls anders ist. So habe es mich 3 Tage und jedesmal über 1 Stunde Wartezeit gekostet, um ein Bankkonto zu eröffnen, aber eine ‚Brigade' (Zitat Saunabesitzerin) Huren sei in 5 Minuten zur Stelle gewesen. Die Damen wollten aber eher über die Frauenbewegung in Deutschland hören. Ich erzählte von Alice Schwarzer, die sie nicht kannten. Meine damalige Lebenspartnerin sei aktiv dabei gewesen, während ich schon damals Konsument von Pornografie war. Als das Gespräch auf Frauenklau in Zentralasien kam, fragte ich, ob auch ich mir eine Frau klauen kann. (Spätestens nach dieser Frage habe eine Teilnehmerin Lust bekommnen, mich zu erschlagen, sagt Abdu später.) Sie sagten, wenn ich das mache, komme ich ins Gefängnis. Das sei halt ein alter Brauch, und 70% der Frauen ‚finden' auf diese Weise ihren Partner. Manche Frauen machen sich sogar Sorgen, NICHT geklaut zu werden. Scheinbar ist der Frauenklau mit der Aufforderung zum Tanz in einer Tanzschule vergleichbar. Das Seminar war auf 3 Stunden angelegt, nach 1 Stunde brachen sie ab. Scheinbar war es allen außer mir peinlich. Dreimal verlor ich den Faden und wusste nicht weiter, weil ich an was anderes dachte, während Abdu übersetzte. Eine Frau meinte zu Abdu, ich habe wahrscheinlich einen sexuellen Schaden. Scheinbar habe ich mich mal wieder heftig daneben benommen. 28.7.06 Im Himmel tanzen Nat Meier ist US-Professor für Gender-Studies, Sex und amerikanische Musikkultur an der amerikanischen Uni in Bishkek. Wir trafen ihn im ‚Smile', unserem Stammrestaurant (empfehlenswert!) und waren uns sofort sympathisch, u. a. weil auch seine erste Lieblingsband die Beatles waren. Zufällig hatte er gerade Geburtstag (42), und er lud uns auf seine Party ein.
Am langen Cafe-Tisch trafen wir auf eine trinkfreudige Multi-Kulti-Versammlung, deren Teilnehmer einer nach dem anderen einen Toast auf Nat anbringen musste. Wir hörten Englisch, Spanisch, Japanisch, Chinesisch, Usbekisch, Kirgisisch, Deutsch (ich) Russisch und Farsi. Dabei ein neues Wort gelernt: ‚Fuckistan'. Ich musste auf meine neue Liebe und meinen neuen Freund ein volles Wodgaglas in einem Zug leeren. John - Amerikaner mit chinesischem Blut - machte als erster schlapp. Auch Nat schaffte den anschließenden Diso-Besuch im ‚Heaven' nicht mehr, während ich mit Nuria bis 3 Uhr morgens im ‚Himmel' tanzte. 31.7.06 Abschied
von Abduwachid im Flughafen Bishkek: Wir liegen uns in den Armen und können nicht glauben, dass es nur eine Reise war und nur einen Monat lang, das war ein ganzes Leben! Und zur Krönung kommen wir ein letztes Mal gemeinsam in den ‚Genuss', mit wichtig dreinblickenden Uniformierten blödsinnige Verhandlungen zu führen. Sie lassen ihn nicht durch zum Terminal, weil er im Pass keine Registrierung vom OWiR hat. Ich bin wieder der deutsche Diplomat aus Tashkent auf Urlaubsreise und notiere mir Namen und Dienstgrade der Herren, schaue sie spöttisch und herablassend an, sage dies und das, und Abdu übersetzt, was er für angemessen hält. Wir werden in ein Dienstzimmer im EG geführt, wo ein Mann in Zivil hinzukommt, der ein Kriminalbeamter sein soll. Man holt ein dickes Buch, offenbar ein Gesetzbuch, und zeigt uns einen Paragraphen, demnach Leute aus den GUS-Staaten eine Registrierung brauchen. Wir sagen, sie hätten offenbar noch nicht davon gehört, dass neuerdings Leute, die im Wohnmobil unterwegs sind, keine Registrierung benötigen (ein Blöff). Es wird geredet und geredet, ich mach's mir bequem, schließlich übersetzt Abdu, ich soll in Europa verkünden, Kirgisien sei ein freundliches Reiseland und alle meine Freunde hierher einladen. Sie hoffen, wir hatten eine angenehme Reise, und es hat uns gut gefallen in Kirgisien. Das können wir bestätigen, und Abdu darf ungestraft nach Tashkent ausreisen: "Karascho, do sürdanje!" Bloody Days
Da Nuria immer nackt in der Wohnung rumläuft, hat sie inzwischen mindestens 3 männliche Fans im Plattenbau gegenüber. Das Fenster unserer Küche hat volle Zimmerbreite und keine Vorhänge. Scheinbar haben sie ein Alarmsystem eingerichtet, denn kaum ist sie in der Küche, hängen sie in den Fenstern. Wenn ich allein dort escheine - immerhin auch oben ohne - passiert nichts. Vielleicht schiebt einer Wache und informiert die anderen? Zur Zeit müssen sie sich allerdings mit einem schwarzen Slip begnügen, Nuria hat die Tage.
Letzte Nacht wehte ein beißender Qualm bis zu uns in die 7. Etage hinauf. Er stank genauso wie der vor sich hinkokelnde Müllplatz hinter der nächtsen Plattenbaureihe. 5:30 fuhr ich runter, bewaffnet mit einer Flasche Wasser. Aber der Wind kam aus einer anderen Richtung, die Quelle musste - für mich unerreichbar - hinter Zäunen und diversen Flachbauten liegen. Zurück im Bett roch ich nichts mehr. Hatte ich geträumt, oder ist wahr, was ich kürzlich gelesen habe?: Demnach warnt die Nase zwar vor üblen Gerüchen. Aber wenn sich der Nasenbesitzer nicht aus der Gefahrenzone heraus bewegt, oder den Gestank abstellt, geht die Nase davon aus, dass er nicht so schlimm ist und ignoriert ihn fortan.
Wir planen einen Badeausflug an den See für 3 bis 4 Tage. Nuria informiert die Wohnungsbesitzerin. Die sagt, ihr Sohn wird in unserer Abwesenheit die wertvolle Einrichtung bewachen, obwohl die Eingangstüre aus Stahl ist und 3 veschiedene Schlösser hat. Um die zu knacken, braucht man Sprengstoff, schätze ich. Von außen in den 7. Stock zu klettern, um z. B. den mannshohen Kühlschrank abzuseilen, scheint mir auch kein lohnendes Unterfangen zu sein. Tatsächlich ist die Einrichtung neu, aber von zweifelhafter Qualität. Die Zündanlage des Gasherdes gibt nach 3 Tagen den Geist auf, die Duschvorhangstange kommt nach 4 Tagen runter und lässt sich nicht wieder befestigen. Vielleicht wird die Wohnung nur vermietet, damit jemand die Sachen bewacht, oder die Reparaturkosten übernimmt?
Kürzlich hat Nuria zum ersten Mal ein Mitglied ihrer Familie zu uns eingeladen. Die 18-jährige, unverheiratete Nella schläft auf der Couch und bleibt zum Frühstück. Dabei zeigt ihr Nuria (immerhin mit Slip bekleidet) unsere von der Sonne aufgeweichte, eingeknickte Kerze und meint fröhlich auf mich deutend: "His penis!" Und ich dachte, in asiatischen Familien wird nicht über Sex geredet! Kommentar: Klaus S. 5.8.06 10:21 Hallo Juergen, ich sehe schon kommen, was sich da entwickelt: Eine gut funktionierende Dreierbeziehung, die Nella macht auch noch mit! Ich gönne es Dir (mit einem leisen Anflug von Neid!). Viel Glück und viel schöne Frauen auf Deinem Weg wünscht Dir Klaus aus W'tal. Kommentar: thomas (6.8.06 23:56): Ich weiß nicht warum ich darauf komme, aber denk' bitte daran die Vielehe ist hier nicht opportun. Und ich hoffe doch sehr, Du erzählst Nuria nicht irgendeinen Käse. Viele Grüße an den Diplomaten Kommentar: Ulli (7.8.06 10:47): Bin weder erstaunt, verwundert oder überrascht. Kenne dich seit 37 Jahren !!!! Du warst verrückt, bist verrückt und wirst es bis zum Ende bleiben. Wenn "sie" clever ist, hilft sie dir, die 6000 USD unter die Leute zubringen - oder sich einen Grossteil in die eigene Tasche zu...... Viel Spass dabei 8.8.06 Nella & Nuria...
…gucken fern
…frühstücken
…im Isik-Kul See Kommentar: ABRIKOS 15.8.06 06:30 Hallo Jürgisch-Pupurgisch, Erstmal etwas zu den Fotos! Entferne das foto wo deine Freundin allerhand präsentiert ist nicht so nagebracht auf dieser homepage! alles andere ist ok, bisher! liebe Grüße ABDU Klaus S. 21.8.06 11:38 Hallo Jürgen, tu mir einen Gefallen und entferne auf gar keinen Fall das Foto mit dem blanken Busen von Nuria. Es passt in Deine Homepage wie eine blühende Lotusblüte auf den Teich - ein herrlicher Anblick! (Was sind das für Männer, die daran Anstoß nehmen?) Langweiliges Leben Sehr heiß geworden in Bishkek, wir gehen meist erst nach 19 Uhr aus dem Haus. Den Tag verbringen wir auf meinen Schaumstoffmatratzen aus dem Bus, die wir auf den Wohnzimmerteppich gelegt haben. Die 'wertvolle' Couchgarnitur benutzen wir nur als Kleiderablage, um keine Schwitzflecken zu hinterlassen.
Der Tag vergeht mit Kissenschlachten, Kampf um die Musikauswahl (sie mag Hip-Hop, ich meine alten Kassetten), schlafen, Fotos von ihr machen, kreuzworträtseln (sie allein) und TV gucken: Englischsprachige Filme gibt's nicht mit Untertitel, sondern nicht-lippensyncron russisch übersprochen: 1 Sprecher für alle männlichen, 1 Sprecherin für alle weiblichen Rollen. Es wundert mich, wie viel die Leute sich zu sagen haben. Bei uns geht's ruhiger zu, Nuria kann wenig Englisch, wusste nichtmal, was ‚letter' heißt. Habe angefangen, ein Vokabelheft für sie zu füllen, aber es hapert auch mit Grammatik, Nuria lebt im Präsens. Für Anekdoten aus ihrem Berufsleben reicht ihr Sprachschatz, da kann sie ja gestenreich nachhelfen. Aber die meisten Kunden seien langweilig, sagt sie, es gebe nicht viel zu erzählen, immer das selbe. Ich frage mich, wie lange sie unser langweiliges Leben aushält.
"I am a woman... sometimes...." 10.8.06 Müllschlucker Lange erwartet, jetzt ist's passiert: der Fahrstuhl funktioniert nicht! Gleichzeitig kotzt einer von 3 Bertunkenen in den Müllschlucker. Könnte es da einen Zusammenhang geben? Egal, erstmal gehe ich in den kleinen Basar um die Ecke. Mindestens einer der beiden Missstände wird danach behoben sein.
Diese Müllschlucker sind dicke Metallrohre, die von oben bis unten durchs Treppenhaus verbaut sind. Auf jeder Etage gibt's eine Einfüllklappe. Sehr praktisch. Die Ossis werden das kennen. Man benutzt sie aber nicht mehr. Sehr bald waren sie verstopft, und mit dem Gestank wanderten auch Ratten und anderes Ungeziefer die Röhre hinauf. Die Betrunkenen sind dann weg, aber der Aufzug geht immer noch nicht. 7 Etagen sind hart für einen alten Mann, auch wenn sie hier das Erdgeschoss mitzählen, die 7. also unsere 6. ist. 10.8.06 Da dachte ich, wenn ich mit einer Hure auf Zeit zusammen lebe, gibt's keine Beziehungsprobleme. Von wegen! Vorgestern musste ich in endloser Debatte begründen, warum ich sauer war, und dass sie sich eigentlich entschuldigen müsste. Und genau wie alle meine Freundinnen macht sie sich derart breit im Bett, dass mir nur noch ein schmaler Streifen zum Schlafen bleibt. Und steht einer Hure etwa zu, keine Lust auf Sex zu haben? Und wenn ich keine Lust habe, muss ich mir stundenlang anhören: "I want fuck!"? Und ist es richtig, dass sie mich zum Einkaufen schickt, obwohl ich 1. kein Russisch spreche, und ich 2. bereits für's Frühstück eingekauft habe? (7 Stock rauf und runter) und überhaupt jeden Morgen, naja, fast jeden Morgen das Frühstück mache, weil sie nicht aus dem Bett kommt, meist erst 11:30 in die Küche taumelt und sich über den Lärm beklagt, den ich mit dem Spülhaufen von gestern veranstaltet habe? Jetzt hab ich auch noch Zahnschmerzen! Und neulich in der Disco hat sie - nachdem sie sich gleich 3 Getränke auf einmal bestellt hatte: Wodka, O-Saft und Bier - doch tatsächlich einen Ekelkirgisen zum Tanz aufgefordert, mit dem sie, sagte sie, Lust habe zu ficken; was den Satz von Max Frisch bestätigt: ‚Tanzen ist Aufforderung zum Geschlechtsverkehr'. Aber er wollte nicht. Ich schon. Zum Glück spielte die Band nicht nur die doofen asiatischen Schlager, sondern auch Oldies wie 'Hotel Carlifornia', sogar ziemlich originalgetreu. Ich fand einen roten Plastikflaschendeckel, den wir auf der Tanzfläche hin und her kickten (barfuß). Dort kann ich mich ja nicht daneben benehmen; solange ich niemanden niedertrampel, ist alles erlaubt. Wie mein Gezappel aussieht, weiß ich nicht; ich weiß nur, wie lächerlich es aussieht, wenn Männer in meinem Alter sich bewegen wollen wie 20-jährige. Aber eine hübsche Kirgisin im Minirock - höchstens 20 - lächelte mich an. Ob spöttisch oder anerkennend, weiß ich nicht. Zum Tanzen hat sie mich jedenfalls nicht aufgefordert. Im kirgisischen TV-Sender hat sie heute einen ihrer Kunden wiedererkannt. Das sei ihr schon oft passiert, auch Politiker seien dabei gewesen. Dann schaut sie mich gelangweilt an und sagt: "Tschor?" (Was nun?) "Nitschor", sage ich, es gibt nur 2 Anlässe, die Matratzen zu verlassen: einkaufen und Internet. Dort hat sie beim Rumklicken am Computer so nebenbei das Chatten entdeckt und strahlt übers ganze Gesicht: "Is good!" Vermutlich wird sie bald den ganzen Tag damit zubringen, aber das ziehe ich ihr vom Lohn ab. Sie hat sich den Chatnamen 'Dura' gegeben, was gleich großes Aufsehen in der Chatgemeinde erregte. So nenne ich sie manchmal, heißt so viel wie: 'Blödfrau'.
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