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Reise 2006

Iran







5.4.06

Orumiye: Keine Tankstelle hat Diesel, hier hat mir der Platzwart Diesel aus einem LKW gepumpt. Bleiben dann für die Nacht dort stehen.






7.4.06

Nächste Nachtplatz an einem Nebenfluss des Zarrineh Rud bei Sanjud






Der junge Mann hinter dem Steuer meines Campers ist der Kanzler für Erziehung und Bildung in Bijar und hat mir das ins Tagebuch geschrieben:
"Why do you come to trip in Iran? trip in Iran is not interesting."






Nachtplatz bei aufziehendem Gewitter, zwischen Bijar und Qorveh






9.4.06

Derselbe Platz morgens bei -1 Grad

Gestern versuchte Karin dort ein Papiertaschentuch anzuzünden, um keinen Müll zu hinterlassen. Wenn sie es in eine Mülltonne schmeißt, sagte sie, würde es am Ufer eines Flusses landen. Tatsächlich liegt viel Müll in den Flussbetten. Bäume, die an den Ufern stehen, hängen voller Plastiktüten. Sie sehen aus wie Weihnachtsbäume mit Lametta.

Heute Morgen liegt das Taschentuch unversehrt auf der selben Stelle, war wohl zu feucht gestern. Nun schmiert sie es mit Altöl aus ihrem Motorrad ein und hält nochmal das Feuerzeug dran. Als wir losfahren, sehe ich aus den Augenwinkeln, dass es auch diese Attacke überstanden hat. Ein sehr vitales Taschentuch, möge es noch lange so weiß da liegen bleiben!




10.4.06

Stehe in Esfahan auf einem bewachten Hinterhof, unweit des Amir-Kabir Hotels, das die Fahrzeuge ihrer Gäste auch dort abstellt. Der Besitzer ist der einzige fette Perser, den ich bisher gesehen habe. Er hat blutunterlaufene Augen und kann etwas Englisch. Er wiederholt jeden Satz 3x und lauscht erstaunt seinen eigenen Lauten, als könne er es nicht fassen, dass das jemand versteht.

Von dort aus geht man etwa 20 Minuten zu Fuß zum Iman-Meydan-Platz, u. a. durch die Kh.Sepah Straße, wo man von Geldwechslern angesprochen wird. Rechts schaut man in den Shahid Raja II Park. Drinnen stehen ein paar Autowracks, der himmlische Park wird also auch als Autofriedhof genutzt.






Bin krank, Grippe vermutlich, habe kaum genug Kraft, die Tasten vom Keyboard zu bewegen, zumal diese hier besonders schwergängig sind und teilweise klemmen....




Narges bedeutet Narzisse, somit hat sie den selben Namen wie meine Frau, nur auf persisch. Sie ist nicht die einzige hübsche junge Perserin, aber zweifellos eine sehr hübsche. Wir haben uns im CafeNet in der Ferdosi Ave. kennen gelernt. Sie saß mir gegenüber am Bildschirm, und ich sah meist nur die rechte Hälfte ihres Gesichts, bis unsere Blicke sich trafen und sie mich anlächelte. Da wars um mich geschehen. Aufgeregt wie ein 16-jähriger schrieb ich auf einen Zettel: ‚May I envide you for restaurant?' Sie schrieb, sie müsse zur Uni, aber gab mir ihre E-Mail-Adresse. Also haben wir uns von Comouter zu Computer Briefe geschrieben. Ich konnte sie aber nicht überreden, mit mir ins Restaurant gehen.



Zwei Stunden später trafen wir uns zufällig auf der Straße, und nun hatte ich ein starkes Argument: ‚Gott will es!' Wir gingen zum Teehaus auf einem der Dächer des Iman-Meydan-Platzes, einer der schönsten Orte der Stadt. Bei Tee und Gebäck plauderten wir über die Liebe. Sie sei verlobt, und ich der älteste Mann, den sie kennt. Sie sei nie zuvor mit einem Mann in ein Restaurant gegangen, mit ihrem Verlobten dürfe sie nichtmal reden, aber sie chatten heimlich. Mit einem Touristen sei das was anderes, das dürfe sie sogar ihren Eltern erzählen. Für mich habe sie nun die Uni geschwänzt, sie studiert Computertechnik.




Zum schwarzen Gewand (Chador und Maghnae), das nur ihr Gesicht frei lässt, trägt Narges weiße Handschuhe, die ihr etwas Geisterhaftes geben. Handschuhe bedeuten, sie ist eine Hadshi, war also schonmal als Pilgerin in Mekka. Immerhin ist es ihr so erlaubt, meine Hand auf dem Rücksitz des Taxis zu halten. Im Park gehen wir sogar 5 Meter weit Hand in Hand. Es sei das erste Mal, sagt sie.



In Esfahans Straßen kann man sich nur schreiend unterhalten, was den zarteren Themen eher abträglich ist. Wir wollen uns zum Tee unter die Sio-se-pol Brücke setzen, aber die Teestuben sind noch geschlossen. Sie bestellt mir in einer Imbissstube eine esfahaner Spezialität: In einem Plastikbecher schwimmen in einer weiß-roten Souce wurmartige, weiße Eisstücke mit Mandelgeschmack.




14.4.06

Bin wieder fit, sofern man bei mir von Fitness reden kann, esse mit Appetit Fischkebap, womit die Hoffnung, nach 2 Fieberwochen hager wie ein afghhanischer Bettler zu sein, dahin ist.






Meine beiden Begleiterinnen, Farima und ihre Mutter, führen mich durch Shiraz. Obwohl man sich auch hier nur schreiend unterhalten kann, habe ich einiges Neues erfahren:

Der Iran habe nach dem 8-jährigen Krieg gegen den Irak noch immer einen Überschuss von 8 Millionen Frauen. Man könne sich mit China austauschen, meint Farima, die haben ja bekanntlich einen Männerüberschuss, aber die beiden Völker verstehen sich wohl nicht so gut.

Im Iran begehen 4x mehr Frauen als Männer Selbstmord. Im Süden, in den arabischen Gebieten, begießen sie sich mit Benzin und stecken sich an.

Jürgen Klinsmann ist hier nicht als Fußballer bekannt, sondern als Spender einer größeren Summe nach einem Erdbeben.

Hafes ist ein hoch verehrter Dichter, der in der Zeit der mongolischen Eroberung gelebt hat. Auch Goethe soll ihn verehrt haben. Seine Gedichte dienen scheinbar auch als Orakel. In der Schlange vorm Eingang zum Mausoleum wird mir ein Zettel von einem Kanarienvogel aufgedrängt, der an einer Kette an seinem Besitzer hängt. Ich denke, es handelt sich um ein Lotterielos und werfe den Zettel dem Mann verägert hinterher. Aber es war ein Gedicht des Hafes, das den Besuchern als Geleit für den Tag gereicht wird. So leicht kann man sich daneben benehmen. Die Iraner, höflich wie sie sind, haben nichts dazu gesagt.

Später führen mich die beiden in ein feines Hotel-Restaurant, ich bestelle besagtes Fischkebap und bitte den Kellner, die Musik etwas leiser zu stellen. Er weist stumm auf etwas in meinem Rücken. Ich drehe mich um und sehe, es ist eine Band, das ist Live-Musik! Sänger, iranische Sitar und Trommel (alles elektrisch verstärkt und verhallt) spielen folkloristische Weisen, die ich nicht gut abkann. Da man die nun mal nicht leiser drehen kann, müssen wir uns auch hier schreiend unterhalten, obwohl wir die einzigen Gäste sind.






Auspufftopf wechseln lassen: die Werkstatt ist eine PKW-Garage mit einem Graben in der Mitte. Der Meister ist auch klein, untersetzt und ölverschmiert. Er hat ein überaus sympathisches, strahlendes Lächeln. Ersatzteil plus Arbeit kosten umgerechnet 28 Euro. Der Meister von nebenan sieht sehr alt aus, graues Haar quillt aus seinem Hemd hervor. Wenn er den Kopf senkt, sieht es aus, als habe er einen Kinnbart. Als ich mit der Kamera ankomme, ist er verschwunden. Vermutlich hätte er auch nicht verstanden, warum ich will, dass er dabei seine Schuhspitzen betrachtet.

In Irans Städten hört man oft die sehr bekannte Beethoven-Melodie... ich Banause weiß nicht, wie sie heißt... hier tönt sie von einem billigen Keyboard, meist werden nur die ersten Takte wiederholt. Sie dient den Leuten als Zeichen, den Müll rauszutragen. Da meckern die hier über dänische Karikaturen, haben aber keine Skrupel, deutsches Kulturgut derart zu verhöhnen! Naja, mir eigentlich egal...




16.4.06

Marvdasht: In einem kleinen, fensterlosen Raum hocken mind. 30 junge Damen eng zusammen. Der Englischlehrer stellt mich kurz vor, wir sollen selbst ein Thema vorschlagen, über das wir reden wollen. Ich sage: "Die Beziehung zwischen Mann und Frau." Das würgt der Lehrer ab, bevor es die Mädchen richtig verstanden haben. Eine schlägt "Kultur" vor. Wir reden also über die Unterschiede europäischer und iranischer Kultur.

Der Lehrer ist aber eher an Politik interessiert, bald reden wir über Mr. Bush, den keiner sympathisch findet. Dann hält er eine lange Rede in Persisch, ich wedel mir mit meinem Tagebuch Luft zu, fühle mich ein wenig überflüssig, lächle von einem dunklen Augenpaar ins andere.

Gerade will ich einer Hübschen einen kleinen Zettel schreiben, als er mich unvermittelt fragt, wie ich über "creation" denke. Ich vermute, er meint die Frage nach der Erschaffung des Menschen. Ich sage, ich sei Atheist (er schreibt das Wort an die Tafel) und glaube an die Evolutionstheorie von Charles Darwin. Er erklärt es den Mädchen nochmal langsam: "This man thinks he comes from apes", was nun wirklich nicht sehr schön klingt. Zur Unterstützung mache ich "Uh-uh-uh...", wie ich es mal im Zoo gehört habe. Nach langer Diskussion in Persisch, sagt er zu mir, die Mädchen hätten davon noch nie gehört in der Schule.

Kaum ist der Lehrer mal kurz auf dem Flur, werden die Mädchen lebendig, alle wollen mich was fragen, ich kann meinen einzigen Satz in Farsi sagen: "Iran chobaer!" (Der Iran ist schön) Alle lachen, eine sagt: "Danke schön!" Am Schluss erfahre ich, woher sie das hat: Ein Onkel wurde mit einer Kriegsverletzung in ein deutsches Krankenhaus geschickt, wo man ihm wohl gut geholfen hat. Unter Tränen dankt sie mir, bzw. Deutschland. Auch ich bin den Tränen nahe und würde ihr am liebsten um den Hals fallen.






17.4.06

Der Iran könnte Millionen Windräder in der Wüste aufstellen, keinen würde es stören, und Wind geht immer. Aber sie wollen die Atombombe, sagen sie.






Kamelfleisch gilt als Delikatesse, es sei sehr teuer, sagt Roualla. Es habe sogar eine heilende Wirkung bei manchen Krankheiten. Die Milch wird auch getrunken. Allerdings gibt es nur wenige Kamele, zudem sind die in der Wüste lebenden ziemlich dünn und zäh. Das Übequeren der Straße gelingt ihnen nicht immer. Daher habe ich eine neue Reihe begonnen: ‚Überfahrene Kamele'






Die haben es geschafft, die habe ich rübergelassen






Dieser Ort liegt zwischen Rabat Khan und Tabas. Das Mahnmal markiert die Stelle in der Wüste, von der aus die Amis 1979 ihre Geiseln aus der Botschaft in Teheran befreien wollten. Das ist bekanntlich gründlich daneben gegangen. In den Nachrichten habe man im Iran damals gehört, die Amis hätten vorgehabt, Teheran einzunehmen, und Gott habe sie gerettet. Daher steht neben der Stele eine Moschee. Auf der Tafel steht (von Roualla übersetzt): ‚The momento of defect of the ruthless a America and proving rights of Iran'






19.4.06

Karin und ich haben uns heute Morgen endgültig getrennt. Dies ist unser letztes gemeinsames Camp: hinter einem Stall, etwas erhöht über der Wüste, in Sichtweite einer Siedlung, vermutlich wohnt dort nur eine Familie. Gestern Abend sahen wir, wie sie ihre Schafe und Ziegen heimbrachten, ihre Hunde begafften uns neugierig. Karin und Rualla hatten Angst vor ihnen.

Von einem Händler erfahren wir, dass die Leute in der Siedlung glauben, wir seien Nomaden und hätten hier für eine Nacht unsere Zelte aufgeschlagen. Stimmt ja auch, aber moderne, mit Autos statt Kamelen.






Piste zwischen Ardakan und Karanaq. Hier befindet sich, in einen kahlen Steilhang eingebaut, ein Wallfahrtsort namens ‚Tschak-Tschak'. Seinen Namen hat er von dem Geräusch der vor sich hintröpfelden Quelle, die einen heiligen Baum am Leben erhält.






Bleiben bei Karanaq auf einer LKW-Raststätte, Fahrer lassen mitten in der Nacht Motoren laufen, Rualla schläft in der Moschee.






20.4.06

Roualla schläft im Zelt oder in einer Moschee. Manche Moscheen übernehmen die Funktion von Raststätten, man kann z. B. umsont dort duschen, sogar ich Ungläubiger darf das, was ich ohne meinen Freund und Führer niemals rausgekriegt hätte. Ich habe Roualla auf der letzten Reise kennen gelernt. Er ist 19 und hat sich sehr auf die Tour mit uns gefreut (wollte Karin heiraten, aber jetzt nicht mehr) und singt mir traurige, altpersiche Weisen vor. Zwischen 2 Strophen stößt er Wörter aus, die ich ihm beibringen sollte, z. B.: "Furrzen!"






Nun fährt er zum ersten Mal in seinem Leben durch die Wüste (obwohl Marvdasht, wo er seit 19 Jahren lebt, nur ca. 100 km von ihr entfernt ist), und das ist ihm dermaßen langweilig, dass er krank geworden ist und daran denkt, zurück zu kehren zu seiner Mutter.






Im Haus von Ruallas Familie haben Karin und ich 2 Tage gewohnt und z. B. der Trommel der Nachbarin gelauscht:






Außerdem haben uns Jofar Tamizi und seine Frau zum Essen eingeladen, v.l.n.r. Karin (nur zur Hälfte), Roualla, Tamizis Sohn, seine Frau:

Es gab: Kalam Polo, Polo Sade, Dough, Mast, Sir, Jel, Khovosht Sabzi, Robe Ghoore, Felfel Dolme, Narenje, Salad Abghore, und Lavash, und alles schmeckte phantastisch, ich hab mir den Bauch bis oben hin vollgehauen, total lecker!






21.4.06

Zwischen Tabas und Birjand 2 überfahrene Kamele gesichtet. Ich fahre ein Stück in die Wüste hinein, um das eine gleich aus dem Fenster fotografieren zu können. Leider ist der Boden sandiger als ich dachte - wir sitzen fest. Ich schaufel Sand, Rualla schiebt, nichts geht. LKW-Fahrer müssen her, die ersten beiden halten auch an. Sie schieben - vergeblich. Ich versuche die Flucht nach vorn, um festeren Boden zu erreichen, was die Sache noch schlimmer macht. Leider bin ich der einzige, der darüber lachen kann.

Es ist 38 Grad im Schatten, und ich habe immer den Gestank von dem Kadaver in der Nase. Als die beiden Fahrer hören, warum ich da reingefahren bin, sagen sie mehrmals kopfschüttelnd: ‚Was für'n Arschloch!' (erzählt mir Rualla später) Tja, da haben sie wohl recht. Aber nun muss schweres Gerät heran. Der eine fährt seinen Riesendreiachser, dessen Räder mir bis über die Schulter reichen, rückwärts heran. Ich hole die Abschleppstange aus dem Bus. Dort haben sich inzwischen eine Menge Fliegen, die vorher auf dem toten Kamel saßen, ums feuchte Spülbecken versammelt. Eine scheint verliebt in meine Zahnbürste zu sein.

Mir will zum Verrecken nicht einfallen, wie das mit der Stange funktioniert. Die Trucker denken nicht, sie handeln. Mir haben sie angedeutet, ich solle die Klappe halten und am besten gar nichts machen. Eine Rolle, die schon immer gut zu mir gepasst hat. Ergebnis: Der Haken am Bus bricht ab.

Wir halten weitere LKW an, einer muss doch ein festes Seil haben. Ich entdecke außen an dem Truck ein Stahlseil, damit ziehen sie mich raus auf die Straße. Alle sind glücklich. Wir verteilen das einzige, was ich an Geschenken dabei habe: Taxiwerbekugelschreiber und DHL-Feuerzeuge. Zum Abschied kriege ich von dem mit den wenigsten Zähnen 2 Wangenküsse.






Meine verschwitzten Retter. Nur Rualla ist sauer, er will nie mehr mit mir in die Wüste. Ich sage, sowas passiert eben, und irgendwie gehts immer weiter. Das glaubt er nicht. Es gebe Straßen in der Wüste, sagt er, da komme den ganzen Tag kein einziges Auto vorbei. Das glaube ICH nicht. Wir machen Handschlag und Schwamm drüber!






22.4.06

Motor verliert etwas Diesel, es riecht unangenehm, fahre in Birjand in eine Werkstatt, sie meinen, man kommt da nicht ran, man müsse die Einspritzpumpe ausbauen, ich solle so weiterfahren. Na gut. Aber sie schweißen den Abschlepphaken wieder dran, wer weiß, was noch alles passiert....






Auch wieder zum Essen und Übernachten eingeladen worden, gleich bei zwei Familien: Ali und Mohammad. Man könnte sich tatsachlich ständig durchschnorren, und Rualla sagt, das sei ganz normal im Iran, sie machen das gar nicht nur wegen mir.






24.4.06

Sehen zwischen Ferdows und Robat-e Khashab das Wrack eines Reisebusses vor einer Militärstation. Wir fragen, ob wir fotografieren dürfen. Der Chef kommt auf Schluffen rausgerannt, begrüßt uns lachend und lädt uns zum Tee ein. Es sind 8 junge Männer und der 48 jährige Leutnant, oder was auch immer. Es ist eine Spezialeinheit der Polizei zur Bekämpfung des Drogenschmuggels aus Afghanistan. Hier kreuzt ein noch intakter Kamelpfad, den die Schmuggler benutzen. Sie sehen aber aus wie Soldaten, tragen Camouflage und MPs.






Der Chef und ein Soldat fahren uns mit dem Toyo-Allrad ein Stück auf dem Pfad in die Wüste zu einer alten Karawanserei. In der Tat ein magischer Ort. Gerade lagert darin eine Nomadenfamilie mit ihrer Herde. Der Älteste ist etwa 1,50 groß, hat fast schwarze Gesichtsfarbe und einen weißen Bart. Sie treiben die Ziegen nach draußen - wir fotografieren. Ich darf die MP schultern, zum ersten Mal habe ich eine echte Waffe in der Hand.






Der Chef bei mir zum Gegenbesuch





Bei Robat-e Khashab auf der Terrasse eines Restaurants in der Wüste. Vor dem Betenden steht rechts unten sein LKW mit geöffneter Haube und laufendem Motor. Ich lasse Rualla fragen, ob er seinen Laster anbetet. Nein, das sei eben die Richtung nach Mekka. Ich frage, warum sie immer die Motoren laufen lassen. Der eine sagt, der Motor soll warm bleiben, ein anderer sagt, der Motor soll abkühlen. Aber gazoil (Diesel) kostet ja auch nur umgerechnet 1.5 Cent pro Liter.






25.4.06

Bleiben in Kashmar im Stadtpark. Rualla führt mich in die Moschee. In einem komplett verspiegeltem Raum steht ein grüner Käfig mit dem Sarg eines Heiligen. Er ist kniefief mit Geldscheinen gefüllt (der Käfig). Ich sage: "Lets take it, this guy doesn't need it anymore." Anscheinend kann man sich für das Geld was wünschen. Einige beten vor dem Käfig.




Nachher sitzen wir draußen vor geöffneter Schiebetür. Unter den Kiefern spielt eine Mädchenschule Ball. Wir reden mit 2 Frauen, deren Familie in der Nähe Picknick macht. Die Mädchen ziehen immer engere Kreise um uns, und es kommt wie ich mir dachte: Bald stehen sie alle um uns herum.

Ich führe meine ‚Wohnung' vor, eine guckt in sämtliche Schubladen, sie schnattern und kichern, dann schieben sie mir Zettel und Schulhefte zu, ich gebe Autogramme, irgendjemand macht Blitzaufnahmen, komme mir vor wie ein Popstar, und schreibe Widmungen für Najere, Furut, Mariam, Marsa, Fatima etc.: ‚Lets meet in the internet' usw. Rualla schreibt darunter die Übersetzung in Farsi.



Es wird dunkel, die Familie lädt uns zu ihrem Lagerplatz ein, sie hocken wie üblich im Schneidersitz auf einer großen Decke, ich bleibe europäisch auf meinem Faltstuhl sitzen. Der Junge ist gestern beschnitten worden, er leidet, ich sehe einmal kurz seinen verbundenen Schniedel. Der eine Mann ist offenbar geistig behindert, der andere hat eine Hasenscharte. Aber das Mädchen!: 12 Jahre alt und hocherotisch. Sie hat die tiefste Stimme, die ich je von einem Mächen gehört habe. Es wirkt, als werde sie von einer Männerstimme syncronisiert.

Rualla erzählt, ich hätte zuhause eine Firma mit 100 Taxis. Gut, dass sie nicht wissen können, wie viel ich mit 100 Taxis verdienen würde. Die Frauen rauchen Wasserpfeife, Rualla ist in seinem Element, erzählt unsere Abenteuer, ich tausche Blicke mit Lolita, sie lächelt mich an mit blitzenden Augen.

Wir sollen mitkommen in ihr Haus, sagen die Eltern, ich soll den Bus in ihren Hof stellen. Diese Familie ist mir unheimlich, ich lehne ab. Sie wiederholen die Einladung mehrmals. Rualla fährt mit ihnen, ich bleibe im Park.




26.4.06

Morgens bringen sie ihn auf einem Moped, sie sitzen zu Dritt da drauf: Er zwischen dem Mann mit der Hasenscharte und seiner Frau.

Wir fahren los, und Sharam erzählt, das Ehepaar habe ihn in der Nacht entjungfert. Zuerst hätten sie Wodka getrunken, dann Pornofilme geguckt, und dann seien alle drei ins Ehebett gewechselt. Es sei das erste Mal für ihn gewesen. Es sei der beste Sex ihres Lebens gewesen, habe die Frau gesagt. Er solle bald mal wieder kommen (buchstäblich).






In Tabas 3 französische Wohnmobile getroffen, das erste Mal überhaupt im Iran. Ich frage eines der Paare, ob wir uns ihr Fahrzeug von innen ansehen dürfen, Rualla hat sowas noch nie gesehen. Ich bin gespannt, ob sie es schaffen, auch in einem derart staubigen Land wie dem Iran ihre Autos sauber zu halten. Wir dürfen sogar mit Schuhen eintreten, was für einen iranischen Haushalt undenkbar ist. Und tatsächlich sind die Autos innen wie außen blitzsauber, meiner dagegen...

Rualla ist beeindruckt, er meint, die hätten in Frankreich gar keine Wohnung, das Wohnmobil würde doch völlig ausreichen zum Leben. Einer von den Franzosen putzt dann gnädig mal die Scheiben von meinem Bus.






Persisches Brot ist dünn wie Pappe. Man kann die Speisen darin einrollen, und einmal habe ich gesehen, wie es als Topflappen verwendet wurde.






In einem Wüsten-LKW-Restaurant: In der Schale vorn links ist das drin, was R. als ‚vegetable' stew bezeichnet. Es besteht aus fettigen Fleischstücken, Kidney-Bohnen und etwas Grünem, das früher vernutlich mal Spinat war. Dasselbe von Privat zubereitet, schmeckt köstlich. Auch wenn die Speisen in solchen Restaurants nicht so toll aussehen, ist bisher alles drin geblieben (in meinem Magen).

Man isst mit Löffel und Gabel, wenn ich ein Messer bestelle, kommt das lange Fleischermesser aus der Küche. Einmal habe ich eins von meinen aus dem Bus geholt und natürlich auf dem Tisch liegen lassen. Aber ich hab mehrere.






Wüstenparkplatzbank






Wüstenrestaurant ‚Desert-Star'- war aber keiner drin






Ashgabat Karawanserei, daneben haben wir übernachtet




27.4.06

Bin zu früh in Mashad, ich kann erst übermorgen über die Grenze nach Turkmenistan, weiß gar nicht, was ich machen soll, Rualla ist mit Zug heimgefahren... Habe festgestellt, dass mir irgendwie 300 Dollar geklaut oder sonstwie abhanden gekommen sind. Habe zuerst Rualla verdächtigt, aber er war es wohl nicht, nun ist er beleidigt und will nichts mehr mit mir zu tun haben.




So ein Bild als Prinz von Mashad hätte ich auch von mir machen lassen können, wäre ich neuerdings nicht so geizig (wegen der 300), eigentlich nicht teuer, nur 10 Euro, aber ich will ja zurück fliegen, und da werde ich viel Gepäck haben....






29.4.06

Gestern endlich mal wieder einen schönen, ruhigen Schlafplatz in der Pampa gefunden, nur Wind und Dunkelheit um mich. Ich saß stunden vorn und hab rausgeguckt. Das sind die schönsten Momente so einer Reise. Sieht nachts kaum anders aus als irgendwo sonst, aber es fühlt sich anders an, weil ich weiß, dass ich mich hier in der östlichen Ecke vom Iran befinde.

Am Morgen kommt auf einem Moped der sehr braunhäutige Besitzer vom nahegelegen Gehöft vorbei. Ich zeige ihm den Bus von innen, lasse ihn aber nicht rein. Er steht da wie versteinert, kann es anscheinend nicht glauben, dass es sowas gibt. So stehen wir andächtig schweigend zusammen. Dann sagt er was, und ich versuchte es mit "Nix Farsi", aber ich verstehe schon, was er meint: Er will ein Geschenk. Ich gebe ihm 3 Feuerzeuge, aber damit ist er nicht zufrieden, guckt immer unters Bett und nach vorn ins Fahrerhaus, da gibt es doch so viele schöne Sachen.... Ich biete ihm eine braune Decke an, die ich nicht mehr brauche, er faltet sie auf, sieht, dass eine Ecke fehlt und gibt sie zurück. Dann setzt er sich schmollend aufs Moped....






30.4.06

‚Robat-e Sharif' (Robat = Karawanserei), zwischen Mashad und Serahks (turkmenische Grenze). Eine Karawanserei ist, wie man ja weiß, eine Raststätte für Karawanen, und da es die nicht mehr gibt, sind die K. meist in schlechtem Zustand. Aber diese hier wird restauriert und sieht schon ziemlich echt aus. Ich beschließe, sie als das zu nutzen, für was sie gedacht war: ich bleibe für die Nacht. Es ist absolut still, die Sonne taucht das Gemäuer und die Spitzen der Hügel in rotes Licht, Fliegen kriechen durch mein Haar, Vögel zwitschern, ich gebe dem Hund ohne Ohren was zu futtern und habe nun einen Freund fürs Leben....







Morgens kommt die Baumannschaft, Asmail im grünen Camel-Hemd bringt mir Tee und Käse zum Frühstück, und ich darf mich ins Gästebuch eintragen. Die meisten Gäste waren Iraner oder Araber, 16 Deutsche waren in den letzten 4 Jahren hier, darunter Christa Deindl aus Wuppertal, die den Wächter unfreundlich fand. Das muss ein anderer gewesen sein, diese Leute sind sehr freundlich...






Die habe ich von der Straße geholt und gerettet.






1.5.06

Ein Perser sagte, er habe von LKW-Fahrern gehört, Turkmenistan sei ein sehr armes Land, die Fahrer würden von Familien für die Nacht eingeladen, sie essen dort, und der turkmenische Mann würde seine Frau oder seine Tochter für 5 Dollar die Nacht ‚verkaufen'. Ich denke, das sind Truck-Driver-Legenden.

Habe für den Transit durch Turkmenistan Proviant für 3 Tage gebunkert und 5 km vor Serahks Tank und Wasser-Kanister gefüllt. Der iranische Tankwart versucht, den 10-fachen Preis zu kassieren und ohne zu fragen in den Bus zu steigen. Habe vergessen, die Fahrertüre zu verschließen und finde sie nach dem Tanken weit geöffnet. Er drängt sich sogar hinter mir her, als ich schon hinterm Steuer sitze. Es scheint aber nichts zu fehlen. Das war der erste aufdringliche Iraner, der mir auf 2 Reisen begegnet ist.

Auf der iranischen Grenzstation kriegt der Zöllner plötzlich ein heftiges Zucken des linkes Augenlides und schreibt 10 $ auf einen Pappkarton. Der kann mich mal! Ich verstehe nix. Der Helfer, der für mich die Formulare ausfüllt, ist der widerlichste Typ, den ich je an einer Grenze hatte. Er kann kein Wort Englisch und will mir weismachen, ich müsse 50 Dollar Gebühr zahlen. Ich krakele rum, und es stellt sich raus, es sind nur 6 Dollar. Ich schreie ihn an, er soll sich verpissen, das Wort dafür habe ich gelernt: "Gomschar!" Aber er ist anhänglich wie ein Knösel.

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