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Iran, Teil 2 -->
Land und Leute Der Iran ist das ideale Reiseland für Singles, Einsame, Schüchterne und Leute wie ich, die daheim nicht durch Reichtum, Job oder Talent glänzen können. Wer einen Freund fürs Leben sucht, braucht hier nichts weiter tun als vor die Tür gehen. Ein paar Schritte auf dem Gehweg irgendeiner Stadt (in Dörfern funktioniert das auch, aber da gibts keine Gehwege) und schon wird der Nobody angesprochen, und zwar ohne Ansehen von Alter, Aussehen, Kleidung oder Geschlecht. Sogar unterwegs auf der Autobahn wurden wir von 2 Männern für einen freundlichen Smalltalk über woher und wohin angehalten. Man sollte für die vielen Telefon-Nummern und E-Mail-Adressen ein eigenes Notizbuch mitführen und etwas Englisch können: "Wellcome to Iran" ist oft der Anfang solch einer Bekanntschaft. Reagiert der Tourist freundlich und offen, ist eine Einladung zum Essen (in der Wohnung des Gesprächpartners) oder sogar eine Übernachtung ziemlich sicher. Solche Begegnungen enden im Iran nicht im Teppichgeschäft des Onkels. Die Iraner haben durch zensierte Medien und religiöse Vorschriften (oder wie gerade der Medizinstudent sagte: "They try to wash our brains") einen unstillbaren Appetit auf Ausländer. Der Reisende bekommt so einen authentischen Einblick in das private Leben der Locals und kann selbst bestimmen, wie weit das geht. In Hederabad bspw. waren wir nach einer halben Stunde bereits beim Thema Sex, und mein neuer Freund beklagte sich darüber, dass ausländische Männer von iranischen Frauen auf der Straße angesprochen werden, während sie um ihn einen großen Bogen machen. Der Freund meines Freundes sprach Deutsch und wohnte 2 Jahre in Wuppertal-Heckinghausen, 2 Minuten zu Fuß entfernt von meiner letzten Wohnung. Er sagte: "Auf der Breide", wozu mir erst 200 km weiter "Auf der Bleiche" einfiel. Vorher hatte unser Auftreten in der Stadt einen Menschen.... besser gesagt: ‚Männerauflauf' plus Totalstau verursacht, der nur durch 2 Polizisten aufgelöst warden konnte. (Nebenbei ergab sich daraus die lustige Situation, dass ich ihnen sozusagen vor die Füße pinkeln musste, da der Bus eben so konstruiert ist, dass das Wasser gleich unten rausläuft.) Selbst die Polizei hält uns unterwegs nicht wegen Kontrollen an, sondern aus Neugier. Man begrüßt sich lächelnd: "Salam", "Salam", schüttelt Hände und antwortet auf den ersten persichen Satz einfach mit: "Alemania", denn das ist das erste, was sie wissen wollen und nicht am Kfz-Kennzeichen erkennen: aus welchem Land wir sind. Als nächstes fragen sie meist nach dem Namen. Einige möchten in meinen Bus steigen und stellen erstaunt und belustigt fest, dass sich darin eine Wohnung befindet.
1. Schlafplatz im Iran: LKW Parkplatz in Orumiye 7.4.06
Schöner Nachtplatz an einem Nebenfluss des Zarrineh Rud, bei Sanjud
Der junge Mann hinter dem Steuer meines Campers ist der Kanzler für Erziehung und Bildung in Bijar und hat mir das ins Tagebuch geschrieben: "Why do you come to trip in Iran? trip in Iran is not interesting." 8.4.06
Nachtplatz bei aufziehendem Gewitter, zwischen Bijar und Qorveh
Derselbe Platz morgens bei -1 Grad Karin versuchte gestern Abend auf obigem Nachtplatz ein Papiertaschentuch anzuzünden, um keinen Müll zu hinterlassen. Wenn sie es in eine Mülltonne schmeißt, sagte sie, würde es am Ufer eines Flusses landen. Tatsächlich liegt viel Müll in den Flussbetten. Bäume, die an den Ufern stehen, hängen voller Plastiktüten. Sie sehen aus wie Weihnachtsbäume mit Lametta. Heute Morgen liegt das Taschentuch unversehrt auf der selben Stelle, war wohl zu feucht gestern. Nun schmiert sie es mit Altöl aus ihrem Motorrad ein und hält nochmal das Feuerzeug dran. Als wir losfahren, sehe ich aus den Augenwinkeln, dass es auch diese Attacke überstanden hat. Ein sehr vitales Taschentuch, möge es noch lange so weiß da liegen bleiben! 10.4.06 Esfahan In Esfahan kann man für ein paar Dollar auf bewachten Hinterhöfen im Camper schlafen, z. B. auf der Kh.Chahaharbagh-e-Paiin 1030, unweit des Amir-Kabir Hotels, das die Fahrzeuge ihrer Gäste auch dort abstellt. Der Besitzer ist der einzige fette Perser, den ich bisher gesehen habe. Er hat blutunterlaufene Augen und kann etwas Englisch. Er wiederholt jeden Satz 3x und lauscht erstaunt seinen eigenen Lauten, als könne er es nicht fassen, dass das jemand versteht. Von dort aus geht man etwa 20 Minuten zu Fuß zum Iman-Meydan-Platz, u. a. durch die Kh.Sepah Straße, wo man von Geldwechslern angesprochen wird. Man schaut in den großen Shahid Raja II Park, den man durch das Hasht Beheshet, dem Tor zum Paradies, betritt. Am Vorabend war es geschlossen, sonst wäre ich gern mal da durchgegangen, vielleicht verbergen sich dahinter ja die Huri, die himmlischen Jungfrauen? Von außen sieht man nur ein paar Autowracks, der himmlische Park wird also als Autofriedhof genutzt, was für mich ein treffliches Beispiel dessen ist, was den Charme dieses Landes ausmacht.
Bin krank, Grippe vermutlich, habe kaum genug Kraft, die Tasten vom Keyboard zu bewegen, zumal diese hier besonders schwergängig sind und teilweise klemmen.... Narges Iranerinnen kommen nicht zu spät zu einer Verabredeung, sie kommen gar nicht. Ich habe es vor 3 Jahren erlebt und jetzt wieder mit Narges. Leider habe ich gestern vor Aufregung vergessen, ein Foto von ihr zu machen, was ich heute nachholen wollte. Narges bedeutet Narzisse, somit hat sie den selben Namen wie meine Frau, nur auf persisch. Sie ist nicht die einzige hübsche junge Perserin, aber zweifellos eine sehr hübsche. Wir haben uns im CafeNet in der Ferdosi Ave. kennen gelernt. Sie saß mir gegenüber am Bildschirm, und ich sah meist nur die rechte Hälfte ihres Gesichts, bis unsere Blicke sich trafen und sie mich anlächelte. Da wars um mich geschehen. Aufgeregt wie ein 16-jähriger schrieb ich auf einen Zettel: ‚May I envide you for restaurant?' Denn ich weiß nicht, was geschieht, wenn Iraner sowas mitkriegen. Sie schrieb, sie müsse zur Uni, aber gab mir ihre E-Mail-Adresse. Also haben wir uns von Comouter zu Computer Briefe geschrieben. Ich konnte sie aber nicht überreden, mit mir ins Restaurant gehen. Zwei Stunden später trafen wir uns zufällig auf der Straße, und nun hatte ich ein starkes Argument: ‚Gott will es!' Wir gingen zum Teehaus auf einem der Dächer des Iman-Meydan-Platzes, einer der schönsten Orte der Stadt. Bei Tee und Gebäck plauderten wir über die Liebe. Sie sei verlobt, und ich der älteste Mann, den sie kennt. Sie sei nie zuvor mit einem Mann in ein Restaurant gegangen, mit ihrem Verlobten dürfe sie nichtmal reden, aber sie chatten heimlich. Mit einem Touristen sei das was anderes, das dürfe sie sogar ihren Eltern erzählen. Für mich habe sie nun die Uni geschwänzt, sie studiert Computertechnik. Ich bin heute wegen ihr extra einen Tag länger in Esfahan geblieben, das ist halt die Strafe für solche Narreteien.
Teehaus über dem Iman-Meydan-Platz Effektvoller Auftritt
Nach dem geplatzten Date mit Narges gehe ich ins CafeNet. Nach einer halben Stunde höre ich, wie hinter mir jemand meinen Namen flüstert. Zum schwarzen Gewand (Chador und Maghnae), das nur ihr Gesicht frei lässt, trägt sie heute weiße Handschuhe, die ihr etwas Geisterhaftes geben. Immerhin ist es ihr so erlaubt, meine Hand auf dem Rücksitz des Taxis zu halten. Im Park gehen wir sogar 5 Meter weit Hand in Hand. Es sei das erste Mal, sagt sie.
In Esfahans Straßen kann man sich nur schreiend unterhalten, was den zarteren Themen eher abträglich ist. Wir wollen uns zum Tee unter die Sio-se-pol Brücke setzen, aber die Teestuben sind noch geschlossen. Sie bestellt mir in einer Imbissstube eine esfahaner Spezialität: In einem Plastikbecher, in der Größe eines Onken-Quark, schwimmen in einer weiß-roten Souce wurmartige, weiße Eisstücke mit Mandelgeschmack. Kommentar: Ulli (12.4.06 12:37): "Es geht schon wieder los, das kann doch nicht wahr sein, das man so total den Halt verliert!" (Lied von weiss nicht wem) Gut, dass du noch verheiratet bist, sonst können wir bald ne Damenfussballmannschaft gründen. Einen Namen werde ich dann kreieren. Es dürfen aber auch Vorschläge gemacht werden. Sehr gepannt Kommentar: derdepp (14.4.06 20:16) tach hänsgönn, gräbste wieder nahöstliche schönheiten an?? klebste wieder mit deinen blicken an übergrossen verschleierten hinterteilen?? irgendwann hacken se dir weissfaltigem westeuropäer auf m nächsten marktplatz nochmal die flöte ab... bist hier übrigens ne lokale berühmtheit geworden, dir gehört heute eine halbe wzseite dat schafften nich mal alle taxivereinsvorsitzenden zusammen... gruss un alles gute 12. - 14.4.06 Shiraz Bin wieder fit, sofern man bei mir von Fitness reden kann, esse mit Appetit Fischkebap, womit die Hoffnung, nach 2 Fieberwochen hager wie ein afghhanischer Bettler zu sein, dahin ist. Meine beiden Begleiterinnen, Farima und ihre Mutter, führen mich in der Stadt herum. Obwohl man sich auch hier nur schreiend unterhalten kann, habe ich einiges Neues erfahren: Der Iran habe nach dem 8-jährigen Krieg gegen den Irak noch immer einen Überschuss von 8 Millionen Frauen. Man könne sich mit China austauschen, meint Farima, die haben ja bekanntlich einen Männerüberschuss, aber die beiden Völker verstehen sich wohl nicht so gut. Im Iran begehen 4x mehr Frauen als Männer Selbstmord. Im Süden, in den arabischen Gebieten, begießen sie sich mit Benzin und stecken sich an. Jürgen Klinsmann ist hier nicht als Fußballer bekannt, sondern als Spender einer größeren Summe nach einem Erdbeben. Der Tee wurde von den Engländern eingeführt, vorher trank man nur Kaffee. Im Teehaus des Hafes-Mausoleums trägt der Kellner altpersiche Tracht, und in der Teekanne schwimmt ein englischer Teebeutel. Hafes ist ein hoch verehrter Dichter, der in der Zeit der mongolischen Eroberung gelebt hat. Auch Goethe soll ihn verehrt haben. Seine Gedichte dienen scheinbar auch als Orakel. In der Schlange vorm Eingang zum Mausoleum wird mir ein Zettel von einem Kanarienvogel aufgedrängt, der an einer Kette an seinem Besitzer hängt. Ich denke, es handelt sich um ein Lotterielos und werfe den Zettel dem Mann verägert hinterher. Aber es war ein Gedicht des Hafes, das den Besuchern als Geleit für den Tag gereicht wird. So leicht kann man sich daneben benehmen. Die Iraner, höflich wie sie sind, haben nichts dazu gesagt. Später führen mich die beiden in ein feines Hotel-Restaurant, ich bestelle besagtes Fischkebap und bitte den Kellner, die Musik etwas leiser zu stellen. Er weist stumm auf etwas in meinem Rücken. Ich drehe mich um und sehe, es ist eine Band, das ist Live-Musik! Sänger, iranische Sitar und Trommel (alles elektrisch verstärkt und verhallt) spielen folkloristische Weisen, die ich nicht gut abkann. Da man die nun mal nicht leiser drehen kann, müssen wir uns auch hier schreiend unterhalten, obwohl wir die einzigen Gäste sind. Auspufftopf wechseln lassen: die Werkstatt ist eine PKW-Garage mit einem Graben in der Mitte. Der Meister ist auch klein, untersetzt und ölverschmiert. Er hat ein überaus sympathisches, strahlendes Lächeln. Ersatzteil plus Arbeit kosten umgerechnet 28 Euro. Der Meister von nebenan sieht sehr alt aus, graues Haar quillt aus seinem Hemd hervor. Wenn er den Kopf senkt, sieht es aus, als habe er einen Kinnbart. Als ich mit der Kamera ankomme, ist er verschwunden. Vermutlich hätte er auch nicht verstanden, warum ich will, dass er dabei seine Schuhspitzen betrachtet. In Irans Städten hört man oft die sehr bekannte Beethoven-Melodie... ich Banause weiß nicht, wie sie heißt, ich kann sie euch vorträllern: didadidadidadum... hier tönt sie von einem billigen Keyboard, meist werden nur die ersten Takte wiederholt. Sie dient den Leuten als Zeichen, den Müll rauszutragen: ‚Achtung, der Müllwagen naht!' Da meckern die hier über dänische Karikaturen, haben aber keine Skrupel, deutsches Kulturgut derart zu verhöhnen! Ein Skandal, oder? Kommentar: Thomas (16.4.06 02:22): Manche Deiner Reisetagebucheintragungen sind einmalig: Bspw. daß die Iraner trotz mehrjährigem Krieg immer noch einen Überschuß von 8 Millionen Frauen haben - fast wundert man sich, warum sie den Krieg nicht noch ein paar Jahre weitergeführt haben, um diesen Überschuß endlich abzubauen. An uns (dem Westen) kann es nicht gelegen haben, daß sie plötzlich damit aufhörten, wir hätten auch weiterhin Ersatzteile und Satelitenbilder geliefert. 16.4.06 From Apes Marvdasht: In einem kleinen, fensterlosen Raum hocken mind. 30 junge Damen eng zusammen. Der Englischlehrer stellt mich kurz vor, wir sollen selbst ein Thema vorschlagen, über das wir reden wollen. Ich sage: "Die Beziehung zwischen Mann und Frau." Das würgt der Lehrer ab, bevor es die Mädchen richtig verstanden haben. Eine schlägt "Kultur" vor. Wir reden also über die Unterschiede europäischer und iranischer Kultur. Der Lehrer ist aber eher an Politik interessiert, bald reden wir über Mr. Bush, den keiner sympathisch findet. Dann hält er eine lange Rede in Persisch, ich wedel mir mit meinem Tagebuch Luft zu, fühle mich ein wenig überflüssig, lächle von einem dunklen Augenpaar ins andere. Gerade will ich einer Hübschen einen kleinen Zettel schreiben, als er mich unvermittelt fragt, wie ich über "creation" denke. Ich vermute, er meint die Frage nach der Erschaffung des Menschen. Ich sage, ich sei Atheist (er schreibt das Wort an die Tafel) und glaube an die Evolutionstheorie von Charles Darwin. Er erklärt es den Mädchen nochmal langsam: "This man thinks he comes from apes", was nun wirklich nicht sehr schön klingt. Zur Unterstützung mache ich "Uh-uh-uh...", wie ich es mal im Zoo gehört habe. Nach langer Diskussion in Persisch, sagt er zu mir, die Mädchen hätten davon noch nie gehört in der Schule. Kaum ist der Lehrer mal kurz auf dem Flur, werden die Mädchen lebendig, alle wollen mich was fragen, ich kann meinen einzigen Satz in Farsi sagen: "Iran chobaer!" (Der Iran ist schön) Alle lachen, eine sagt: "Danke schön!" Am Schluss erfahre ich, woher sie das hat: Ein Onkel wurde mit einer Kriegsverletzung in ein deutsches Krankenhaus geschickt, wo man ihm wohl gut geholfen hat. Unter Tränen dankt sie mir, bzw. Deutschland. Geheimnisse fremder Kulturen 3 und 4 GFK 3
Große Plakate mit Männerportraits an Kreuzungen mit Kreisverkehr (?) GFK 4
Gelb-blaue Kästen auf Gehwegen in Wohnvierteln (?) 19.4.06 Durch die Wüste
Der Iran könnte Millionen Windräder in der Wüste aufstellen, keinen würde es stören, und Wind geht immer. Aber sie wollen die Atombombe, sagen sie.
Am Rande der Dasht-e Kavir, etwa 45 km östlich von Ardakan, befindet sich, in einen kahlen Steilhang eingebaut, ein Wallfahrtsort namens ‚Tschak-Tschak'. Seinen Namen hat er von dem Geräusch der vor sich hintröpfelden Quelle, die einen heiligen Baum am Leben erhält.
Piste zwischen Tschak-Tschak und Tabas / Iran Delikatesse
Kamelfleisch gilt als Delikatesse, es sei sehr teuer, sagt Roualla, mein neuer Begleiter. Es habe sogar eine heilende Wirkung bei manchen Krankeheiten. Die Milch wird auch getrunken. Allerdings gibt es nur wenige Kamele, zudem sind die in der Wüste lebenden ziemlich dünn und zäh. Das Übequeren der Straße gelingt ihnen nicht immer. Daher habe ich eine neue Reihe begonnen: ‚Überfahrene Kamele'
Die haben es geschafft, die habe ich rübergelassen The momento
Dieser Ort liegt zwischen Rabat Khan und Tabas. Das Mahnmal markiert die Stelle in der Wüste, von der aus die Amis ihre Geiseln aus der Botschaft in Teheran befreien wollten (1979). Das ist bekanntlich gründlich daneben gegangen. In den Nachrichten habe man im Iran damals gehört, die Amis hätten vorgehabt, Teheran einzunehmen, und Gott habe sie gerettet. Daher steht neben der Stele (oder wie nennt man so'n Ding?) eine Moschee (nicht im Bild, das weiße Auto daneben gehört nicht zum Mahnmal). Auf der Tafel steht (von Roualla übersetzt): ‚The momento of defect of the ruthless a America and proving rights of Iran'
So sieht das von weitem aus 19.4.06 Karin und Rualla
Karin und ich haben uns heute Morgen endgültig getrennt. Dies ist unser letztes gemeinsames Camp: hinter einem Stall, etwas erhöht über der Wüste, in Sichtweite einer Siedlung, vermutlich wohnt dort nur eine Familie. Gestern Abend sahen wir, wie sie ihre Schafe und Ziegen heimbrachten, Hunde begafften uns, Karin und Rualla hatten Angst vor ihnen. Ich sagte, ich sei genauso simpel wie diese Hunde: wer nett zu mir ist, kriegt meine Freundschaft lebenlänglich, wer - wie Karin - mich ständig wegen Bullshit anfaucht, kriegt sie nicht. Von einem Händler erfahren wir, dass die Leute in der Siedlung glauben, wir seien Nomaden und hätten hier für eine Nacht unsere Zelte aufgeschlagen. Stimmt ja auch, aber moderne, mit Autos statt Kamelen. Bleiben bei Karamaq auf einer LKW-Raststätte, Fahrer lassen mitten in der Nacht Motoren laufen, Rualla schläft in der Moschee.
20.4.06
Roualla schläft im Zelt oder in einer Moschee. Manche Moscheen übernehmen nämlich die Funktion von Raststätten, man kann z. B. umsont dort duschen, sogar ich Ungläubiger darf das, was ich ohne meinen Freund und Führer niemals rausgekriegt hätte. Ich habe Roualla auf der letzten Reise kennen gelernt. Er ist 19 und hat sich sehr auf die Tour mit uns gefreut (wollte Karin heiraten, aber jetzt nicht mehr) und singt mir traurige, altpersiche Weisen vor. Zwischen 2 Strophen stößt er Wörter aus, die ich ihm beibringen sollte, z. B.: "Furrzen!"
Nun fährt er zum ersten Mal in seinem Leben durch die Wüste (obwohl Marvdasht, wo er seit 19 Jahren lebt, nur ca. 100 km von ihr entfernt ist), und das ist ihm dermaßen langweilig, dass er krank geworden ist und daran denkt, zurück zu kehren zu seiner Mutter. Im Haus seiner Familie haben Karin und ich 2 Tage gewohnt und z. B. der Trommel der Nachbarin gelauscht:
Außerdem haben uns Jofar Tamizi und seine Frau zum Essen eingeladen, v.l.n.r. Karin (nur zur Hälfte), Roualla, Tamizis Sohn, seine Frau:
Es gab: Kalam Polo, Polo Sade, Dough, Mast, Sir, Jel, Khovosht Sabzi, Robe Ghoore, Felfel Dolme, Narenje, Salad Abghore, und Lavash, und alles schmeckte phantastisch, ich hab mir den Bauch bis oben hin vollgehauen, total lecker! |