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Reisetagebuch 2006 / Usbekistan




2.5.06

Grenze Usbekistan, Farab / Buchara

Einer der Zöllner steht neben mir im Bus und flüstert: "Now give me 8 Dollars!" Allerdings habe ich ein bisschen Sorge, dass er vielleicht meinen Bus ausräumt, wenn ich nicht zahle. Dann würde er die 2600 Dollar finden, die ich nicht angegeben habe. Aber ich sage, es sei alles ok, er könne alles durchsuchen und mache Anstalten, den Rucksack auszukippen, in dem die Dollar versteckt sind. Er flüstert weiterhin: "8 Dollars". Ich will gerade über den Hof brüllen, dass dieser Typ 8 Dollar von mir will, als er aufgibt.

Draußen vorm Tor der usbekischen Grenze werde ich von Geldwechslern und Autowäschern umlagert. Beide kann ich brauchen. Aber während ich noch mit einem Geldwechsler verhandle, fangen die anderen unaufgefordert an, den Bus zu schrubben. Ich hasse dieses in Asien leider übliche Verhalten. Hätten sie gesagt: 'Gib uns 500 Sum, und wir waschen dein Auto', hätte ich ihre Dienstleistung sehr gern in Anspruch genommen. So mache ich mich mit Vollgas davon - mit grossem Geschrei hinter mir. Der Bus ist nun halb sauber und halb dreckig. Leider kann ich kein Foto davon machen, die Digicam hat vermutlich zu viel Staub geschluckt, das Objektiv fährt nicht mehr ein.




So ungefähr siehts in Usbekistan aus: flaches Land und holprige Straßen. Der LKW vor mir verliert nach und nach seine Ladung: Stoff-Fetzen säumen seinen Weg.

Fahre durch bis Buchara und schlafe auf dem TIR-Platz am Stadtrand, der sogar eine Dusche hat. Ich habe seit über 2 Wochen nicht mehr geduscht.



3.5.06

Buchara

In der Altstadt neue Hotels und eine Menge neue Cafes, und um den Pool (labi hauz) herum hat man ein paar liegende und stehende Kamele aus Messing oder Kupfer aufgestellt. Sie erinnern mich an die Nippes-Figuren meiner Mutter.



Vor allem habe ich einen neuen Eindruck von der Stadt: Beim letzten Besuch vor 3 Jahren war ich vielleicht in depressiver Stimmung, oder es war zu heiß, oderwasweißich. Jedenfalls ist Buchara schon eine Reise wert. Ein Gang in der milden Frühlingsluft mit sanfter Brise um die Schläfen durch staubige Gassen, oder vorbei an den bekannten Altertümern, ist schon ein Genuss. Auch der reizende Anblick der Frauen und Mädchen in ihren grell bunten, bodenlangen, glitzernden Kleidern unter neonfarbenen Sonnenschirmen ist sehenswert.

Ein Besuch der Arkh für 9000 Sum lohnt sich meiner Meinung nach nicht. Ich ersteige lieber das rostige, ziemlich hässliche Stahlgestell im Park gegenüber, hinauf zur Aussichtspalttform, die früher mal ein Wasserturm war und schaue über die Stadt.



Treffe Abduwachid wie verabredet im Hotel 'Fatima und Ibrahim', wo wir uns vor 3 Jahren zum ersten Mal sahen. Er soll mich mal rumführen, denn als angehender ‚Botschfafter für Usbekistan' für die Zeitschrift ‚Tours' sollte ich ein bisschen informiert sein. Aber wir verpennen den Nachmittag, und den Abend verbringen wir in Cafes mit Biertrinken. Es gibt sogar gezapftes, das hat es damals auch noch nicht gegeben, wenn ich mich recht erinnere; es heißt ‚ASIA' und wird in Buchara gebraut. Es schmeckt mir ausgezeichnet, was möglicherweise daran liegt, dass ich 26 Tage im Iran auf Alkohol verzichten musste. Immerhin war's kein Problem, bin also doch noch kein Alkoholiker.

Im Hotel treffen wir Christiane und Basti, beide studieren in Leipzig. Da Abdu dort vor kurzem an der Uni war, finden sie sogar einen gemeinsamen Bekannten. Sie wollen auch nach Tashkent, was nicht verwundert, denn es gibt nur 2 Richtungen, in die man reisen kann, also nehmen wir sie mit.



Erste Tanke in Usbekistan, die meisten Tankstellen haben kein Diesel, da die LKW mit Gas fahren, hier sieht man: Auto ist bis zur Hälfte gewaschen.



Auf dem Schild steht: ‚Bitte keinen Müll abladen, Strafe 20.000 Sum'



5.5.06

Qarshi

Auch auf Usbekistans Straßen gibt es Schwellen, wenn auch nicht so häufig und nicht so hoch wie im Iran. Hier heißen sie ‚Lejatschiy Politseiski' = ‚Liegende Polizisten', einerseits wegen ihrer die Geschwindigkeit kontollierenden Funktion, andererseits - so vermute ich - wegen der heimlichen Lust der Fahrer, einen Polizisten zu überfahren.

Usbekistan scheint sich tatsächlich zu entwickeln, es gibt viel mehr Tankstellen, mehrere haben sogar Diesel, und wir fahren teilweise über eine neue 4-spurige Bahn mit Mittelstreifen und verlässlich glattem Asphalt. Dazwischen Abschnitte mit den bekannten Holperstrecken, von denen man seekrank werden kann, je nach dem, wie schnell man drüber fährt.



Geblieben sind auch die zahlreichen Poliziposten und die Neugier der Beamten. Wenn wir uns einer YPX (Yol Patrul Hismati) nähern, erwachen sie aus ihrer Lethargie und schwingen begeistert den roten Knüppel. Ich lasse einen fragen, ob er mir seinen verkauft, er sagt, er kostet 15 Dollar. In der Regel sind sie freundlich, wir scherzen, und sie wünschen uns "Oq Yol" = gute Fahrt, wörtlich: ‚weißer Weg'. Aber es ist auch alles teurer geworden, der Diesel kostet bspw. statt 220 nun 450 Sum (30 Cent). Hätte ich vor 3 Jahren eine Eigentumswohnung gekauft, hätte ich sie jetzt mit hohem Gewinn verkaufen können.

Zweimal bin ich scheinbar versehentlich bei Rot über Kreuzungen gefahren, was druchaus stimmen kann, da die Ampeln oft hinter Bäumen versteckt stehen. Natürlich wurden wir von Polizisten gesehen, an jeder Kreuzung steht mindestens einer. Nun nähern sie sich mit finster stechendem Blick (ich bleibe immer im Auto sitzen). Meist sind es ältere, ziemlich fette Typen mit Stiernacken. Ich behaupte das Gegenteil, und Abdu sagt, ich sei der neue Gesandte der Deutschen Botschaft in Tashkent.

Einer fragt daraufhin sehr richtig, wieso dieser Gesandte mit so einer alten Karre unterwegs ist. Um diesen Eindruck zu unterstreichen, versagt genau an der Stelle der Anlasser, die beiden Polizisten müssen anschieben helfen. Sie beklagen sich über den Dreck, ich hole Wasser und Lappen und will die Stelle putzen, an der sie anfassen können, aber sie winken lachend ab. Der Hinweis auf mein hohes Amt hilft jedenfalls immer, ihr Gesichtsausdruck wird freundlich, sie sagen: "Na gut, dann ist er eben unser Gast", und wir können weiter fahren, ohne was zu zahlen.



Glücklicherweise streikt der Anlasser an einem Wochentag und in der Nähe von Qarshi. Wir finden schnell einen Laden, der deutsche Hoppeke-Batterien hat für 50 Dollar das Stück. Ich vermute, dass es an der Batterie liegt. Sie bauen uns 2 hintereinander ein, aber der Anlasser macht keinen Mucks. Erst dann kommt einer auf die Idee, mal die alte zu messen: sie ist randvoll. Also wieder umbauen, ich sage: "Usur" (Entschuldigung), und sie zeigen uns den Weg zu einer Werkstatt. Die ölverschmierten Mechanikern haben großen Spaß an uns und dem Auto: Für die Dauer der Reparatur wird die übrige Arbeit niedergelegt, was vielleicht hauptsächlich an unserer hübschen, drallen Mitfahrerin Christane liegt.

Sie finden den Fehler, aber haben kein Ersatzteil, ich aber einen kompletten, zweiten Anlasser, den sie einbauen. Wir handeln den Lohn für eineinhalb Stunden Arbeit runter von 10.000 Sum (6,60 Euro) auf 5 Dollar, was für usbekische Verhältnisse sicher immer noch reichlich ist.



Kurz hinter Qarshi fahren wir über einen sandigen Feldweg 3 km weg von der Straße. Stehen für die Nacht auf einem trockenen Acker. Im Südosten sehen wir die brennenden Schlote einer Gasförderanlage, und 2 Schafherden trotten vorbei.

Gegen 1 Uhr werden wir von 4 Schäfern geweckt, die um unser Lager schleichen. Abdu redet lange in harschem Ton auf sie ein. Da ich nichts verstehe, nicht weiß, was sie wollen, habe ich vorsorglich den Pfefferspray in der einen und den Signalgeber in der anderen Hand. Es stellt sich raus, sie haben scheinbar zufällig Christiane im Nachtdress ums Zelt huschen sehen und warteten nun darauf, dass sich diese Erscheinung wiederholt. Sie hätten bereits einmal mit dem Hirtenstab aufs Zelt geklopft, um der Sache ein bisschen nachzuhelfen. Abdu habe ihnen gesagt, wir seien Diplomaten, und sie sollten sich bei uns entschuldigen, aber sie schämten sich.



7.5.06

Samarkand



Im neuen Hotel 'Joni' abgestiegen, schräg gegenüber dem Registan-Platz. Im 'B+B Bahadir' ist alles belegt, dort Karin getroffen, auch 2 Backpacker, die wir schon in Esfahan gesehen haben, es gibt halt nur eine Route, man müsste schon mitten durch die Wüste….

Machen Fotos von mir mit dem Registan-Platz im Hintergrund und essen Plov, das Nationalgericht, das manche morgens, mittags und abends essen. Schlafe dann doch im Bus, direkt vorm hell beleuchteten Hoteleingang, bin zu faul, den ganzen Krempel rein- und morgens wieder rauszuschleppen, immer vergess ich dabei irgendwas und muss dann nachts nochmal raus… Kann aber morgens duschen im Hotel, und das Frühstück ist so üppig, dass ich heute eine Mahlzeit auslassen kann.


Plov kochen ist Männersache

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