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Reisetagebuch 2007 / Bishkek, Teil 2 9.8.07 Uff! Es ist geschafft: Bus verkauft an 2 Russen, die Tochter spricht Englisch und hat einen sehr großen Busen und trug ein Kleid mit sehr weitem Ausschnitt (Schwitz!). 100 Euro angezahlt, Montag treffen wir uns in der Bank, und sie zahlen 11 Tausend Dollar auf mein Konto ein. Dann fahren wir gemeinsam zum Zoll, und ich hab die Sache endlich aus'm Kopf!
So sieht das aus, wenn ich was für den Blog schreibe...
Im Preis für's Menü inbegriffen sitzt der dabei und beschützt mich. Anfangs gingen sie mir auf die Nerven, überall wo man hinkommt, diese Typen, die aussehen wie Schornsteinfeger. Inzwischen sehe ich sie ganz gern, denn hier kommt die Polizei nicht, wenn man Probleme hat, sagen die Leute, die hätten Schiss.... Es sei denn, man zahlt reichlich.
So lang wie möglich, mindestens bis übern Hintern
Die Mode ist: Jeansminirock und darunter schwarze Strümpfe, oder ¾ Hose mit Hosenträgern, die sie aber lose runterhängen lassen, davon mache ich noch ein Foto 11.8.07
In Deutschland hat's viel geregnet, habe ich gehört, es gab Hochwasser, hier ist seit vorgestern Hitzewelle, und Hochwasser gibt's hier jeden Tag: Ständig sind die Gehwege überflutet. Es scheint, man macht im Süden irgendwelche Schleusen auf und lässt Wasser nach Norden durch die Stadt laufen. Vielleicht war das mal ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem, oder das Wasser sollte den Müll wegspülen. Ob es je funktioniert hat, weiß ich nicht. Im Licht der Ewigkeit Der Autoverkauf war Rettung in letzter Sekunde, ich hatte noch genau 100 Euro, 1578 Som (30,36 Euro) und 8 Dollar in der Tasche. Die 60,23 Euro auf meinem Wuppertaler Konto lohnen nicht, hierher zu holen. Ich gebe zu, ich habe mir in den letzten Tagen doch ein bisschen Sorgen gemacht. Aber ihr hättet mir geholfen, nichwahr? Mit 10 Euro von jedem hätte ich noch einen Monat durchgehalten. So ein armer Schlucker bin ich, keine Chance bei deutschen Frauen (meine letzte Ehefrau ist mir deshalb davongelaufen), aber die hab ich sowieso nicht, eine Freundin drückte es treffend so aus: "Und du hast gedacht, dein Blog zieht Frauen an!!!!! *g* Da räkeln sich junge Asiatinnen nackt oder doch zumindest halbnackt, du beschreibst die eindringlichen Gerüche deiner Achselhöhlen und was man da sonst noch alles lesen kann und glaubst, dass DAS Frauen anmacht? Naja, die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt!" Ja, stimmt, aber: Mit meinem bisschen Geld kann ich hier zwei Monate faulenzen, mit 2 Mädchen zusammen leben (die eine nur sporadisch), sie ernähren und mich von ihnen bedienen lassen. Und die eine liebt mich, und ich liebe sie auch, u. a. weil sie mir keine Therapie verordnet, wie einige meiner deutschen Freundinnen (hab aber nie eine gemacht): "...ich habe den ganzen Tag gelesen und Tee getrunken. Ich rücke den Stuhl auf die Veranda und blicke zu den blauen Bergen hinüber. Wer wollte sagen, ich lebe nicht im Licht der Ewigkeit?" Suzuki, Der westliche und der östliche Weg Wer wollte sagen, es gebe in Plattenbauten keine Märchen aus 1001 Nacht? Und blaue Berge gibt's auch, nur diesen Balkon kann man selbst mit viel Phantasie nicht als Veranda bezeichnen, nichtmal als Balkon:
Kleiner Scherz?
Unten im Hof hat sich einer einen kleinen Scherz erlaubt, Vandalismus nennt man sowas, oder? Die Müllmänner werden sich freuen, sie müssen den Mist mit der Hand wegschaufeln
Nein, sie haben einen Bagger geholt 13.8.07 Mit meinen letzten 1578 Som (30,36 Euro) sind Nuria und ich tatsächlich 4 Tage ausgekommen, einschließlich Zigaretten (für sie), Internet und Parkplatzgebühr, war gar nicht schwer, wir konnten nur nicht in die Disco. Heute sollte ich die 11 Tausend kriegen, aber der Chef der Firma, die den Bus kauft, ist noch am Isik-Kul-See, also morgen. Nuria kommt während ihrer Arbeitszeit aufgeregt nach Hause: Unser Käufer habe sie angerufen: die Fahrertüre vom Bus sei nicht abgeschlossen! Dafür unterbricht sie ihre Arbeit und leiht sich vom Chef 30 Som für eine halbe Stunde Fahrt mit einer Maschruttka! Sie sagt, ich kenne immer noch nicht ihre Landsleute, selbst auf bewachten Plätzen würden Autos geklaut. Aber ich habe die Fahrertüre schonmal vorher unverschlossen vorgefunden, und ich bin auch diesmal 100% sicher, sie abgeschlossen zu haben. Ein Geheimnis! Der Bus ist nicht geklaut, nichts ist beschädigt, nichtmal das Radio ist weg - also? Grübel..... Ich denke, unsere Jungs, die die Autos bewachen, machen ihn nachts auf, um darin zu schlafen. In ihrer Bude haben sie nur ein verrottetes Drahtgestell mit einer Decke drauf zum Schlafen. Und sie wissen bestimmt, wie man ein Auto aufkriegt. Sie hätten mich fragen sollen, ich hätte ihnen den Schlüssel gegeben, besser kann der Bus ja nicht bewacht werden.
Unsere Parkwächter und ihr Wachhäuschen
Diese beiden netten Leute angequatscht, sie kommen aus Holland, haben ihre Fahrräder im Flieger mitgebracht und machen jetzt eine Tour durch Kirgistan. Ich habe sie vor kirgisischen Autofahrern gewarnt. Sie machen aber nicht zum esten Mal so eine Tour. 14.8.07
Er hat ihn gekauft mit seiner Tochter (die mit dem großen Busen, heute leider nicht dieselbe Bluse an), sind echt nette Leute, waren beim Zoll und in der Bank, sie haben mit Euro bezahlt, 7500 sind unterwegs nach Deutschland, 500 bleiben uns für die letzte Woche. In der Bank stellt sich raus, ich habe mehr Geld als oben angegeben: Das Konto, das ich letztes Jahr hier hatte, existiert noch, und es sind 28 Cent drauf - Dollarcent. Da ich nun Euro habe, muss ich ein neues Konto eröffnen. Nun habe ich 2 Konten in Bishkek....
...da sind wir froh, auch wenn's nicht so viel ist wie erwartet. Sie ist auch froh, weil es ihrem Vater nach einer kritischen Phase wieder besser geht, morgen soll er nach Bishkek transportiert werden, wo es bessere Versorgung gibt.
Also gehn wir essen beim Türken, wo sie wie gewohnt erstmal ihr Kompottglas über'n Tisch fegt. 15.8.07 Gestern Nacht wieder in Disco "Golden Bull" (hamja wieder Geld), und diesmal länger geblieben. Zu vorgerückter Stunde gab es Bauchtanz und dann Stripteas: eine wild tanzende, rastamähnige junge Frau verlor ihr Oberteil, als sie kopfüber an der Stange hing, mehr ließ sie nicht fallen. Und ich diesmal sehr oft rumgezappelt. Als Nuria nicht mehr tanzen mochte, kam eine junge Frau zu mir und tanzte mit mir, und zwei andere sprachen mich an auf der Tanzfläche. Ich konnte sie nicht richtig verstehen, aber eine sagte, ich sei ein "good dancer"! Wow, und das mir in meinem Alter! Am meisten hat mich gewundert, dass Nuria nicht eifersüchtig war. Sie sagte, sie habe sich amüsiert: als die jungen Amis weg waren, hätten sich die Mädchen auf mich gestürzt, aber ich gehöre nur ihr. Was hab ich ein schönes Leben hier: Geld in der Tasche, muss nicht arbeiten, umschwärmt von jungen, hübschen Frauen, und Nuria kocht leckere Sachen:
Bewegungsunschärfe oder Altersparkinson?
Alle kirgisischen Mädels träumen vom Heiraten und Kinderkriegen, sagt Nuria. Ich sage: Und die Jungs, die sie dafür brauchen, träumen vom Vögeln und von Autos. Kapptschor Neues russisches Wort gelernt: "Kapptschor", das heißt: "Geräuchertes". Man braucht es für folgenden Dialog: Nuria: "Tschor?" (Was iss los?) Ich: "Kapptschor!" Heute morgen hat sie mir ein Stück von ihrer Hähnchenkeule auf den Teller gelegt, kaum auf der Zunge, konnte ich sagen: "Aha, Kapptschor!" In Bishkek treffen sich gerade die Präsidenten aus 6 umliegenden Ländern, sogar Putin ist dabei, scheint sowas wie ein "G6" zu sein. Es geht erfreulich unspektakulär zu, nur wenige Straßen sind gesperrt, es gibt keine Demos und keine Staus, wenn die Herren durch die Stadt gefahren werden, die Kanaldeckel sind nicht versiegelt, und die Leute nehmen kaum Notitz davon. 18.8.07
Ich glaube, die arbeiten hier alle in 24-Stunden-Schichten, ich sehe oft Leute schlafend am Arbeitsplatz, z. B. 2 Schoró-Verkäuferinnen an einer Straßenecke:
Schoró ist ein kalter, bräunlicher Drink aus Getreide, schmeckt nach nix, aber an fast jeder Kreuzung steht so ein Stand mit 2 Fässern: Im roten ist Schoró, im blauen ist Araschang, was aber fast das selbe ist, sagt Nuria. Sie trinkt es gelegentlich, es sei sehr gesund, und schon ein Pappbecher für 4 Som lösche den Durst.
Anna und Kai in Bishkek, sie sind mit einem Audi 100 von Deutschland hierher gefahren: über Griechenland, Türkei, Georgien, Turkmenistan und Usbekistan. Ihnen ist an einem Tag gelungen, wofür ich fast 2 Monate brauchte: heute das Auto auf dem Autobasar mit Gewinn verkauft. "Some guys have all the luck...." 19.8.07
Auf'm Basar neue Hose mit Oberschenkelbacken gekauft: aus "Turce" (Türkei) für 1100 Som...
...und für sie Schuhe für den harten kirgisischen Winter für 600...
Dafür tanzt sie mir was vor ohne Höschen... sie möchte ein letztes Mal mit mir in die Disco, aber ich bin krank, das erste Mal auf dieser Reise, jetzt in den letzten Tagen krieg ich noch Dünnschiss und Erkältung, also geht sie allein, sie will mit den neuen Schuhen tanzen, ich sage: aber nur, wenn sie ohne Slip geht.... 20.8.07 Letzter Tag in Bishkek, morgen 5:00 Uhr geht der Flieger. Nuria erzählt, gestern in der Disco habe die Stripteasetänzerin alle Hüllen fallen lassen und saß breitbeinig auf dem Schoß eines Gastes. Es sei auch noch eine Asiatin gewesen.... Mmh, hab ich also doch noch was verpasst, Mist! 21.8.07 Without check Im Flughafen Istanbul: Es gibt tatsächlich wireless lan, wenn auch langsam und unsicher, bricht immer mal zusammen. Aber ich hab ja Zeit, nämlich 8 Stunden bis zum Anschlussflug. Fotos gibt's erstmal nicht mehr, habe die Kamera Nuria geschenkt, weil sie einige Macken bekommen hat - die Kamera, nicht Nuria. Überhaupt hat sie mal wieder ne Menge Klamotten von mir bekommen, weil ich die nicht zurück nehmen konnte. Trotzdem hatte ich 12 kg Übergewicht, äh, ich meine natürlich mein Gepäck. Es ergab sich zum Abschied eine typisch asiatische Szene im bishkeker Airport Manas: Am Checkin teilte mir der Herr zwar mit, dass es 12 kg zu viel sind, wollte aber kein Geld dafür. Dann ging ich zum Zoll (wo sie nicht nach dem Verbleib meines Autos fragten) und in den Warteraum. Nach etwa einer halben Stunde winkte mich der vom Checkin beiseite und flüsterte mir ins Ohr, die 12 kg kosten 150 Dollar. Ich sagte, ich hätte aber nur 8 Dollar dabei. Dann wollte er eben 50 Dollar "without check". Was er denn damit meine, fragte ich ihn und zückte meine Geldbörse. Dann war er plötzlich verschwunden, und auch hier in Istenbul hat mich keiner auf das Übergewicht angesprochen. Nun kann ich mich schonmal an andere Preise gewöhnen: eine heiße Schokolade kostet hier so viel wie ein Mal üppig essen gehen mit Nuria. In Düsseldorf erwartet mich ein Blinddate: ein Leser meines Blogs holt mich ab, von dem ich nicht mal den richtigen Namen weiß, das ist ja mal spannend, nö? |