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Reise 2007
Iran
18.4.07
Insgeamt ging ein ganzer Tag drauf für die Einreise in den Iran. Für die Suche nach einem schönen Nachtplatz blieb keine Zeit. Es wurde schon dunkel, als wir auf einer Baustelle auf eine iranische Familie beim Picknick stießen. Wir haben gewartet, bis sie abzogen, um dann ihren Platz einzunehmen.
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19.4.07
Unser zweiter Schlafplatz ist schon besser: In der Nähe einer "pitoresk mountain village". In der Nacht Gewitter, Sturm und Regen. Ich habe Sorge, wir kommen morgens nicht aus dem Schlamm raus. Aber dann scheint die Sonne, und Erika baut einen Altar. Ich frage sie, ob ich meine Kacktüte, die ich in der Nacht gefüllt habe, darunter vergaben darf, als rituelle Beigabe.
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21.4.07
Dieselschlauch geplatzt, Motor vollgelaufen, Erika hat den passenden Schlauch, Andre hat's repariert, die Perser machen die Motorwäsche (1,80 Euro), ich mache Fotos.
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Spaziergang durch Bonap
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Erika hat sich eine "Machgnaä" gekauft, was sonst nur Schulmädchen tragen, steht ihr aber auch gut.
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Die Köche besprechen unser Menü, das Ergebnis sieht so aus:
Zam Zam (Limonade), Gushde Karde (Gehacktes mit Gemüse), Chriar Shur (Gewürzgurken) und Lavash (Brot)
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Tisch abgefressen
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Zum Tee eingeladen....
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22.4.07
Die Hölle hat einen Namen: Teheran. Leider sind wir zweimal unnötigerweise da durchgefahren. Autos, LKW und Mopeds quälen sich in Millimeterabstand durch die Straßen. Man kann kaum atmen. Am nächsten Tag nochmal mit einem Taxi, um die Visa zu beantragen, was komplizierter wurde als gedacht. Wir müssen nach etwa 12 Tagen nochmal in diesen Wahnsinn eintauchen.
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Andre hat auch die Schnauze voll (im Taxi durch Teheran)
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Sonst wohnen wir auf dem Stück Land außerhalb der Stadt, das meinem Freund Sirous gehört und wo's uns gut geht. Er hat Weizen, Gurken, Schafe, Hühner, Hunde, 2 afghanische Familien und einen 170er.
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Salamä wohnt auch hier, sie ist aus Afghanistan, sie brachte mir Brot am Morgen, und ich hab mich in sie verliebt, wir gehen Hand in Hand durch Mamarsand, sie ist 14. Sirous möchte meinen Kühlschrank kaufen. Ich schlage vor, er kriegt meinen Kühlschrank, ich seine Salamä.
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Erika und Sirous. Sein Vater hatte 17 Frauen. Er ist der Sohn der letzten Frau, sie war 14 und der Vater 57, als sie heirateten (genau wie Salamä und ich).
Heute wollen wir einen Tag relaxen, morgen in die Wüste aufbrechen.
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24.4.07
Endlich isses wohnlich bei mir im Bus: schönes Bild aufgehängt von hübscher Schäferin auf einem Esel.
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Und endlich sind wir in der Wüste mit einsamen Schlafplatz, fahren bei Semnan nach Süden Richtung Esfahan
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Planschbecken für die Kinder mitten in der Wüste
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Dann vier Reifenpannen hintereinander: 3 Reifen auf der Hinerachse repariert, den vierten mussten wir wegwerfen, für den läuft jetzt das Reserverad, das aber die falsche Größe hat, was ich zuhause nicht nachgeguckt habe. Neue Reifen gibts hier nicht in der richtigen Größe.
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Und so wird repariert
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3.5.07
Wir bleiben 2 weitere Tage in Esfahan, Andre lässt sein Notebook reparieren, ich bin skeptisch, ob die das hinkriegen. Ich wollte allein weiter nach Marvdasht, paar Leute besuchen, die ich von den vorherigen Reisen kenne. Aber ich bin zu schlapp.
Also lunger ich auf dem Meydan-e Iman Platz rum und warte, dass mich Mädels ansprechen. Mit Erika an meiner Seite dürfte das schwierig sein, man hält uns beide meist für ein Ehepaar. Aber es klappt doch.
Andre scheint nicht sehr begeistert von den jungen Damen zu sein, er sagt, sie haben Hakennasen und Oberlippenbärte. Kann sein, mir gefällts.
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Dann kriegen wir Besuch von ganz jungen
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Von der Teestube auf dem Dach des Basars sieht's richtig orientalisch aus. Zufällig saß auch noch einer neben mir und rauchte Wasserpfeife.
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Unser Nachtplatz in Esfahan ist nicht so idyllisch wie die Wüstenplätze, aber mir gefällts. Zwischen Schmutz und Schrott fühlt sich der Hensgen richtig wohl. Erika erzählt, sie habe früher einen Schrottplatz gehabt.
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5.5.07
On the road again....
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"Hello Mista"
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Erika im geschlitzten Rock, nabelfrei und mit nackten Armen! Sie ging sogar ohne Kopftuch in ein Restaurant. Sie sagt, mit der iranischen Bekleidung sei es ihr zu warm. Ich staune, sonst legt sie großen Wert darauf, fremde Sitten zu respektieren. Andre und ich vermuten, sie möchte eine Kleiderordnung-Revolution lostreten. Das kann sie gern tun, aber nicht mit uns, wir wollen nicht ins Gefängnis. Wir setzen durch, dass sie sich anders anzieht. Wir müssen ja schließlich auch lange Hosen tragen.
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Unweit unseres Schlafplatzes wohnt eine Nomadenfamilie in einer Lehmhütte: Ein Mann mit seinen 3 Frauen und 4 Kindern. Andre und Erika gehen abends rüber mit Geschenken: Kekse, Tee, Kugelschreiber und Feuerzeuge. Ich habe die schöne Ausrede, einer müsse die Autos bewachen und bleibe "zuhaus". Wäre ich mitgekommen, hätte ich uns als die heiligen drei Könige aus dem Abendland vorgestellt mit Geschenken für die Kinder. Verstanden hätte mich eh keiner. Ich hatte mich auf einen langen, einsamen Abend eingestellt, weil ich dachte, es würde den beiden dort gut gefallen. Aber es war dann wohl eher peinlich und voller Missverständnisse.
6.5.07
Aber am nächsten Morgen kommt der Gegenbesuch, und alles ist gut.
Außerdem kommen 3 Polizisten in Militäruniformen zu uns herauf. Wir geben ihnen die Kopien unserer Pässe und Visa, die Originale sind in Teheran. Sie sagen, es sei hier nachts gefährlich, es gebe wilde Tiere: Hunde und Tiger. Der Chef scheint sehr schwer von Begriff. Nachdem er sich unsere Route, bestehend aus 2 Städten und dem nächsten Land, nach mehrmaligem Fragen aufgeschrieben hat, fragt er nochmal nach und schreibt es nochmal auf. Dazwischen lange Pausen zum Nachdenken und Kopfkratzen. Plötzlich sagt er: "Merci" und "Godafes", und die Drei rauschen in ihrem Toyota davon.
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Ein Herz für Tiere: Jeden Morgen, manchmal nochmal abends, hinterlasse ich im Umkreis von etwa 20 Metern um unser Nachtlager einen nahrhaften Haufen. Jeder Käfer schneidet sich eine Kugel heraus und rollt sie - manchmal unter extremen Bedingungen (einige überschlagen sich damit, aber lassen nicht los) - in seinen Bau.
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Gern hügelte ich mit dir zu fremden Flöhen: Schlafplatz irgendwo bei Ahmadabad in einer Kuhle, umgeben von sanften Hügeln....
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9.5.07
Ich füllte mich an mit der Ruhe der Nacht und der Erwartung des Sonnenaufgangs und auch mit dem Knarren des Planeten, der eine dicke Haut hat....
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In Biyar Jomand, einem Wüstennest, machen wir Rast. Im Restaurant will der Dorfpolizist unsere Pässe sehen. Bisher war nie ein Problem, dass Erika und ich nur die Kopien von Pass und Visum dabei haben. Für ihn ist es ein Problem. Wir müssen seinem Toyota zum Hauptquatier folgen, etwa 500 Meter entfernt. Auf die Frage, wie lange wir ungefähr warten müssen, sagt er: "Five minutes." Daraus werden neun Stunden. Zunächst will er, dass wir in Begleitung eines Polizisten nach Sharud, der nächst größeren Stadt fahren. Wir weigern uns, wir wollen allein weiter. Ich drohe ihm mit der Deutschen Botschaft, ich will mich beschweren, er soll mir seinen Namen, Dienstgrad und sein Handy geben, ich will mal anrufen, der Botschafter sei mein Freund. Er gibt mir weder noch.
Dann sollen wir die Nacht vor seinem Hauptquatier verbringen und am nächsten Tag allein weiterfahren. Wir sind einverstanden und machen es uns im Park gegenüber bequem, packen Tische, Stühle und Essen aus. Aber nun stehen wir unter Arrest, werden von einem Soldaten bewacht, sogar bis zur Toilette begleitet uns ein Soldat.
Gegen 21.00 taucht ein neuer Polizist in Begleitung der anderen auf. Er sagt, wir sollen sofort weiterfahren, aber nicht nach Sharud, wo wir hinwollen, sondern zurück nach Tabas in die Wüste, wo wir herkamen. Wir sind einverstanden, packen zusammen und fahren Richtung Tabas bis ins nächste Dorf. Dort finden wir auf der Karte eine 45 km lange Piste, die an Biyar Jomand vorbei führt und weiter nördlich auf die Straße stößt, auf der wir nach Sharud kommen.
Die Piste ist holprig, teilweise versandet, mehrmals geht's durch ausgetrocknete, tief eingeschnittene Wasserläufe mit weichem Untergrund, und ringsrum kein Licht, und kein anderes Fahrzeug begegnet uns. Wir ziehen eine lange Staubfahne hinter uns her. Andre fürchtet, der Polizist hat alle anderen Polizeistationen über uns informiert, und in Sharud werden wir verhaftet. Aber ich glaube, so wichtige Leute sind wir nicht, und wir schaffen es, sogar meine Reifen halten durch.
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In Sharud einen Pickup beim Einparken gestreift, und dabei dessen Kotflügel zerknautscht. Leider fehlt an meinem nun eine Begrenzungsleuchte - ich klebe ein Pflaster drüber. Der Besitzer vom Pickup will kein Geld!
Die braune Kruste, die dem Tankdeckel entströmt, stammt nicht vom Unfall, sondern vom Diesel, der beim Tanken jedesmal überläuft. Ich mache stets akrobatische Verrenkungen, um mich nicht vollzuschlabbern. Er ist billiger als Wasser: 1,3 Cent pro Liter.
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12.5.07
Inzwischen sind wir wieder bei Sirous und Salamä. Unsere usbekischen Visa seien fertig, hören wir morgens am Telefon, ein paar Stunden später rufen sie zurück, sie sind doch noch nicht fertig. So geht das hier.
Jetzt darf ich nichtmal mehr Witze machen, Andre und Erika haben es mir verboten. Jedenfalls solche, die mir einfallen, wenn wir mit Einheimischen zusammen sind (auf Deutsch). Sie sagen, ich mache mich über sie lustig, ich sei überheblich, das sei ihnen peinlich. Außerdem soll ich auf unseren abgelgenen Nachtlagern die Apfelsinen- und Eierschalen nicht auf den Boden fallen lassen, das sehe nicht schön aus, das gehöre in den Abfall. Aber sowas ist gar kein Abfall, Erde und Tiere können damit was anfangen. Wenn die beiden wüssten, was ich sonst noch so alles in meinem Bus treibe - bald wäre alles verboten....
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Rechts mein neuer Freund Mechdi, ein schöner Mann, er ist Architekt und spricht Französisch, hat ein Jahr in Bordeaux studiert - vielleicht verliebe ich mich ihn, heute sehen wir uns wieder. Links ist Somija, die neue Freundin von Andre, die ihn schon 9 Uhr für ein date morgens anruft, und die wir später im Verdacht haben, uns bespitzelt zu haben.
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16.5.07
Mit Erika in Teheran: Sie möchte unbedingt hier auch noch das Visum für Kasachstan beantragen. Ich habe keine Lust, länger als unbedingt nötig in dieser schrecklichen Stadt zu bleiben, und das Visum für Kasachstan können wir in Tashkent oder Bishkek bekommen. Als alle geplanten Besorgungen erledigt sind, und wir zurück fahren können, zeigt sie dem Fahrer die Adresse der kasachischen Botschaft. Ich raste aus, wir fauchen uns an, es kommt fast zur Trennung. Glücklicherweise kennt der Fahrer die Adresse nicht, und wir fahren zurück.
Wir ziehen um nach Mamarsand, stehen dort an einem Park und werden wieder von Polizei kontrolliert. Diesmal sind 3 in Zivil dabei, scheinbar Geheimpolizei oder -dienst. Sie schauen in unsere Autos, sind schleimig freundlich und interessieren sich sehr für unsere Notebooks. Ich soll mal anmachen und meine Fotos vom Iran zeigen.
Sie behalten Andres Pass, sie behaupten, wir seien keine Touristen, sondern Journalisten, das hätte ihnen die iranische Botschaft in Ankara mitgeteilt. Wir sollen mitkommen und die Computer irgendwo abgeben. Wir zetern rum, ich denke mit Schrecken an meine Pornofilme, aber wenn wir uns weigern, kommen wir ins Gefängnis, sagen sie.
Also sitzen wir eingezwängt zu Dritt mit unseren Laptop-Taschen hinten in einem Polizeiauto und warten. Nach 10 Minuten können wir wieder aussteigen, wir sollen schlafen gehen, und am nächsten Morgen wollen sie uns abholen und nach Teheran verfrachten. Drei Autos mit Besatzung bleiben bei uns: eins vor, eins hinter und eins neben uns. Zum Klo werden wir wieder begleitet, das kennen wir ja schon. Diesmal ist es aber kein einfacher Soldat, sondern vielleicht ein Geheimagent. Ich lösche die Pornofilme.
Am Morgen sind sie weg, aber Andres Freundin Somija holt uns ab, die Polizei habe sie beauftragt, uns nach Teheran zu bringen, ins "Department of Alien's Affairs", wie es wörtlich über dem Eingang steht, und das wir bereits kennen. Andre ist besorgt um ihre Sicherheit, sie ist Afghanin und hat keinen iranischen Pass. Sie könne nun durch die Bekanntschaft mit uns vielleicht ausgewiesen werden, meint er.
Wir fahren mit Andres Bus hin, Somija ist schwarz verschleiert, Andre lässt zum Teheraner Hoellenverkehr irgendein bass&drum Gerappel laufen. Gegen 9:00 kommen wir an, die Rechner werden beschlagnahmt, und wir werden nach langer Wartezeit einzeln verhört (auch Somija) von mehreren Beamten, einer spricht gut Deutsch. Zum Glück muss Erika nicht rein, sie ist oft beängstigend aufmüpfig an unpassender Stelle, z. B. wollte sie kürzlich mit einem Polizisten die iranische Kleiderordnung für Frauen diskutieren.
Ich frage den Beamten, wo wir hier sind und wer die Herren sind, die um mich herum sitzen. Er sagt, es seien alles Freunde von mir. Aha. Solche Auskünfte schaffen Vertrauen! Dann entwickelt sich mein Verhör eher zur Plauderstunde über meine 3 Reisen. Sie wollen wissen, wen ich dabei so alles im Iran kennen gelernt habe.
Zwischendurch kommt Andre rein und setzt sich eloquent für Somija ein. Der Beamte soll ihm sein Ehrenwort geben, dass Somija nichts passiert. Ich finde seinen Auftritt sehr komisch, was soll das Wort dieses Mannes wert sein, vielleicht ist er nur Dolmetscher? Und selbst wenn er der Geheimdienstchef persönlich ist, was hindert ihn daran, sein Wort zu brechen? Außerdem sagte mir Somija, ihr könne nichts passieren, sie habe Gott als Beschützer, in der Tat ein mächtigerer als Andre.
Ich habe seit heute den Verdacht, dass Somija für die Polizei arbeitet und uns in deren Auftrag schon die ganze Zeit ausspioniert. Dafür spricht, dass sie als Afghanin "Internationale Politik" studiert, was erstens zu einem solchen Job passen würde. Und zweitens wissen wir von anderen Afghanen, dass man ohne iranischen Pass keinen Studienplatz kriegt - wie ist Somija dann an ihren gekommen?
Danach kriegt Andre seinen Pass zurück, die Rechner kriegen wir nach einer weiteren Stunde zurück. Scheinbar haben sie nicht reingeschaut, wir finden keine Spuren (sie hatten ja auch kein Paßwort), aber die Akkus sind voll.
Später fällt mir ein, woher der Verdacht, wir seien Journalisten, kommen könnte: Wir haben zum Spaß oft gesagt, ich sei Journalist, weil Taxifahrer so armselig klingt. Aber auf Formulare (z.B. an der Grenze) habe ich immer "Taxifahrer" geschrieben.
Auf der einen Seite gibt's nette Leute wie die aus dem Computerladen (siehe oben), andereseits steht man in solchen Ländern mit einem Bein im Gefängnis. Wir wissen nicht, mit wem wir es zu tun hatten, noch warum sie uns festgehalten haben.
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Die netten Jungs vom Internet Cafe in Marmasand, sie seien Afghanen und fürchten die Abschiebung. Sie möchten alle nach Europa. Der zweite von rechts, der aussieht wie Gandhi mit steifen Schultern, könnte ein Doppelgänger von mir sein.
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Hier in Babolsar am Kaspischen Meer stehe ich seit 2 Tagen allein, Andre und Erika schauem sich woanders um und kommen irgendwann zurück. Ich glaube nicht, dass es woanders schöner ist als hier, am Strand sieht es überall gleich aus. Wären an dem Cafe nicht diese arabischen Schriftzeichen, es könnte Griechenland oder Spanien sein. Und eigentlich warten wir nur noch auf das Visum für Turkmenistan.
In der 3. Nacht erreicht die Mückenplage ihren Höhepunkt. Bin von Kopf bis Fuß eingekleidet, nur noch die mit Autan eingeschmierte Nasenspitze guckt raus. Trotzdem finden sie irgendein Schlupfloch. Ihr Gejaule über meinem Kopf hört sich an wie eine Autobahn, eine Autobahn von Mücken. Gegen 3 Uhr kann ich nicht mehr schlafen, ich mache Tee, ein Spiegelei und das Laptop an und versuche ein paar zu killen. Draußen fährt ein Polizeiauto zum Strand, dort sitzen noch Leute um ein Feuer, whrscheinlich trinken sie selbstgebrannten Schnaps.
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Nachts im Traum stehe ich mit Iranerinnen unter der Dusche, lasse mir den Rücken abschrubben und lutsche an ihren Brustwarzen. Am Tag ist weniger möglich. Im Hotel nebenan lässt man mich nichtmal allein duschen, nichtmal für 1 Khomeni (10 Tausender Schein = 80 Cent).
Inzwischen ist uns allen der Real ausgegangen. In Kleinstädten kein Wechsel in Banken möglich. Selbst hier in Babolsar, einem Badeort, ist es schwierig, die Melli Bank hat ab 13 Uhr geschlossen. Finde schließlich einen Iraner, der mir für meine 50 Euro sogar den korrekten Kurs gibt (625.000 Real). Bin sehr überrascht, da sonst auf dieser Reise eher alles schief geht. Trotz Reifenpannen und mehreren Taxifahrten nach Teheran rein und raus habe ich in 30 Tagen nur 300 Euro ausgegeben.
Gestern hörte Andre ein Knirschen aus der Hinterachse, während ich den Parkplatz wechselte. Sämtliche Radmuttern am rechten Zwillingsrad waren locker. Eine Unterlegscheibe ist gebrochen, eine Mutter lässt sich nicht mehr ganz abdrehen.
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Ich hab hier einen jungen Karriere-Typen aus wohlhabender Familie mit seiner schicken Ehefrau Hanna kennengelernt. Gestern Abend fragte er, ob er mir eine persönliche Frage stellen darf, er wollte wissen, wo und wie oft ich unterwegs dusche (die beiden hatten gesehen, dass keine Dusche im Bus ist). Vermutlich habe ich mal wieder ziemlich gestunken, ich rieche das selbst ja nicht. Und Hannas säuerliches Gesicht war ein weiteres Indiz dafür, denn sie war überaus clean, mit Strähnchen im Haar und modischer Sonnenbrille.
Heute Morgen sind sie meiner Einladung nachgekommen und haben mit mir vorm Bus draußen auf dem staubigen Strandweg gefrühstueckt. Immerhin konnte ich Käse, Eier und Marmelade anbieten, aber sie wirkte nicht sehr glücklich auf dem wackeligen Klappstuhl. Trotzdem waren beide sehr nett, besonders er sehr herzlich, und wir haben uns prima verstanden. Sowieso konnte ich nur mit ihm reden, sie spricht kein Englisch. Hätten wir etwas mehr Zeit, ich würde ihn gern in Karash besuchen, seine Eltern haben dort offenbar ein großes Haus. Bisher habe ich ja nur normale bis ärmliche Häuser von innen gesehen.
Ahmads schicke Frau Hanna mit gemalten Augenbrauen und saurem Geruch in der Nase (von mir). I'm very sorry! Sehr nettes Paar, sind frisch verheiratet
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Erika und ich meditieren auf einem Sandhaufen. Stimmt gar nicht, meditieren gehört auch zu den Dingen, von denen ich nichts verstehe. Macht nix.
Seit unserem Besuch beim Geheimdienst, verzeichnet meine Blog-Statistik einen erstaunlichen Anstieg der Besucherzahl. Vielleicht gefällt den Herren mein Reisetagebuch, und sie haben es allen Freunden weiterempfohlen. Das freut mich.
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24.5.07
Gestern nochmal einen ganzen Tag in Teheran verbracht, endlich alle Visa in den Pässen, können Richtung Turkmenistan aufbrechen. Andre überlegt sich unterwegs, ob er einen Umweg über Sari macht, um seine zweite iranische Freundin nochmal zu besuchen.
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Junger Japaner fährt auf seinem Fahrrad von Portugal zurück nach Japan
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Vor einer Moschee mal eben den Kolben gewechselt, unterm Truck ne riesige Öllaache
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Letzte Nacht im Iran am Robat-e Sharif (Karawanserei) geschlafen, das ist unser Gastgeber, sehr nette Leute, sie haben sich an mich erinnert, ich habe letztes Jahr Kugelschreiber und Feuerzeuge verteilt, hab ich dann jetzt auch wieder gemacht.
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26.5.07
Hier haben wir übernachtet, genau richtig für uns: eine Raststätte für Kamele
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27.5.07
An der iranischen Grenze reicht mir ein Fremder sein Handy, Anruf für mich! Hossein schreit mich an, mein Carnet war nur ür 7 Tage gültig, und nun war ich 40 Tage im Land. Ich würde große Probleme bekommen. Ich lasse ihn nicht ausreden und gebe das Handy seinem Besitzer zurück. Ich bekomme keine Probleme, die Zollbeamten nehmen das Carnet in Empfang, und wir können ausreisen.
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26.5.07
In Turkmenistan. Ab morgen fahre ich allein weiter. Wir treffen uns an den markanten Orten: Polizeiposten, Grenzen, Städte wie Buchara...
Der Grund, warum ich allein fahre? Wir können uns nicht auf eine gemeinsame Geschwindigkeit einigen. Die beiden wollen immer schneller als ich. Klingt ziemlich albern, ich weiß. Vor allem, weil der Unterschied nur 10 kmh beträgt. Das Problem hatten wir von Anfang an. Gestern Abend haben sie mich in Turkmenistan hängen lassen und nicht mehr auf mich gewartet. Ich fahre sehr ungern im Dunkeln allein durch Turkmenistan. Ich hab das als Zeichen verstanden, dass die beiden auf meine Begleitung keinen Wert mehr legen. Ich habe mich sehr darüber geärgert.
In Turkmenistan war ich auf geldgierige Polizisten gefasst. Ich hatte Pass und Kfz-Schein griffbereit und die üblichen Phrasen zur Abwehr im Kopf. Aber welch Wunder: An sämtlichen Posten wurde ich durchgewunken. Einer wies mir sogar ungefragt (und freundlich!) den richtigen Weg. Sollte etwa der neue Präsident eine entsprechende Order ausgegeben haben: "Touristen werden nicht mehr abgezockt"? Das wäre sehr schön, vielen Dank, Herr Präsident. Wenn Sie jetzt noch bitte den Zöllnern sagen würden, sie sollen keine Gebühren mehr nehmen und uns durchs Land fahren lassen wie wir wollen, dann werde ich allen meinen Freunden erzählen, was für ein tolles Land Turkmenistan ist..
In Mary getankt, ich weiß nicht, wieviel ein Liter kostet, ich vermute, für 1 US-Dollar bekomme ich ca. 50 Liter. Ich frage den Tankwart, und er malt tatsächlich 50 an die Wand. Bevor er den Rüssel in das Tankloch steckt, wedel ich mit dem Dollarschein vor seiner Nase rum: Mehr bezahle ich nicht! Als der Sprit drin ist, will er 2 Dollar. So sindse, die Turkmenen,
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