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Reisetagebuch 2007 / Iran, Teil 3 16.5.07 Alien's Affairs Mit Erika in Teheran: Sie möchte unbedingt hier auch noch das Visum für Kasachstan beantragen. Ich habe keine Lust, länger als unbedingt nötig in dieser schrecklichen Stadt zu bleiben, und das Visum für Kasachstan können wir in Tashkent oder Bishkek bekommen. Als alle geplanten Besorgungen erledigt sind, und wir zurück fahren können, zeigt sie dem Fahrer die Adresse der kasachischen Botschaft. Ich raste aus, wir fauchen uns an, es kommt fast zur Trennung. Glücklicherweise kennt der Fahrer die Adresse nicht, und wir fahren zurück. Wir ziehen um nach Mamarsand, stehen dort an einem Park und werden wieder von Polizei kontrolliert. Diesmal sind 3 in Zivil dabei, scheinbar Geheimpolizei oder -dienst. Sie schauen in unsere Autos, sind schleimig freundlich und interessieren sich sehr für unsere Notebooks. Ich soll mal anmachen und meine Fotos vom Iran zeigen. Sie behalten Andres Pass, sie behaupten, wir seien keine Touristen, sondern Journalisten, das hätte ihnen die iranische Botschaft in Ankara mitgeteilt. Wir sollen mitkommen und die Computer irgendwo abgeben. Wir zetern rum, ich denke mit Schrecken an meine Pornofilme, aber wenn wir uns weigern, kommen wir ins Gefängnis, sagen sie. Also sitzen wir eingezwängt zu Dritt mit unseren Laptop-Taschen hinten in einem Polizeiauto und warten. Nach 10 Minuten können wir wieder aussteigen, wir sollen schlafen gehen, und am nächsten Morgen wollen sie uns abholen und nach Teheran verfrachten. Drei Autos mit Besatzung bleiben bei uns: eins vor, eins hinter und eins neben uns. Zum Klo werden wir wieder begleitet, das kennen wir ja schon. Diesmal ist es aber kein einfacher Soldat, sondern vielleicht ein Geheimagent. Ich lösche die Pornofilme. Am Morgen sind sie weg, aber Andres Freundin Somija holt uns ab, die Polizei habe sie beauftragt, uns nach Teheran zu bringen, ins "Department of Alien's Affairs", wie es wörtlich über dem Eingang steht, und das wir bereits kennen. Andre ist besorgt um ihre Sicherheit, sie ist Afghanin und hat keinen iranischen Pass. Sie könne nun durch die Bekanntschaft mit uns vielleicht ausgewiesen werden, meint er. Wir fahren mit Andres Bus hin, Somija ist schwarz verschleiert, Andre lässt zum Teheraner Hoellenverkehr irgendein bass&drum Gerappel laufen. Gegen 9:00 kommen wir an, die Rechner werden beschlagnahmt, und wir werden nach langer Wartezeit einzeln verhört (auch Somija) von mehreren Beamten, einer spricht gut Deutsch. Zum Glück muss Erika nicht rein, sie ist oft beängstigend aufmüpfig an unpassender Stelle, z. B. wollte sie kürzlich mit einem Polizisten die iranische Kleiderordnung für Frauen diskutieren. Ich frage den Beamten, wo wir hier sind und wer die Herren sind, die um mich herum sitzen. Er sagt, es seien alles Freunde von mir. Aha. Solche Auskünfte schaffen Vertrauen! Dann entwickelt sich mein Verhör eher zur Plauderstunde über meine 3 Reisen. Sie wollen wissen, wen ich dabei so alles im Iran kennen gelernt habe. Zwischendurch kommt Andre rein und setzt sich eloquent für Somija ein. Der Beamte soll ihm sein Ehrenwort geben, dass Somija nichts passiert. Ich finde seinen Auftritt sehr komisch, was soll das Wort dieses Mannes wert sein, vielleicht ist er nur Dolmetscher? Und selbst wenn er der Geheimdienstchef persönlich ist, was hindert ihn daran, sein Wort zu brechen? Außerdem sagte mir Somija, ihr könne nichts passieren, sie habe Gott als Beschützer, in der Tat ein mächtigerer als Andre. Ich habe seit heute den Verdacht, dass Somija für die Polizei arbeitet und uns in deren Auftrag schon die ganze Zeit ausspioniert. Dafür spricht, dass sie als Afghanin "Internationale Politik" studiert, was erstens zu einem solchen Job passen würde. Und zweitens wissen wir von anderen Afghanen, dass man ohne iranischen Pass keinen Studienplatz kriegt - wie ist Somija dann an ihren gekommen? Danach kriegt Andre seinen Pass zurück, die Rechner kriegen wir nach einer weiteren Stunde zurück. Scheinbar haben sie nicht reingeschaut, wir finden keine Spuren (sie hatten ja auch kein Paßwort), aber die Akkus sind voll. Später fällt mir ein, woher der Verdacht, wir seien Journalisten, kommen könnte: Wir haben zum Spaß oft gesagt, ich sei Journalist, weil Taxifahrer so armselig klingt. Aber auf Formulare (z.B. an der Grenze) habe ich immer "Taxifahrer" geschrieben. Auf der einen Seite gibt's nette Leute wie die aus dem Computerladen (siehe oben), andereseits steht man in solchen Ländern mit einem Bein im Gefängnis. Wir wissen nicht, mit wem wir es zu tun hatten, noch warum sie uns festgehalten haben.
Mit Somija auf dem Rummelplatz, danach müssen wir den Platz verlassen, ein Polizist beanstandete Erikas Kleidung, obwohl sie inzwischen lange Hose und ein weites Hemd trägt.
Der zahnlose Besitzer unseres Stammrestaurants in Mamarsand (rechts) und eins seiner 15 Kinder (links)
Die netten Jungs vom Internet Cafe in Marmasand, sie seien Afghanen und fürchten die Abschiebung. Sie möchten alle nach Europa. Der zweite von rechts, der aussieht wie Gandhi mit steifen Schultern, könnte ein Doppelgänger von mir sein. Rücken abschrubben
Hier in Babolsar am Kaspischen Meer stehe ich seit 2 Tagen allein, Andre und Erika schauem sich woanders um und kommen irgendwann zurück. Ich glaube nicht, dass es woanders schöner ist als hier, am Strand sieht es überall gleich aus. Wären an dem Cafe nicht diese arabischen Schriftzeichen, es könnte Griechenland oder Spanien sein. Und eigentlich warten wir nur noch auf das Visum für Turkmenistan. In der 3. Nacht erreicht die Mückenplage ihren Höhepunkt. Bin von Kopf bis Fuß eingekleidet, nur noch die mit Autan eingeschmierte Nasenspitze guckt raus. Trotzdem finden sie irgendein Schlupfloch. Ihr Gejaule über meinem Kopf hört sich an wie eine Autobahn, eine Autobahn von Mücken. Gegen 3 Uhr kann ich nicht mehr schlafen, ich mache Tee, ein Spiegelei und das Laptop an und versuche ein paar zu killen. Draußen fährt ein Polizeiauto zum Strand, dort sitzen noch Leute um ein Feuer, whrscheinlich trinken sie selbstgebrannten Schnaps.
Nachts im Traum stehe ich mit Iranerinnen unter der Dusche, lasse mir den Rücken abschrubben und lutsche an ihren Brustwarzen. Am Tag ist weniger möglich. Im Hotel nebenan lässt man mich nichtmal allein duschen, nichtmal für 1 Khomeni (10 Tausender Schein = 80 Cent). Inzwischen ist uns allen der Real ausgegangen. In Kleinstädten kein Wechsel in Banken möglich. Selbst hier in Babolsar, einem Badeort, ist es schwierig, die Melli Bank hat ab 13 Uhr geschlossen. Finde schließlich einen Iraner, der mir für meine 50 Euro sogar den korrekten Kurs gibt (625.000 Real). Bin sehr überrascht, da sonst auf dieser Reise eher alles schief geht. Trotz Reifenpannen und mehreren Taxifahrten nach Teheran rein und raus habe ich in 30 Tagen nur 300 Euro ausgegeben. Gestern hörte Andre ein Knirschen aus der Hinterachse, während ich den Parkplatz wechselte. Sämtliche Radmuttern am rechten Zwillingsrad waren locker. Eine Unterlegscheibe ist gebrochen, eine Mutter lässt sich nicht mehr ganz abdrehen. Eine persönliche Frage Ich hab hier einen jungen Karriere-Typen aus wohlhabender Familie mit seiner schicken Ehefrau Hanna kennengelernt. Gestern Abend fragte er, ob er mir eine persönliche Frage stellen darf, er wollte wissen, wo und wie oft ich unterwegs dusche (die beiden hatten gesehen, dass keine Dusche im Bus ist). Vermutlich habe ich mal wieder ziemlich gestunken, ich rieche das selbst ja nicht. Und Hannas säuerliches Gesicht war ein weiteres Indiz dafür, denn sie war überaus clean, mit Strähnchen im Haar und modischer Sonnenbrille. Heute Morgen sind sie meiner Einladung nachgekommen und haben mit mir vorm Bus draußen auf dem staubigen Strandweg gefrühstueckt. Immerhin konnte ich Käse, Eier und Marmelade anbieten, aber sie wirkte nicht sehr glücklich auf dem wackeligen Klappstuhl. Trotzdem waren beide sehr nett, besonders er sehr herzlich, und wir haben uns prima verstanden. Sowieso konnte ich nur mit ihm reden, sie spricht kein Englisch. Hätten wir etwas mehr Zeit, ich würde ihn gern in Karash besuchen, seine Eltern haben dort offenbar ein großes Haus. Bisher habe ich ja nur normale bis ärmliche Häuser von innen gesehen.
Ahmads schicke Frau Hanna mit gemalten Augenbrauen und saurem Geruch in der Nase (von mir). I'm very sorry! Sehr nettes Paar, sind frisch verheiratet
Erika und ich meditieren auf einem Sandhaufen. Stimmt gar nicht, meditieren gehört auch zu den Dingen, von denen ich nichts verstehe. Macht nix. Seit unserem Besuch beim Geheimdienst, verzeichnet meine Blog-Statistik einen erstaunlichen Anstieg der Besucherzahl. Vielleicht gefällt den Herren mein Reisetagebuch, und sie haben es allen Freunden weiterempfohlen. Das freut mich. 24.5.07 Zur Grenze Gestern nochmal einen ganzen Tag in Teheran verbracht, endlich alle Visa in den Pässen, können Richtung Turkmenistan aufbrechen. Andre überlegt sich unterwegs, ob er einen Umweg über Sari macht, um seine zweite iranische Freundin nochmal zu besuchen.
Junger Japaner fährt auf seinem Fahrrad von Portugal zurück nach Japan
Vor einer Moschee mal eben den Kolben gewechselt, unterm Truck ne riesige Öllaache
Letzte Nacht im Iran am Robat-e Sharif (Karawanserei) geschlafen, das ist unser Gastgeber, sehr nette Leute, sie haben sich an mich erinnert, ich habe letztes Jahr Kugelschreiber und Feuerzeuge verteilt, hab ich dann jetzt auch wieder gemacht.
Hier haben wir übernachtet, genau richtig für uns: eine Raststätte für Kamele |