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Reisetagebuch 2007 / Türkei 2.4.07 Ein Geheimnis
So sieht's also nun aus, mein Wohnküchenschlafzimmerklo, in dem ich die nächsten Monate leben will. Das Klo festgeschraubt gleich neben dem Bett, sehr praktisch, da bräuchte ich, wenn ich nachts "raus" muss, nur den Hintern rausstrecken, aber so einfach geht's dann wohl doch nicht. Zugeklappt dient der Topf als Ablage von Bierflaschen und anderen Gegenständen des nächtlichen Bedarfs. Produktname des mobilen Klos ist übrigens: "Ernst-August", kein Witz.
Gegen seitliche Sonneneinstrahlung diese aufwändige Vorhang-Konstruktion. Das heißt: ein Kopfkissenbezug mit Heftzwecken aufgehängt.
Der Ablauf unterm Wasch- und Spülbecken endet im hinteren Radkasten, wie man sieht, und wenn man sich gewaschen hat, sieht das von außen so aus:
Aber wenn's sein muss, kann man den Schlauch auch in den dahinter plazierten Kanister führen. Und nun verrate ich euch ein Geheimnis, aber sagt es keinem weiter: Ich benutze dieses Becken auch als Urinal. Ich habe versucht, einen Freund von den Vorteilen dieser Methode zu überzeugen. Vergeblich. Er meinte, er fände das doch ziemlich eklig. Dass das weder eklig noch unhygienisch ist, habe ich von einer meiner 4 Ehefrauen gelernt. Wir wohnten damals in einem Altbau mit dem Klo eine halbe Treppe tiefer. Zum Pinkeln da runter zu gehen - vor allem in der Nacht -, war ihr zu lästig und im Winter zu kalt. Ich glaube, sie hatte zudem Angst vor irgendwelchen bösen Geistern, die sie im Treppenhaus herumhuschen sah. Ich habe ein Foto, da sieht man sie schlaftrunken auf dem Rand des Spülbeckens sitzen. So machte ich die Erfahrung, dass der Urin ein zu unrecht geschmähter Stoff ist: Es fängt nicht an zu stinken, und man bekommt weder Herpes noch Leberzyhrrose, auch wenn man einfach nur etwas Wasser nachlaufen lässt. Unterwegs kann ich jederzeit und an jedem Ort, ohne irgendwelche Tanks oder Kanister zu füllen (die fangen nämlich sehr schnell an zu stinken). Und wenn Hunde auf die Straße pinkeln dürfen, darf ich das schon lange. Nö? 4.4.07
Treffen Andre auf Rastplatz "Rudni" bei Pag. Begutachten die Ausbauten unserer Reisemobile. Sitzen zum Essen in Andres Bus, draußen ist sonniges Wetter, aber noch zu kalt zum Draußensitzen.
5.4.07 Erste Panne Budapest reingefahren, die beiden wollten in ein Termalbad, haben es aber nicht gefunden. Schlafen an der Moldau, wir sind aber nicht ganz sicher, ob es vielleicht die Donau ist? Man könnte mal auf die Karte schauen....
Heute morgen erste Panne: Erikas T3 springt nicht mehr an. Irgendwas am Anlasser, vermutlich der Magnetschalter. Es ist Ostersamstag. Es gibt Werkstätten, sie sagen, der Anlasser ist kaputt, aber kein Ersatzteil. 9.4.07 Sind bis Edirne / Türkei durchgefahren, allmorgendliche sportliche Leistung: Erikas Bus anschieben. Andre und Erika sind in Werkstatt, ich im Internet Cafe, kann mit eigenem Notebook arbeiten, muss nicht die blöde türkische Tastatur mit dem 'i' ohne Punkt benutzen. Sehr angenehm! Kara Hassan heißt der Kerl in seiner Oto-Elektrik-Bude in Edirne. Erika macht ihm leckere Dinkel-Gemüse-Burger und Tempe (Soja mit Edelpilz), und dann will er für 4 Stunden Arbeit am Anlasser und an der Lichtmaschine (der er hellseherisch nur noch 1000 km gibt) 500 Euro haben. Wir bieten 100, worauf er die Polizei holen will. Hätte er mal machen sollen! Vielleicht hätte ich mein Handy zücken sollen und so tun, als sei ich mit dem Polizeipräsidenten von Edirne verbunden. Mit 165 ist er dann einverstanden, immer noch viel zu viel. Zum Abschied gibt er Erika 2 Wangenküsse - Blödmann! Sonnetanz in Uzunköprü Meine beiden Mitfahrer haben mir inzwischen Pinkelverbot auf unseren Schlafplätzen erteilt, jedenfalls darf ich nicht in mein Becken machen, muss einen Mindestabstand zu den Autos einhalten. Naja....
Nachts bis Uzunköprü gefahren, auf einem Ascheplatz mit Scheißhaufen in der Nähe einer Militärstation geschlafen. Morgens macht Andre Gymnastik, Erika Sonnentanz und ich heimlich in mein Becken.
Hier muss mal sauber gemacht werden: Erika und Andre am Marmarameer
Unsere beiden LKW brauchen bei 80 kmh, Windschattenfahren und Bergrunterrollenlassen unter 10 Liter Diesel auf 100 km (meiner 9,2). Das tröstet uns über die unverschämten Mautvorderungen in Serbien hinweg. Sie stuften uns in die höchste Kategorie, nur für Serbien haben wir pro Auto 78 Euro bezahlt. In Bulgarien sollen wir die Vignette für Autos über 3,5 t kaufen (34 Euro). Wir belabern den Typen: das seien Wohnmobile und keine LKW und lägen gewichtsmäßig darunter (gelogen!). Er gibt nach, und wir zahlen jeder 5 Euro. (Insgesant von Tschechien bis Türkei: 105 Euro)
Haben Karten auf CD für Zentral-Asien dabei, aber wissen nicht, wie man sie in unser GPS installiert. Die hinterlegte Weltkarte zeigt außerhalb Europas nur noch Hauptrouten, und von der Mongolei nur noch die Staatsgrenze. 14.4.07 Am Sakarya-Nehri
Letzte Nacht der erste Schlafplatz fern von Straße und Ortschaft - und gleich ein supertoller: Auf einem Plateau über dem Tal des Sakarya-Nehri, mit Weitsicht auf Berge in alle Richtungen. Eine geeignte Kulisse für einen Karl-May-Film. Wir haben Wind und Geruch nach Thymian um die Nasen. Von fern hören wir Frösche, Hundegebell und das Gejammer des Muezins - zusammen eine schöne Nachtmusik. Erika macht ein Lagerfeuer und trommelt und singt dazu.
Wir drei passen gut zusammen: Ein sportlicher Computerfachmann, eine Indianerin und ein... öh, mh... ich. Jedenfalls haben wir uns viel zu erzählen, wir kommen kaum vorwaerts, z.B.: Erika: "Kinder haben noch ein unverstelltes Wissen...." Ich: "Ja, sie wissen, dass man sich vor Pisse und Kacke nicht ekeln muss." Erika: "Meine haben damit gespielt...." Ich zu Andre: "Da muss was schiefgelaufen sein in deiner Kindheit." Andre lacht.
17.4.07 Vielleicht auch nicht
Bei euch ist Sommer, wie ich hörte, hier werden die Nächte von mal zu mal kälter, je weiter wir in den Osten der Türkei kommen. Wir haben Schneeregen, der über der Straße verdunstet und streckenweise einen dichten Nebel bildet. Was bin ich froh, dass ich für das kleine und große Geschäft nicht aus dem Bus raus muss (wie meine Gefährten, aber ich habe es ihnen vorher gesagt!). Dafüt bin ich ein bisschen / ziemlich neidisch auf Andres Trucker-Tisch. Vielleicht besorgt ihr so einen und schickt ihn mir nach? Nein, kleiner Scherz! Im Murat-Camping am Ishak-Pasha-Saray in Dogubayazit arbeitet ein Deutscher namens Jürgen, von dem wir nur falsche Informationen bekommen, z.B. behauptet er, man bekomme ein Carnet an der iranischen Grenze schon für 20 Dollar. Gelogen!
Ich war am Ishak-Pasha mit Mr. Hossein verabredet, der mir an der iranischen Grenze hilft, das Carnet zu bekommen. Trotzdem brauchen die Herren 5 Stunden, um 3 DINA 4 Seiten zu füllen, wofür ich 150 Euro bezahle. Allerdings ist das Dokument nur für 7 Tage gültig. Was passiert, wenn sie bei der Ausreise feststellen, dass ich damit 30 Tage unterwegs war, konnte keiner sagen. Probleme. Vielleicht eine Strafe, vielleicht auch nicht. Obwohl sich Mr. Hossein rührend um Touristen bemüht, sollte man das Carnet besser von zuhaus mitbringen.
Mr. Hossein |