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Reisetagebuch 2007 / Usbekistan





Buchara


Labi-Hauz mit Tagebuch, sehr viele Touri-Gruppen unterwegs, abends mit einigen gequasselt. Eine Deutsche war mit arabischem Schriftsteller verheiratet, durch den sie Buddhistin geworden ist. Sie meinte, ich solle mein Wohnmobil verkaufen und mit Rucksack reisen, sie gehe demnächst mit einer Gruppe in Tibet auf Bergwanderung. Auf meine Frage, wie alt sie ist, sagte sie: "Auf solche Fragen antworte ich nicht."




Von zwei 14 jährigen Mädchen angesprochen worden, sie laden mich ein in ihren Englischkurs: Mit dem sehr sympathischen Lehrer gequasselt. Die Jungs gehen auch auf diese Schule.


Unterwegs nach Tashkent einen LKW gesehen, dessen Pritsche unter der Last der Ladung in der Mitte durchgebrochen war. Ich war leider zu müde, um für ein Foto anzuhalten, vielleicht befürchtete ich auch, der Fahrer würde mich hauen, wenn er mich mit der Kamera sieht.

Dann winkten mir mehrere junge Männer aufgeregt zu, schrien was und zeigten auf meine Motorhaube. Rauchte der Motor? Temperatur und Öldruck normal. Vielleicht hatte ich versehentlich eine Kuh angefahren, und sie lag noch quer auf der Stoßstange? Ich hielt an, und die Männer kamen von hinten angerannt: "Maschina salarka!" schrien sie auf mich ein. Was soll das heißen? Maschina heißt Auto, aber salarka? Ein anderes Wort fiel ihnen nicht ein. Ich stieg aus und ging ums Auto rum. Keine Kuh, kein Platten, alles normal. Also fuhr ich weiter.

Von meinem usbekischen Freund erfuhr ich in Tashkent, dass "salarka" Diesel heißt. Ich befand mich im Grenzbereich zu Kasachstan, von dort schmuggeln sie Diesel herüber und verkaufen ihn billig an Vorüberfahrende.




Tashkent

600 km von Buchara bis Tashkent in 16 Stunden gefahren. Durchshnittsgeschwindigkeit: 37,5 kmh. Unterwegs in einem Straßencafe gegessen: 2 Spieße, Salat und eine Kanne Tee. Er will dafür 10 Tausend Sum haben, ich gebe ihm die Hälfte, und er isses zufrieden.



Bei meinem Freund vorm Haus im Auto geschlafen, morgens bei ihm gefrühstückt. Es gab das usbekische Fladenbrot, das wie ein Kuchen aussieht, 2 Eier, Butter, selbst gemachte Kirschmarmelade, einen trockenen Keks und grünen Tee. Ich wollte das erste Ei pellen, ging nicht, war nicht abgeschreckt. Ich zerteilte es in der Mitte, und es ergoss sich auf meinen Teller, das Weiße war noch flüssig. Macht nichts, je älter ich werde, desto unempfindlicher werde ich, und esse fast alles. Liegt vielleicht daran, dass Geschmacks- und Geruchssinn immer schwächer werden. Habe dann sogar ein paar Stücke Eierschale mitgegessen, sind ja nützliche Mineralstoffe drin. Mein Freund sagte, seine Frau halte die Eier immer nur 30 Sekunden, maximal eine Minute in kochendes Wasser. So mache man das hier. Dann dachte ich, Butter und Marmelade werde ich vergnüglich herunterschlingen, aber in den Kirschen steckten noch die Kerne drin.




Tashkent hat sich sehr verändert, der Rummelplatz in der Innenstadt ist weg, dort habe ich letztes Jahr die Kellnerinnen zu mir eingeladen, und was mache ich nun? Jetzt ist da nur noch Parkanlage, aus einigen Pavillons lärmt immer noch doofe Popmusik, sonst würde man nur Vögel und die Sprenkelanlage hören, wär richtig idyllisch.




Schlafplatz in der Innenstadt von Tashkent: ganztägig Schatten, keine Parkgebühr, jede Menge Platz zum Draußensitzen, hoffe nur, die Polizei wird mich nicht vertreiben. Das Erdbebendenkmahl ist nur 500 Meter entfernt. Dort befand sich 1966 das Epizentrum des Bebens, dem ich diesen Platz verdanke, denn es hat die ganze Stadt platt gemacht, und alles wurde neu geplant.




Yoltschi

Habe einen usbekischen Namen bekommen: Yoltschi = der auf dem Weg Geborene (bekommen die, die im Taxi auf dem Weg zum Krankenhaus zur Welt kommen - passt also).

Heiß und trocken ist's in Usbekistan, das Hemd klebt, der Wäsche kann man zusehen beim Trocknen, die Usbeken immer frisch, nie verschwitzt, die Männer in überlangen, schwarzen Schnabelschuhen, Handy in der Guerteltasche, Frauen jeden Alters immer hauteng...


Drei Meter über mir biegen sich die Platanen im Wind, bei mir unten ist Flaute, ich brauch eine Dachterrasse... dieser Platz ist ein Wunder: mitten in der Stadt, aber kein Verkehr, niemand nimmt Notiz von mir, als sei ich unsichtbar, nur die ganz Frechen kommen mal kurz näher und schauen staunend in die offene Schiebetür: "Oh, Dome!" Und Shakat, der Parkwächter, trinkt mal einen Tee bei mir: er lässt mich als einzigen umsonst hier stehen, bzw. wohnen...

Leider kann ich in mein ‚Dome' die Mädels nicht einladen (ein Freund, dem ich einen Gefallen tat, wollte mir eine spendieren, hab sogar die Telefonnummer von der schönsten vom letzten Jahr dabei), denn wo sollen wir duschen? Und ich glaub, ich kann's auch gar nicht mehr - Altersimpotenz.




Immer hauteng, manchmal durchsictig




Shakat




Heute 2 gebrauchte Michelin-Reifen gekauft, mit Montage für 58 Euro, danach Auto waschen lassen, Handwäsche für 2,35 Euro




6.6.07

Nichts gesehen

Es gibt jetzt ein deutsches Restaurant in Tashkent, heißt: "Gasthaus", die Speisen, nach deutschen Rezepten, sind tatsächlich sehr lecker, Abdu bestellt Eisbein und erklärt mir, warum es Eisbein heißt: Man habe früher diesen Knochen als Schlittschuh verwendet. Er weiß inzwischen mehr über uns als ich.

Die Kellnerinnen sind Usbekinnen im Dirndel. Es ist sehr teuer, hier speist die usbekische Elite. Wir treffen 2 deutsche Ärzte und eine Touristin, die meinen usbekischen Reisebericht auf "umdiewelt.de" gelesen hat. Auf dem Parkplatz streikt mal wieder meine Handbremse, und der Bus rollt auf einen neuen S-Klasse Mercedes auf. Die Wächter versprechen, sie haben nichts gesehen.




Endlich die Handbremse nachstellen lassen in erstaunlich sauberer Werkstatt, außerdem Blinker-Relay gewechselt, Magnetschalter repariert und Ölwechsel gemacht, zusammen für 30 Euro. Haben einen ganzen Tag dafür gebraucht. Es gab kein Klo, ein Mechaniker führte mich ums Haus, aber die Tür war verriegelt, also haben wir beide in einem Hinterhof hinter einem Container gepinkelt.

Sonst saß ich draußen im Schatten und sah den Mädels nach, alle 5 Minuten kamen welche vorbei, alle sehr adrett, meist in SW: schwarzes Haar, weiße Bluse, schwarzer Rock, weiße Beine, schwarze Schuhe.




Ich wollte eine Fotoserie machen, ich habe sie gefragt, aber dann liefen sie davon. Dass ich für den Playboy fotografiere hätten sie mir wohl nicht geglaubt?




Mit Studenten im Cafe, die Damen sind bewusst nicht emanzipiert, wir Männer müssen die Rechnung zahlen ("Moschne Spot"), aber die Handtaschen mussten wir nicht tragen.




Konzentrierte Atmosphäre im Büro der GTZ (Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit), Freund Abdu arbeitet dort seit einiger Zeit. Nun will er heiraten, er muss sich darum nicht kümmern, die Damen werden ihm von allen Seiten angeboten, und sie wollen ihn alle, aber er hat sich noch nicht entschieden. Zu seiner Hochzeit soll ich aus Deutschland eingeflogen werden.




Hier esse ich fast taeglich mit den GTZ-Mitarbeitern, das Restaurant heißt: Yoqimli Ishtaxa = Guten Appetit. 1 Golupsi (gefuellte Weinblaetter, gefuellte Paprika + 1 Stck. Suppenfleisch) und 1 Flasche Kompott (selbstgemachter Fruchtsaft) fuer 1,50 Euro.




9.6.07



Erika und Andre sind heute ohne mich weiter Richtung Tajikistan und Pamir, ich bleibe (mal wieder) etwas reise- und lebensmüde in Tashkent. Am liebsten würde ich zurück fahren, aber ich muss das Auto verkaufen, und das kann ich nur in Bishkek. Vielleicht sehen wir uns dort noch einmal.


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