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Reise 2007
Usbekistan
27.5.07
Bei der Einreise nach Usbekistan die Perestroika-Gruppe getroffen. Mische mich unter sie, und die Abfertigung geht so schnell wie nie zuvor. Macht dann auch nichts mehr, dass ihr Guide dem Zöllner sagt, ich gehöre nicht dazu.
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28.5.07
Buchara: Labi-Hauz mit Tagebuch, sehr viele Touri-Gruppen unterwegs, abends mit einigen gequasselt. Eine Deutsche war mit arabischem Schriftsteller verheiratet, durch den sie Buddhistin geworden ist. Sie meinte, ich solle mein Wohnmobil verkaufen und mit Rucksack reisen, sie gehe demnächst mit einer Gruppe in Tibet auf Bergwanderung. Auf meine Frage, wie alt sie ist, sagte sie: "Auf solche Fragen antworte ich nicht." Kann mich wahrscheinlich glücklich schätzen, dass sie überhaupt mit mir geredet hat.
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Zum Glück gibt es hier nicht nur Touristen: Von zwei 14 jährigen Mädchen angesprochen worden, sie laden mich ein in ihren Englischkurs: Mit dem sehr sympathischen Lehrer gequasselt. Die Jungs gehen auch auf diese Schule.
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29.5.07
600 km von Buchara bis Tashkent in 16 Stunden gefahren. Durchshnittsgeschwindigkeit: 37,5 kmh. Unterwegs in einem Straßencafe gegessen: 2 Spieße, Salat und eine Kanne Tee. Er will dafür 10 Tausend Sum haben, ich gebe ihm die Hälfte, und er isses zufrieden.
Unterwegs einen LKW gesehen, dessen Pritsche unter der Last der Ladung in der Mitte durchgebrochen war. Ich war leider zu müde, um für ein Foto anzuhalten, vielleicht befürchtete ich auch, der Fahrer würde mich hauen, wenn er mich mit der Kamera sieht.
Dann winkten mir mehrere junge Männer aufgeregt zu, schrien was und zeigten auf meine Motorhaube. Rauchte der Motor? Temperatur und Öldruck normal. Vielleicht hatte ich versehentlich eine Kuh angefahren, und sie lag noch quer auf der Stoßstange? Ich hielt an, und die Männer kamen von hinten angerannt: "Maschina salarka!" schrien sie auf mich ein. Was soll das heißen? Maschina heißt Auto, aber salarka? Ein anderes Wort fiel ihnen nicht ein. Ich stieg aus und ging ums Auto rum. Keine Kuh, kein Platten, alles normal. Also fuhr ich weiter.
Von meinem usbekischen Freund erfuhr ich in Tashkent, dass "salarka" Diesel heißt. Ich befand mich im Grenzbereich zu Kasachstan, von dort schmuggeln sie Diesel herüber und verkaufen ihn billig an Vorüberfahrende.
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30.5.07
Drei Meter über mir biegen sich die Platanen im Wind, bei mir unten ist Flaute, ich brauch eine Dachterrasse... Dieser Platz ist ein Wunder: mitten in der Stadt, aber kein Verkehr, niemand nimmt Notiz von mir, als sei ich unsichtbar, nur die ganz Frechen kommen mal kurz näher und schauen staunend in die offene Schiebetür: "Oh, Dome!"
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Und Shakat, der Parkwächter, trinkt mal einen Tee bei mir: Er lässt mich als einzigen umsonst hier stehen, bzw. wohnen...
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Heute 2 gebrauchte Michelin-Reifen gekauft, mit Montage für 58 Euro, danach Auto waschen lassen, Handwäsche für 2,35 Euro
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6.6.07
Es gibt jetzt ein deutsches Restaurant in Tashkent, heißt: "Gasthaus". Die Speisen, nach deutschen Rezepten, sind tatsächlich sehr lecker, Abdu bestellt Eisbein und erklärt mir, warum es Eisbein heißt: Man habe früher diesen Knochen als Schlittschuh verwendet. Er weiß inzwischen mehr über uns als ich.
Die Kellnerinnen sind Usbekinnen im Dirndel. Es ist sehr teuer, hier speist die usbekische Elite. Wir treffen 2 deutsche Ärzte und eine Touristin, die meinen usbekischen Reisebericht auf "umdiewelt.de" gelesen hat. Auf dem Parkplatz streikt mal wieder meine Handbremse, und der Bus rollt auf einen neuen S-Klasse Mercedes auf. Die Wächter versprechen, sie haben nichts gesehen.
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Endlich die Handbremse nachstellen lassen in erstaunlich sauberer Werkstatt, außerdem Blinker-Relay gewechselt, Magnetschalter repariert und Ölwechsel gemacht, zusammen für 30 Euro. Haben einen ganzen Tag dafür gebraucht. Es gab kein Klo, ein Mechaniker führte mich ums Haus, aber die Tür war verriegelt, also haben wir beide in einem Hinterhof hinter einem Container gepinkelt.
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Sonst saß ich draußen im Schatten und sah den Mädels nach, alle 5 Minuten kamen welche vorbei, alle sehr adrett, meist in SW gekleidet: schwarzes Haar, weiße Bluse, schwarzer Rock, weiße Beine, schwarze Schuhe.
Ich wollte eine Fotoserie machen, ich habe sie gefragt, aber dann liefen sie davon.
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Mit Studenten im Cafe, die Damen sind bewusst nicht emanzipiert, wir Männer müssen die Rechnung zahlen ("Moschne Spot"), aber die Handtaschen mussten wir nicht tragen.
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Konzentrierte Atmosphäre im Büro der GTZ (Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit), Freund Abdu arbeitet dort seit einiger Zeit. Nun will er heiraten, er muss sich darum nicht kümmern, die Damen werden ihm von allen Seiten angeboten, und sie wollen ihn alle, aber er hat sich noch nicht entschieden. Zu seiner Hochzeit soll ich aus Deutschland eingeflogen werden.
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Hier esse ich fast täglich mit den GTZ-Mitarbeitern, das Restaurant heißt: Yoqimli Ishtaxa = Guten Appetit. 1 Golupsi (gefüllte Weinblätter, gefüllte Paprika + 1 Stck. Suppenfleisch) und 1 Flasche Kompott (selbstgemachter Fruchtsaft) für 1,50 Euro.
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9.6.07
Erika und Andre sind heute ohne mich weiter Richtung Tajikistan und Pamir, ich bleibe (mal wieder) etwas reise- und lebensmüde in Tashkent. Am liebsten würde ich zurück fahren, aber ich muss das Auto verkaufen, und das kann ich nur in Bishkek. Vielleicht sehen wir uns dort noch einmal.
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10.6.07
Mit Abdu auf dem Land....
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Sie haben zwei große Häuser, alle Räume mit Holzdecken, und ein Grundstück, auf dem sie Tomaten anbauen. Aber mein mobiles Haus ist ungefähr doppelt so viel wert wie ihr ganzes Anwesen. Das Rohr über dem Weg ist eine Gasleitung.
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Es gab natürlich Plov. Aber von Landleuten gemacht ist es lecker und bekömmlich.
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Danach mit diesen Leuten am Stausse bei Tashkent. Voll das Leben: essen, saufen, quatschen, lachen.... meistens geht es um Mädels und Sex, sagt Abdu.
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Auf diesem Ofen haben sie einen Gemüse-Eintopf zubereitet, dauerte zwar einen halben Tag, schmeckte aber sehr gut.
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Gegen Mitternacht fuhren 3 zurück nach Tashkent und brachten 2 Huren mit. Ich war schon im Bett, als sie mir eine in den Bus schoben. Sie heiße Nargisa (!) und sei die molligere von den beiden. Sie machte sich dann mit eifrigem Ernst (‚Lass uns die Sache mal rasch hinter uns bringen') an die Arbeit. Für mich war's eher amüsant als geil.
Sie schlief dann im Bus auf dem Boden. Im Halbschlaf hörte ich, wie die Schiebetür mehrmals auf- und zuging. Später haben sie mir erzaehlt, die anderen hätten ihr den Slip ausgezogen und versucht, sie zu besteigen, sie sei aber nicht wach geworden.
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11.6.07
Heute sehe ich, mit wem ich in der Nacht Sex hatte. Mein Freund übersetzt, was mir nicht gefallen hatte. Sie sagt, sie wolle mich zum Ausgleich massieren. Sie hockt angezogen neben mir, knetet gelangweilt Rücken und Arme und gähnt dabei. Danach schläft sie auf dem Tabshan und wachte erst zum Mittagessen wieder auf. Ich habe sie genannt: meine fette, faule Hure.
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Das ist Kamila, die Freundin vom Koreaner, sie hat mal als Model gearbeitet. Seine Frau ruft an von zuhause (mit 2 Kindern) und fragt besorgt, ob wir etwa irgendwelche Frauen dabei hätten. Nein nein, sagte er, mach dir keine Sorgen....
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Das ist Anuta, Koljas Freundin. Abdu sagte zu ihr, sie habe schöne Brüste, aber meine Bitte um ein Aktfoto hat er nicht übersetzt. BH heisst: Schlemm = Helme.
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12.6.07
Nasiba (links) ist 22 geworden, der Herr daneben ist Taxiunternehmer. Um Taxiunternehmer zu werden, braucht man nichts weiter als einen Führerschein und ein Auto (er hat einen Daewoo Matiz, kaum größer als ein Trabi). Kein Gewerbe anmelden, keinen Personenbeförderungsschein, kein Taxameter, nichtmal ein Dachschild. Er fährt in 12 Stunden etwa 250 km und verdient etwa 400 Tausend Sum pro Monat (235 Euro). Davon kann er eine Eigentumswohnung kaufen und eine Familie ernähren. Ich sage, ich fahre Mercedes E-Klasse, habe Datenfunk und GPS, fahre in einer Schicht ca. 70 km und kann mir weder eine Eigentumswohnung noch eine Familie leisten, aber eine Reise im Wohnmobil durch Zentral-Asien.
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Bin nun Besitzer eines usbekischen Campingtisches, ein ‚Skladnoj Stolik', eigentlich ein Cafetisch für Kinder, kostete 30 Tausend Sum (18 Euro). Die Beine kann man abziehen und unter dem Tisch einklemmen. Ein Klapptisch wie wir ihn kennen, gibt's nicht in Usbekistan. Um obigen zu finden bin ich 2 ˝ Stunden durch Tashkent gelaufen, bzw. von Dennis in seinem Lada Jigguli von einem Geschäft zum anderen gefahren worden. Vor jedem Start musste er Wasser nachfüllen, Verbrauch vermutlich 1 Liter pro Kilometer. Dennis ist Verkäufer in dem Möbelgeschäft, das ich als erstes aufsuchte. Sein Chef schickte ihn los, für mich einen passenden Tisch zu finden.
Ich sagte ihm, wofür ich den Tisch brauche, und dass ich in einem LKW wohne. Den wollte er sehen. So hatte ich ein Taxi umsonst nach Hause. Wir haben den Tisch vor meinem ‚Haus' mit Fruchtsaft, Bananen und Bruce Hornsby aus dem Walkman eingeweiht. Für den Rückweg habe ich ihm eine Flasche Wasser mitgegeben.
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Das sind die Frauen, die meinen Parkplatz sauber halten, vielen Dank, ihr Lieben!!
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Bushalte in Tashkent: Ob ich ein Foto von ihnen machen darf, frage ich die Mädchen gestenreich, ja, darf ich, ach, sind sie nett, und ach, wär ich doch nochmal zwanzich!
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Die hab ich vom Bus aus geschossen, ach.....
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Für Grün sagen die Usbeken Blau, also: "Die Ampel ist blau", wenn sie grün zeigt, oder: "Wir hatten einen blauen Himmel und darunter eine sehr, sehr blaue Wiese." Auch für grünen Tee sagen sie "Kok Tschai" (Kok = Blau). Viellecht sind Usbeken farbenblind, dachte ich. Aber es gibt ein Wort für Grün: "Yashil", es sagt bloß keiner. Kaum zu glauben, aber Abduwachid muss es ja wissen, er ist Sprachwissenschaftler, weiß aber auch nicht, warum die Usbeken das machen, wahrscheinlich, weil sich yashil nicht so schön anhört oder schwerer auszusprechen ist. "Yashil Tschai" klingt wirklich nicht.
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Sorayo (rechts) hat Geburtstag. Alle auf der Party aus wohlhabenden Familien (außer mir, habe mich um eine ihrer Freundinnen redlich bemüht, aber keine Chance) und alle blau (muss mal fragen, ob sie dazu vielleicht "grün" sagen), zuerst im Restaurant "Karawane"....
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...anschließend in Disco "Katakombe" gefeiert
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20.6.07
Gestern habe ich Abduwachid fahren lassen, er hat erst ein halbes Jahr einen Führerschein. Prompt fährt er bei Rot über eine Ampel, obwohl ich es ihm noch zugerufen habe. Und natürlich steht neben der Ampel ein Polizist. Nach langen Verhandlungen draußen setzt er sich wieder ans Steuer und sagt: "Mein Führerschein ist weg." Und fährt los. Der Polizist hat ihm eine Art Ersatzführerschein gegeben, mit dem er nach Hause fahren darf. Morgen will er den Administrator seiner Firma zur Polzei schicken, der hat gute Beziehungen, der kriegt ihn zurück. Er hätte dem Polizisten auch 10 Tausend Sum (6 Euro) geben können, dann hätte er ihn gleich behalten können. So geht das in Usbekistan.
Heute Morgen Visum für Kirgistan beantragt, und nach 30 Minuten hatte ich es im Pass. Der Konsul hat sich sogar an mich erinnert vom letzten Jahr. Morgen kann ich also rüber ins kühle Bergland, und wenn nichts dazwischen kommt, bin ich morgen auch dort.
Umgeknickter Baum vor der kirgisischen Botschaft, die Kreuzung war nicht mehr passierbar, alle Kabel waren abgerissen...
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