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Bishkek / Kirgistan
9.7.09
Bishkek ist teuer geworden. 8 Euro bezahlt für 2 Mahlzeiten + 2 Bier. Ansonsten ist wie üblich von allem mehr da: Mehr Autos, mehr Lärm, mehr Gestank, mehr Cafes, mehr Angeber mit Sonnenbrillen und großen, deutschen Autos....
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Erster Schlafplatz in Bishkek mit angeschlossener Müllhalde. Ich will nicht, dass sie den Müll da hinschmeißt, aber das macht man hier eben so, sagt sie. Ich bin nicht in Deutschland, man muss sich den Sitten anpassen. Praktisch isses ja.....
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Sitzen im Cafe, überall diese furchtbare asiatische Popmusik, sollen sie mal besser Texte über den Müll, den Gestank und den Frauenklau machen.
Nuria langweilt sich, macht hässliche Fotos von mir. An den Fotos liegt's wohl nicht, so sehe ich also heute aus. Vielleicht ist es das, was mir die Tiere sagen wollen: "Du hast ausgeschissen!" Auf Kirgisisch heißt das: Jogol gosümö gorümbei.
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11.7.09
Zwei Tage lang auf Wohnungssuche und nur hässsliche, düstere Hütten gesehen. In einer Wohnung stand der Gasherd auf dem Balkon, und in dem Zimmer, in dem die Küche sein sollte, stand ein Bett als einziges Möbelstück. So hatte der Besitzer aus einem Einzimmer- ein Zweizimmerappartment gemacht und wollte entsprechend mehr Geld dafür.
In einer anderen Wohnung ließ sich der Wasserhahn nicht zudrehen. Das u.a. sei der Grund, warum Kirgisen etwa 3x so viel Wasser verbrauchen wie Europäer. Ein anderer Wohnungsbesitzer bekam die Wohnungstüre nicht auf, wollte uns dann später nochmal anrufen.
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Gestern für diese entschieden: Sie ist keine Schönheit, auch nicht groß, ich habe sie wegen anderer Qualitäten gewählt:
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Erstens wegen des Ausblicks (9. OG), und zweitens, weil alle Fenster nach Norden gehen, d.h. hier knallt nie die Sonne drauf....
...und drittens haben unsere Vermieter versichert, dass Mücken nicht bis in den 9. Stock fliegen können. Tatsächlich keine gehabt in der Nacht. Sie haben aber auch gesagt, der Aufzug funktioniere immer. Als wir 3 Uhr Nachts nach unserem ersten Disco-Besuch nach Hause kamen, durfte ich zu Fuß in die 9. Etage.
...und viertens ist das Bad für krigisische Verhältnisse in erstaunlich gutem Zustand, alle Armaturen machen genau das, was sie machen sollen. In der Wohnung von Nurias Onkel waren sämtliche Dichtungen undicht, überall floss beim Duschen unkontrolliert Wasser. Ich hatte Angst, jeden Moment wird alles auseinanderfallen, und das Zimmer wird überflutet. Es sprang auch eine rostige Schraube irgendwo ab. Aber es ging nochmal gut. Nach mir die Sintflut.
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Sehe von hier aus zum ersten Mal, wie's auf dem Dach eines Plattenbaublocks aussieht. Erinnert mich irgendwie an Schlachtschiffe.
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12.7.09
Nella hatte Geburtstag, ich lade die Drei zur Disco ein: Taxi hin und zurück: 200 Som, Getränke: 1050 Som, 1250 = 20,83 Euro. Das kann ich mir leisten. Den Securities, die mich am Eingang abtasten, sage ich, alle Drei seien meine Freundinnen.
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Wie üblich sind 90% der Gäste junge Frauen. Die Männer zur Hälfte Ausländer. Da die selten tanzen, bin ich oft allein mit etwa 20 Mädchen auf der Tanzfläche. Eine lehnt sich mit dem Rücken an eine Stange, ihre Freundin schiebt ihr den Oberschenkel zwischen die Beine, streichelr einmal ihre Brust....
Der Moderator sucht 3 Mädchen für ein Spiel. Nuria meldet sich. Sie sollen sich einen Tanzpartner aussuchen und dann um ihn herumtanzend einen Striptease machen. Nuria hat einen Ausländer ausgesucht, der nicht mitgekriegt, worum es geht. Die eine lässt ihre Bluse fallen, Nuria und die andere fangen an, ihre Partner zu entkleiden, was gegen die Spielregel ist und nicht weit voranschreitet. Schade, hätte sie mich genommen, ich hätte sie aus der Hose geholt. Ach nee, sie hat ja gerade die Tage.
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13.7.09
Nuria träumt, ich lebe mit einem anderen Mädchen in dieser Wohnung, und sie selbst ist unsere Haushälterin, putzt und kocht für uns. Hat Freud nicht gesagt, Träume seien infantile Wunschphantasien?
Auf der Suche nach einer anderen Disco mit besserer Musik 500 Som für Taxi verfahren und nichts gefunden. Gegen Mitternacht in einem Schwulen- / Lesbenclub gelandet. 200 Som Eintritt + 300 für Sitzplatz + Getränke, das ist mir zu viel. Nuria schmollt, der Laden war voll, trotz Wochentag, sie hätte so gern mal Schwule und Lesben gesehen. "Die sehen auch nicht anders aus", sage ich, und vermutlich sind die anderen aus dem selben Grund dort und genausowenig schwul wie wir.
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14.7.09
Nuria ruft eine Telefonnummer aus der Zeitung an, woraufhin nach einer halben Stunde ein widerlicher, fetter Typ vor unserer Tür steht und sich als "Security" vorstelllt. Ich will ihn nach Hause schicken, aber dann kommt dieses Mädchen rein....
...und ich lasse sein schreckliches Gehabe und Gelaber geduldig über mich ergehen, lasse mir sogar zum Abschied einen Wangenkuss von ihm gefallen. Ich frage ihn, ob er sie auch wieder abholen will. Nein, sie kriegt Taxigeld. Ich darf Fotos von ihr machen und zeige sie ihr später auf dem Laptop. Sie ist sehr nett, was heißt hier nett, sie ist super!
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16.7.09
Wir fahren derzeit Maschruttka (Mini-Bus) oder Taxi, weil ich mittags von der Polizei beim Falschabbiegen erwischt wurde und keinen Kfz-Schein dabei hatte. Ich durchsuchte den Bus nach irgendeinem Dokument, auf dem wenigstens Kennzeichen und mein Name draufstehen, aber fand nichts. Zwei ziemlich hübsche uniformierte Krigisinnen redeten Russisch auf mich ein. Ich nix verstehen, Nuria zuhause. Ich könnte ja mal eben mit dem Taxi nach Hause und den Schein holen, versuchte ich ihnen zu sagen. Nein, sie machten das Zeichen für Handschellenanlegen. Der Polizist, der bis dahin im Streifenwagen saß, stieg mit einer Polizistin in mein Auto. "Oh Dome", sagten sie. Fahren wir zu mir? Nein, ich wusste, was kommt.
Wir fuhren weit raus auf einen dieser staubigen Hinterhöfe. Mein Auto kam auf den hinterletzten Platz. Das Tor wurde verschlossen, und ich musste sechs Unterschriften machen. Ich bekam keine Kopien. Dann wollten sie mich da allein zurücklassen. Ich wusste nicht, wo ich bin, wie ich an ein Taxi komme und wie ich mein Auto zurück kriege. Nun musste ich doch ein bisschen laut werden. Immerhin schrieben sie mir eine Adresse und eine Telefonnummer auf einen Zettel und nahmen mich im Streifenwagen mit, wo sie mich angehalten hatten.
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17.7.09
Heute also auf dieser Polizeiwache. Die Papiere waren nicht da, weil die Polizistin gestern bis 22 gearbeitet hat und sie nicht mehr dort abgeben konnte. Der Beamte ruft sie an, und sie bringt das Zeug vorbei. Ich darf 520 Som Strafe zahlen und kriege den Zettel, mit dem ich den Bus abholen kann.
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Befreiung aus der Gefangenschaft. Wäre ein Schlafplatz ganz nach meinem Geschmack
Bei der Gelegenheit dort gleich waschen lassen, morgen geht's auf den Autobasar. Handwäsche für 70 Som = 1,16 Euro
Die ganze Aktion hat gekostet: 670 Som Taxigeld, 520 Som Strafe, 65 Som Parkgebühr = 21 Euro. Nicht teuer, trotzdem: Nie wieder mit Auto.... nein, überhaupt nicht mehr reisen, sagte ich ja schon....
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Sie findet sich nicht schön, ich schon, sage es ihr jeden Tag, vielleicht glaubt sie's dann irgendwann. Gestern sagte ein Mann auf der Straße, sie habe einen schönen Arsch. Als sie zuhause war, verdrehte sie sich vorm Spiegel, um ihren Hintern anzuschauen. Der Mann hat recht!
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18.7.09
Lustiger Abend bei uns, die Vier kamen zum Duschen, fahren leider alle morgen weiter:
Danach mit Nuria und Nella bis 4 Uhr in der Disco. Wir wieder die ersten auf der Tanzfläche. Immer, wenn ich an einem Tisch Lachen höre, denke ich, sie lachen über mich. Andererseits finde ich, dass ich viel besser tanze als die meisten anderen Männer. Und alle Mädchen möchten sich bitteschön in mich verlieben. Wenn ich vor dem Urinal stehe und höre in meinem Rücken, wie die Türe aufgeht, fürchte ich, zusammengehauen zu werden: "Lass die Finger von unseren Mädchen, alter Ausländersack!" Nichts passiert.
Zwei Mädchen haben anscheinend das "An-der-Stange-Tanzen" gelernt, und die eine verbiegt ihren schönen Körper direkt vor meiner Nase, schüttelt ihre lange, schwarze Mähne..... Nella scheint sie zu kennen, hoffe, sie wird mir vorgestellt. Aber Nuria mag meine Blicke nicht. Wir brauchen eine Pille gegen Eifersucht.
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22.7.09
9 Uhr geht das Telefon, man möchte mein Auto kaufen, heute Anzeige in der "Avtogit" erschienen. Wir waren bis 5 in der Disco, sie sollen später nochmal anrufen. Eine halbe Stunde später stehen sie vor unserer Türe. Woher haben sie unsere Adresse? Sie sind von der "car-police", die können das anhand der Telefonnummer also rauskriegen. Sie wollen das Auto sofort mitnehmen, für 1500 Dollar. Wir verschieben auf den Nachmittag, erstmal schlafen, und vielleicht bietet einer mehr.
Nachmittag: Sie haben ihn gekauft, sogar Vetrag beim Notar gemacht. Keiner hat mehr geboten: 1500 Dollar sind nicht viel, aber ich bin froh, dass ich überhaupt was gekriegt habe. Die Düdos laufen hier nicht, und die Einfuhrsteuer beträgt 8000 Dollar. Die beiden von der car-police können da wahrscheinlich was tricksen. Oder sie verkaufen ihn weiter.
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23.7.09
Kaufvertrag gemacht zwischen mir und Erkinbei Uuluh Tinchikbek, genannt Tinesch, was sich wie "Tinnef" anhört. Er erzählt, seine Frau sei vor kurzem an Krebs gestorben. Seitdem führt die 13 jährige Tochter den Haushalt. Aber Unterhosen und Strümpfe lässt er nicht von ihr waschen, die kauft er immer neu. Er lädt Nuria zum Biertrinken ein. Und ich dachte, sie hätte als geschiedene Frau hier keine Chancen mehr.
Heute Wahltag in Kirgistan. Nuria wollte gar nicht hingehen, weil sich eh nichts ändern und Bakiew im Amt bleiben wird. Ich hab ihr versprochen, wenn sie wählen geht, will ich im September auch wählen, sofern das von hier aus möglich ist Wir müssen mit der Maschruttka weit rausfahren, in den Bezirk, in dem sie gemeldet ist. Nuria will Bakiew wählen. Im Wahllokal sieht sie, dass es eine weibliche Kandidatin gibt, eine Frau Ometalijeva, und macht für sie das Kreuz. Frauensolidarität.
Im Wahllokal geht es genauso zu wie in einem deutschen Wahllokal. Nuria zeigt ihren Ausweis, man findet sie in der Liste, und sie geht mit dem Wahlzettel hinter einen abgeschirmten Schreibplatz. Eine der Damen spricht mich auf Kirgisisch an. Ich sage, ich sei ein Wahlbeobachter aus Deutschland. Ist ja egal, was ich sage, versteht eh keiner. Da muss ich dann draußen warten.
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Nurias jüngste Schwester Aidai bei uns. Auf meinen Wunsch hin gibt es Blumenkohl. Aidai (was man wie "I die" spricht) weiß nicht, wie man den Blumenkohl hier nennt und hat noch nie einen gegessen, will nichtmal probieren. Nuria nennt ihn "Kohlrabi" und mag ihn auch nicht. Kriegen es dann doch noch raus, er heißt: Switnaje Kapusta.
Gegen Mitternacht im TV: Wahlbeteiligung angeblich 90%. Bakiew ist mit 67% der Stimmen wiedergewählt. Frau Ometalijeva bekommt 1%. Die befürchteten Ausschreitungen belaufen sich auf Schlägereien in Naryn und Bishkek, an denen iinsgesamt etwa 30 Personen beteiligt waren.
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26.7.09
Gestern Nacht 3 Stunden lang starke Bauchschmerzen, dickes, schmerzendes Ei in der Bauchhöhle, in Deutschland hätte ich den Notarzt gerufen. Ich fragte erst gar nicht, ob es sowas hier gibt. Für ein Taxi ins Krankenhaus ging's mir noch nicht schlecht genug. Heute sagt sie, man könne sehr wohl einen Notarzt rufen, wär sogar umsonst, auch für mich. Könnte nur sein, sie sagen, sie hätten kein Geld für Benzin. Dann muss man ihnen 100 Som anbieten (1,60 Euro), dann kommen sie. Und zwar gleich mit dem Krankenwagen. Falls nötig, fahren sie einen damit ins Krankenhaus.
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27.7.09
Leon bei uns in Bishkek, er hat mir vom Pamir ein Foto vom "Peak Friedrich Engels" mitgebracht, weil der Engels ja ein Wuppertaler war. Links ist "Peak Karl Marx", der kleinere rechts daneben ist der Friedrich. Leider sind die beiden gerade ein bisschen wolkenverhangen.
Zur Begrüßung in Bishkek hat die Polizei dem Leon den Führerschein abgenommen, weil er falsch abgebogen war. Über der Fahrspur war das Zeichen für Geradeausfahren, auf der Fahrbahn eine Markierung fürs Abbiegen. Wir rufen Tinesch an, unseren Mann von der car-police. Aber er kann uns auch nicht helfen. Leon muss am nächsten Tag zur Polizeistation, Strafe zahlen, dann kriegt er den Führerschein zurück.
Während er mit den Bullen verhandelte, sah er, wie kirgisische Fahrer das machen: In jedem Führerschein steckte ein Geldschein.
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28.7.09
Heute mit Nuria im Standesamt. Heiraten ist einfach, ich brauche nur den Nachweis der Ledigkeit. Aber den wollte mir das Standesamt in Wuppertal nur im Zusammenhang mit einem Ehefähigkeitszeugnis geben. Also keine kirgisische Hochzeit, wie ich es mir dachte.
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28.7.09
Abschied von Leon. Er holt seinen Freund vom Flughafen ab, sie fahren dann gleich weiter Richtung chinesische Grenze und treffen dort auf Jan und Esther. Bis hierher wollten wir zusammen fahren. Schätzungsweise die Hälfte der Zeit wurden wir getrennt durch seltsame Umstände.
Abends im Arbat-Club, der nach einer Straße in Moskau benannt ist, vielleicht sowas wie die Reeperbahn, denn neben Disco gibt es Striptease. Leider nur Tittenshow. Wir bleiben trotzdem bis 3 Uhr. Die Mädchen räkeln sich auf meinem Schoß, was ich ihnen abgewöhnen will, indem ich keine Geldscheine in ihre Slips stecke. Nuria gefällt die Show. An der Stange tanzen, sagt sie, sei ein harter und - wie alle in Kirgistan - unterbezahlter Job. Also soll ich den Mädels was reinstecken. Sehe fortan meine 100-Som-Scheine an Knackärschen über die Bühne schweben. Erstaunlich, wie gut sie da kleben bleiben. Erlaube mir nun, Titten zu kneten.
Zuhause bricht mir der Schweiß aus, als ich zusammenaddiere, wieviel mich das gekostet hat: Taxi, Eintritt, Slipeinlagen und Getränke. Sicher weniger als auf der Reeperbahn, trotzdem schlechtes Verhältnis von Aufwand und Ertrag.
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30.7.09
Beim Tatsch-Tarasch = Frisör, benannt nach dem Geräusch der Schere. Kostet 50 Som = 0,83 Euro. In Wuppertal 8 Euro. Auf dem Weg dahin die Ersatzbrille in Maschruttka 110 liegen lassen. Bleibt mir nur noch der Bügelabdruck von Auge zum Ohr.
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31.7.09
Beinahe von einem O-Bus überfahren worden. Die Moskowskaija ist Einbahnstraße, Autos kommen nur von rechts. Aber die O-Busse haben eine Spur in Gegenrichtung, das hatte ich vergessen. Ich hörte eine Hupe und konnte rückwärtstänzelnd so gerade eben die Bordsteinkante erreichen. Sah bestimmt cool aus. Wär ziemlich dämlicher Tod gewesen, so unter einem bishkeker O-Bus! Immerhin war's einer von den neuen, für die sie im TV Reklame machen.
Ein Mann mit langen Haaren spricht Nuria an, ich vermute, er will Geld. Richtig. Er habe gesagt, sagt sie nachher, er spiele in einer Bluesband, sie hätten heute keinen Auftritt und deshalb kein Geld für die Maschruttka. Wie? sage ich, Bluesband? Da suchen wir seit Wochen nach einem Club mit anderer Musik, und jetzt erfahre ich, es gibt eine Bluesband in Bishkek? Kirgisen mögen das nicht, sagt sie. Aber ICH mag das! Bluesmusiker seien Bohemiens, die leben in einer anderen Welt, nehmen Drogen, sind so ähnlich wie Bomsch (Penner). Mit denen will sie nichts zu tun haben.
Nach und nach lernen wir uns also kennen. Meine Freundin vertritt Ansichten, von denen ich dachte, sie seien mit meinen Eltern ausgestorben. Ich sage: "Du bist doch selbst ein Bohemien, arbeitest nicht, schläfst bis Mittag und lebst vom Geld eines Ausländers, der dein Großvater sein könnte." Bohemiens machen Musik oder malen Bilder, sie hingegen sei ein Ishdiveniz. Wir schauen ins Wörterbuch, steht nicht drin. Meint sie "Schmarotzer"? Ja, aber positiv, Kinder und Hausfrauen seien z. B. auch Ishdiveniz. Gibt's dafür ein deutsches Wort? "Bedürftige Person"?
Abends in Disco "Promzona" (heißt vermutlich "Gewerbegebiet"), in der Rock und Blues gespielt wird. Die Band "Liquid Cactus" erinnert mich an meine Zeit als Beatmusiker in den 60ern. Erzeugen sogar stilecht Rückkopplungsgeräusche. Ich brauche lange, bis ich merke, die kommen nicht aus den Verstärkern, sondern von den Metallstühlen, die die Gäste über Steinfliesen schieben.
Liquid Cactus spielt "Red House" von Jimi Hendrix, aber mit eigenem Text. Auch auf "Johnny be good" haben sie einen anderen Text gemacht. "Venus" von Shocking Blue erkenne ich zuerst nicht, klingt von Liquid Cactus wie ein Fasching-Schunkel-Lied. "I:n a man" spielen sie mit russischem Text. Aber der Lead-Gitarrist ist recht gut. Gestehe Nuria zähneknirschend, er ist besser als ich damals. Und der Sound ist auch ok. Nuria und ich sind die einzigen, die dadrauf tanzen. Nach der Pause kommt eine Sängerin hinzu, und fortan spielen sie den kindischen russischen Schmuserock, für den alle Mädels auf die Tanzfläche rennen. Wir wechseln in unsere altbewährte Disco.
3 Uhr zuhause, Nuria packt ihre Klamotten, will zu ihrem Onkel umsiedeln - für immer! Ich hatte mich geweigert, meine letzten 120 Som für ein Bier auszugeben. Und da soll ich keine Todessehnsucht kriegen, wenn mich die Freundin für ein verweigertes Bier für immer verlassen will? Diskussion zwecklos, ich gehe ins Bett, sie schläft schmollend in der Küche. War klar, dass sie nicht auszieht. Der Onkel ist kein Bohemien, der lebt in der "richtigen" Welt und betet 5x am Tag.
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1.8.09
Sie sagt "Sorry", gegen 13 Uhr, gerade aus dem Bett gekrochen, die gepackte Tasche noch im Flur, alles wieder gut? Es gibt Spaghetti mit Salat.
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4.8.09
Langer TV-Report zum Thema Sowjetunion und Beatles. Nuria kann leider nur rudimentär übersetzen. Die Ähnlichkeit der Namen Lennon und Lenin. Es gab ein Konzert in Moskau in der Oper vor geladenem Publikum. Die Vier seien in Begleitung von MIGs eingeflogen worden. Alles geheim. 1971 soll zum ersten Mal ein Beatles-Song im russischen Radio zu hören gewesen sein: "Girl".
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Nachts hausen Bomsch bei uns im Treppenhaus und kotzen in den Lift.
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6.8.09
Gestern in Düsseldorf gelandet. Zu viele Probleme mit Nuria, und kürzlich sagte sie, immer nur essen, schlafen, fernsehn, Disco sei ihr zu langweilig. Habe uns also kurzentschlossen voneinander befreit.
Nun sitze ich wie eh und je in meinem wuppertaler Lieblingscafe und staune über Deutschland: Ich kann das Klopapier ins Klo werfen, das Internet wechselt mit rasender Geschwindigkeit die Seiten, ich kann zwischendurch nichtmal einen Schluck Kaffee trinken, und es ist phantastisches Wetter!
Gleich eine neue Brille bei Fielmann bestellt. Wartete auf die Frage, was ich mit der alten gemacht habe, denn dann hätte ich sagen können: "Verloren gegangen im Handgemenge mit iranischen Verbrechern." Aber er hat nicht gefragt, und ich mache nicht, was andere Kunden machen: Ungefragt Geschichten aus meinem Leben erzählen, die keiner hören will.
Bilanz der Reise 2009: Vier statt sechs Monate unterwegs. Mit Leon und Su war gut, ansonsten katastrophal, mag gar nicht dran denken.
Immerhin ist der Nagelpilz wech. Von dem mein Doc sagte, kriegt man nicht weg, habe er selbst auch, werde ihm eine Reise durch ZA empfehlen:
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