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Reisetagebuch 2009 / Iran, Teil 4 16.5.09 Durch die Wüste gefahren, Dasht-e Lut, Lut heißt, glaube ich: "Nichts", tatsächlich keine Vegetation, keine Anhalter und kein Internet. Aber einen toten Mopedfahrer im Straßengraben 15 km vor Ravar gesehen. Ich nehme jedenfalls an, dass er tot war, weil sie eine Decke über ihn gelegt haben. Wir haben nicht angehalten, was sollten wir auch tun? In Ravar kam uns dann der Krankenwagen entgegen.
Da sind wir jetzt, Tabas am Park. Wollte eigentlich die Markise vor der Reise verkaufen, was nur daran scheiterte, dass das Ding so schwer abging. Nun bin ich froh, dass sie noch dran ist, konnten sie oft brauchen. Ich hab den Iran noch nie so heiß erlebt wie jetzt. Bin immer eingeölt in Schweiß, nachts wird's kaum kühler....
Die dritte Dusche seit dem 8.4. und die erste draußen. Den Dusch-Sack hat Leon mitgenommen, sehr praktisch, werde ich fürs nächste Mal auch mitnehmen. Hab schon ganz schön abgenommen.
Der dunkelste Schlafplatz, den ich je hatte. Kein Licht mehr um uns in der Nacht, nur noch Sterne, und in jeder Nacht haben wir mehrere Sternschnuppen gesehen....
Obwohl ich dem Leon versprochen habe, wir werden frei in der Wüste rumlatschende Kamele sehen - bisher noch nicht....
.....dafür einen frei in der Wüste rumjoggenden Leon gesichtet
Hab mal gelesen: Man kauft den Bettlern ein Stück vom Paradies ab, wenn man ihnen was gibt. Ihr habe ich 500 Rial gegeben (4 Cent), wird also nicht sehr groß sein, was ich da erworben habe.....
Die Drei lernen Englisch in Ravar. Weiß gar nicht, warum sie so unscharf geworden sind.....
Wir haben die da vorn nach einem Restaurant gefragt, da haben sie uns gleich hingebracht, aber ohne Blaulicht.... 17.5.09 Nun ist es sicher: Susanne kommt aus Deutschland nach Usbekistan und bringt Sachen für uns mit: Ersatzteil für Leon, für mich neue Kamera und neue EC-Karte, die ein Freund in Wuppertal für mich organisiert. Vielen Dank euch beiden! Susanne kommt dann 20 Tage mit auf Tour durch Usbekistan. Das hatte ich bisher auch noch nicht, dass ich Beusch aus Deutschland kriege. Sie hat das alles super hingekriegt in der kurzen Zeit, sogar eine Nacht per "couchsurfing" in Tashkent organisiert. Von dort muss sie am nächsten Tag allein mit Bus oder Zug 600 km bis Buchara fahren, wo wir uns treffen. Etwas unsicher ist noch, dass sie rechtzeitig das Visum bekommt. Wollen wir man alle zusammen die Daumen drücken, denn Hin- und Rückflug sind bereits gebucht, es gibt kein Zurück mehr.... 18.5.09
In Tabas: Zurken mit Laptop im Rucksack und organischem Abfall im Plastikbeutel, unterwegs zum nächsten "Mistkübel", wie die Ösis zum Abfalleimer sagen. Und hat kaum noch Bauch.....
Im Iran ist Vieles möglich, was man bei uns nicht macht: Mitten im Palmenhain von Tabas übernachten z.B.
In Tabas gibt es ein Restaurant, das "Sab-si" seviert (Teller mit Grünzeug), das kriegt man sonst nur bei privaten Einladungen. Es muss ein Garten vorhanden sein, aus dem sie es frsich ausrupfen. Ich finds total lecker. Leon mag es nicht. In diesem Fall haben wir sogar zum ersten Mal in verschiedenen Restaurants gegessen. Er wollte lieber einen Burger. Überhaupt sind wir in Geschmacksfragen sehr unterschiedlich. Sehr wenig, was wir beide mögen. Wie das mit den Mädels ist, wissen wir noch nicht, wahrscheinlich genauso.....
...aber die Wüste mögen wir beide
Zwischen Tabas und Khor gibt es dieses Stück Salzwüste. Wir haben überlegt, da reinzufahren für die Nacht. Der Boden war hart genug. War uns dann doch etwas unheimlich, auf Salzboden zu schlafen. Vielleicht wäre die salzhaltige Luft sogar gesund gewesen. Vielleicht hätte sie meinem Nagelpilz ein Ende gemacht. Vielleicht hätte das Salz aber auch das Autoblech angegriffen.....
Neben Salz- gibt es ein großes Stück Sandwüste. Da endlich die ersten Kamele gesichtet....
....und auch ein überfahrenes. Wir hätten nicht direkt daneben halten sollen. Als wir wieder in den Autos saßen, hatten wir einen Schwarm Mitfahrer drin: Fliegen von dem Kadaver. So eine Wüste ist halt kein steriler Ort....
Immer freundlich: woher, wohin, how is Iran, plauder, plauder.....
15 km vor Khor wollten wir in ein mit Kiesel bedecktes Stück Wüste reinfahren. Aber der Boden wurde weicher, je weiter wir fuhren. Die Vorderräder vom Benz hatten sich schon eingegraben. Bin rückwärts noch ganz gut rausgekommen. Hier mal Wolken über der Wüste, später in Khor hat es sogar 2 Minuten lang geregnet. Wenn ein Wuppertaler kommt.....
So haben wir dann in Khor das vor kurzem erst eröffnete Kavir-Guesthouse gefunden. Ein Geheimtip also. Der Betreiber spricht ganz gut Englisch. Man kann die Autos auf den Hof fahren und drin schlafen. Sie wussten nicht, was sie uns dafür berechnen sollten. Wir haben selbst einen Preis vorgeschlagen, und sie waren einverstanden. Aber ich glaube, sie waren nicht sehr glücklich damit.
Im Kavir-Guesthouse Yves Butzberger und seine Frau wiedergetroffen. Schon ein seltsamer Zufall, da das Kavir noch in keinem Reiseführer zu finden ist. Leider hatten die beiden bereits die Busfahrt nach Mashad gebucht und mussten in 1 Stunde los. 22.5.09 Sind in Marmasand, etwa 30 km von Teheran entfernt. Hier funktioniert mal wieder fast nichts, kann keine Fotos hochladen, und um eine email zu beantworten, brauche ich eine Viertelstunde. Draussen hängt ein grosses Plakat, neben Persisch steht da: "Wireless". Ich frage viele Leute, was das ist, ein Restaurant oder Internet Cafe? Weiss keiner. Zwei junge Leute führen mich schliesslich zu einem Internet Cafe mit Highspeed. Es geht aber nicht schneller als üblich. Sie schaffen es nichtmal, mein Laptop ans Kabel zu hängen. Heiße ab jetzt "Orgen", weil Jürgen für Iraner unaussprechlich ist. Das Bekanntmachen geht so: Name? "Jürgen" Verstehen sie nicht, können sie nicht ausprechen. Wir einigen uns auf Orgen. Welches Land? "Allman" "Ah", rufen sie begeistert: "Jürgen Klinsmann!" Und sprechen es richtig aus. Mein Versuch, klarzumachen, dass der den selben Vornamen hat wie ich, ist bisher immer gescheitert. Es bleibt dabei: Ich heiße Orgen, und der Name des Fußballers ist wahrscheinlich für sie ein Wort: Jürgenklinsmann. Immerhin erfreulich, dass sie bei Deutschland nicht mehr zuerst an den großen Diktator denken. |