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Reisetagebuch 2009 / Iran, Teil 6




25.5.09

Leon hat kein Visum für Turkmenistan bekommen, und da ist eigentlich kein anderer Weg nach Usbekistan. Glücklicherweise haben wir noch eine Woche im Iran und können was anderes planen. Möglich ist, durch Afghanistan zu fahren, von Herat über Mazar Sharif über die Grenze nach Termez.

Oder wir versuchen es in Mashad noch einmal mit dem Visum für Turkmenistan. Oder Leon fährt mit Ferryboat übers Kaspische Meer nach Kasachstan, falls eins von einem iranischen Hafen verkehrt. Oder er fährt nach Baku und mit der Fähre nach Kasachstan. Die gibt es, das ist sicher. Das andere müssen wir jetzt rausfinden, was davon möglich ist.




Iranische Pizza in Marmasand, sie sprechen das: "Piesa" aus, wie der schiefe Turm.




Die Drei hatten wir eingeladen zum Piesaessen: Leila, Susann und .... Name vergessen. Das Foto hat der Piesabäcker gemacht. Um diesen interessanten Bildausschnitt hinzukriegen, mussten wir lange Zeit lächelnd Modellsitzen.




Danach mit den Dreien im Uni-Park, wo sie Agriculture studieren.



26.5.09


Ich habe abgenommen und der Bus nun auch. Überflüssiges an Sirous verkauft: Markise und Solaranlage. Leider hat er alles einfach abgeschnitten, was ihm im Weg war. Leon hat mir dann geholfen, die Elektrik wieder soweit herzurichten, dass wenigstens die Innenleuchten wieder funktionieren.




Auf Sirous' Terrasse mit Familie vom Nachbarn.....




....und im Auto mit der süßen Tochter, die mir spätrer den lustigen Ventilator, der gar kein Wind macht, geschenkt hat.



Während wir in Mamarsand in einem Internet Cafe saßen, wurde Leons Bus aufgebrochen und seine teure Kamera geklaut. Für die Versicherung mussten wir Anzeige erstatten. Auf der Polizeistation waren wir die einzigen "Kunden". Zuerst dachte ich, dass die Frau, die neben uns saß, etwas Schreckliches erlebt haben musste, so sah sie jedenfalls aus. Vielleicht war ihr Sohn ermordet worden. Später hörte ich, sie gehört zur "privaten" Polizei.

Keiner hatte also was zu tun, hinten im Hof spielten sie Fußball, sie konnten sich 4 Stunden ausgiebig mit unserem Fall beschäftigen. Es wurde ein Übersetzer geholt, den ich zuerst für den Täter hielt. Er sah aus wie ein "Sandler", wie die Ösis zu Pennern sagen. Er war ein uraltes, dünnes Männchen, seine nackten Füße steckten in viel zu großen, schmutzigen Halbschuhen. Er hinkte, weil ein Bein deutlich kürzer war, und eine Schulter schien irgendwie verkrüppelt. Er sprach tatsächlich Englisch und Deutsch, aber beides so wenig, dass er das meiste, was Leon ihm erklärte, sicher nicht verstand. Er sagte stotternd, die Polizisten werden den Täter am nächsten Tag den Täter fassen, und Leon bekomme seine Kamera zurück. Sowas möchte man natürlich allzu gerne glauben, aber wir wussten von Sirous: die Polizei macht gar nichts. Leon musste seine Geschichte mindestens 3 x vortragen, und jedesmal schrieb einer was auf einen Zettel. Für das Protokoll benötigte der Chef am Ende eine Viertelstunde. Mir schien, sie waren alle richtig froh, endlich mal mit einem echten Fall beschäftigt zu werden. Alles andere machen die Leute wahrscheinlich unter sich aus.



27.5.09

Nachdem wir fest entschlossen waren, zusammen die 900 km durch Afghanistan zu fahren, hat sich Leon nun doch anders entschieden. Er ist gerade in Teheran, um Visa für Aserbaidshan und Kassachstan zu besorgen. Das heißt, wir werden uns mal wieder trennen. Er fährt nach Baku und setzt mit der Fähre über nach Aqtau, dem kasachischen Hafen am Kaspischen Meer. Von dort nach Usbekistan, über Nukus und Buchara nach Tashkent.

Ich fahre wie ursprünglich geplant am 1.6. zur turkmenischen Grenze und werde am 4.6. in Buchara sein, um dort Su zu treffen.

Leons Route ist auch interessant. Ich wäre vielleicht mitgefahren, aber auch ich hätte dann nach Teheran für die Visa fahren müssen (sehr lästig), und meinen langen Bus hätten sie für die Überfahrt bestimmt als LKW eingestuft, und das wäre teuer geworden. Außerdem wären wir erst 2 bis 3 Wochen später in Buchara eingetroffen. Es gibt nur 1 Schiff, das von Baku nach Aqtau fährt, und wenn Leon Pech hat, sieht er es gerade aus dem Hafen auslaufen. Ich werde Leon also voraussichtlich erst Mitte Juni in Tashkent wiedersehen.

Ich hätte es anders gemacht. Wir hätten Visa für Afghanistan besorgt, hätten unterwegs zur Grenze in Mashad nochmal versucht, für ihn ein Transit-Visum für Turkmenistan zu bekommen, was meiner Einschätzung nach auch funktioniert hätte. Und wenn nicht, wären wir eben zusammen durch Afghanistan gefahren. Alle Leute hier sagen, diese Strecke von Herat nach Masr Sharif sei sicher. Die Straße sei sogar neu asphaltiert.



29.5.09

Freitag und Feiertag, keine Läden auf, kein Internet, alle Botschaften geschlossen. Sirous ist in Teheran, wir allein in seinem Haus in Mamarsand. Aber wir sind nie allein, ständig kommt neuer Besuch, z.B. Milat und Satcha, 17 und 20 Jahre alt, haben wohl Langeweile. Wenn Sirous zuhause ist, trauen sie sich nicht herzukommen. Sie fragen, ob wir Pornos haben. Ich sage, ich habe sie gelöscht, weil im Iran verboten. Sonst wären sie bestimmt bis in die Nacht geblieben.



31.5.09

Leon hat alle Visa, wir fahren heute Nachmittag los in verschiedene Richtungen. Er Nordwest Richtung Baku, ich nach Osten Richtung Mashad. Ich schätze, wir werden uns frühestens am 20.6. in Tashkent wiedersehen, sofern nichts dazwischen kommt, wie z.B. eine geschlossene Grenze oder Ähnliches....



3.6.09

Die Ausreise aus dem Iran iat schwieriger als die Einreise, ohne Helfer nicht zu schaffen. Mit denen habe ich aber üble Erfahrungen. Die Zöllner sind nett und wollen helfen, aber jeder kennt nur seinen eigenen Bereich, keiner weiß, was ich als nächstes machen muss. Für einen muss ich ein Formular ausfüllen., das ich draußen in einer Bude holen und dann kopieren muss. Das Original darf nicht beschrieben werden. Natürlich alles in persischer Schrift, und der Mann in der Kopierbude quält sich, mir zu erklären, wonach da gefragt wird. Die ganze Zeit schleicht einer der Helfer um mich herum, jerdezit bereit, eine Schwäche meinerseits zu nutzen und meinen Papierkram an sich zu reißen. Ich halte ihn wie einen Hund mit "Borro, borro!" (Hau ab!) auf Distanz. Das Unangenehme an ihnen ist, dass sie erst so tun, als gehören sie zum Personal und wollen mir unentgeldlich helfen. Wenn alles erledigt ist, verlangen sie plötzlich 20 Dollar oder mehr. Ein Beamter versteht Englisch, und ich sage (auf den Helfer zeigend): "I hate them", und er übersetzte es, was den Helfer aber nicht davon abhält, weiterhin um mich herumzuschleichen. Letztendlich dauert alles ein bisschen länger, aber ich schaffe es allein.

Während ich in der Halle darauf warte, dass mein Carmet abgestempelt wird, sehe ich ein Schwalbennest unter der Decke. Sie fliegen aus und ein und fütterten ihre Jungen. Die Halle hat aber eine Automatik-Türe, und ich dachte zuerst, sie warten, bis einer dadurch geht. Aber sie machen es selbst. Sie fliegen an dem Bewegungsmelder vorbei, drehen eine Runde, und huschen dann durch die inzwischen offene Türe raus und rein. Erstaunliche Leistung für ein Spatzenhirn!



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