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Reisetagebuch 2009 / Pamir, Tajikistan




29.6.09


Sary-Tash: Abfahrt vom Jurten-Camp




Alles vollgetankt. Man sagt, es gibt erst im ca. 700 km entfernten Khorog eine Tankstelle. Einer von Leons Kanistern ist inkontinent, die ganze Seite vollgeschlabbert, riecht nicht gut






Zwischen der kirgisischen und der tajikischen Grenze liegen 20 km Niemandsland und 1000 Meter Höhenunterschied. In 4000 Metern Höhe Schneetreiben und Waschbrettpiste. Ich hab die Schnauze endgültig voll und beschließe, am nächsten Morgen zurückzufahren. Nuria ist einverstanden. "I don't need Pamir", sagt sie.




Bleiben für die Nacht an einer Siedlung am Karakol stehen. Sie leben hier wirklich wie in der Steinzeit, sieht jedenfalls so aus, und sie haben salziges Wasser. Leon geht rein, mit ihnen Tee trinken, ich bin totmüde. Selbst in Winterklamotten ist es zu kalt, draußen zu sitzen. In der Nacht schneit es wieder.



30.6.09


Gegen 9 Uhr können wir draußen in der Sonne sitzen. 3 deutsche Radler kommen uns besuchen. Nuria kann nicht verstehen, warum die sich das freiwillig antun, und dann noch auf Fahrrädern!

Es sei alles kein Problem mit der Höhe und der dünnen Luft, habe ich immer gehört und gelesen. Ich bin zwar nicht höhenkrank, aber so einfach ist es nicht für mich. Ich habe ein weiches Hirn und weiche Knie, fühlt sich an, als hätte ich eine Droge genommen. Fühle mich schwach und elend. Nach einmal Bücken oder ein paar Schritten kriege ich Atemnot. Habe Schüttelfrost und muss dauernd pinkeln.




Also die ganze Quälerei wieder zurück, Leon fährt wie geplant weiter Richtung Khorog




Tajikische Grenze: 100 Dollar für Ein- und Ausreise gezahlt.....




Nuria mit Dasha, dem Drogenhund an der tajikischen Grenze. Sitzen da lange und quatschen mit den Männern. Wird man mit Drogen erwischt, kriegt man in Tajikistan 16 Jahre Haft, bei Wiederholung lebenslang. Das würde bei mir keinen Unterschied mehr machen, sage ich. Der eine will mein Auto für 5000 Dollar kaufen. Vielleicht meint er es ja ernst, denke ich, vielleicht hat er den Drogenhändlern die Kohle abgenommen. Ich würde ihm das Auto gern samt Inhalt dalassen, und wir fahren gemütlich in einem Taxi runter. Aber es war nur ein Scherz.




Aus denen hat man früher Mützen gemacht, wenn ich nicht irre....




Yak, lebend......




....Yak. tot



1.7.09

Zurück im Jurten-Camp in Sary Tash sagt der Betreiber, dass sich Bergsteiger manchmal eine Woche lang hier im Camp auf 3000 Metern akklimatisieren. Drei Tage solle man mindestens warten, bevor man auf 4000 hochfährt. Hätte er uns mal besser vorher gesagt, wir waren der Meinung, eine Nacht reicht aus.

Auf dem Weg runter nach Osh höre ich hinten rechts ein drehzahlabhängiges Klopfgeräusch. Halte an und lege mich unters Auto. Nichts zu sehen. Zwei LKW-Fahrer wollen helfen. Sie meinen, es liegt an der Federaufhängung. Bis ins 120 km entfernte Osh könnten wir damit nicht fahren, das ganze Rad würde abreißen. Wir sollen bis 19 Uhr warten, dann wollen sie das reparieren. Oder sie wollen uns mit ihrem LKW nach Osh bringen, dort Ersatzteil kaufen und dann zurück für die Reparatur. Manchmal ist es besser, nicht alles zu verstehen, was die Leute einem sagen, für so einen Quatsch braucht man keinen Übersetzer.

Eigentlich wusste ich, woher das Geräusch kam, aber es fiel mir nicht ein. Auf dem Pamir ist ein Rad hinten rechts gewechselt worden, und danach muss man halt die Radmuttern nochmal nachziehen. Alle Muttern waren lose.



2.7.09


In Osh in der "Gigante"-Werkstatt. So nennen sie hier den großen Mercedes-Kastenwagen, der kleine ist die "Maschruttka". Wasserpumpe kriegt neue Dichtung, der Kühler wird nochmal geflickt, und sie ziehen den Ersatzreifen auf die Felge des kaputten Reifens. (Bin die 270 km vom Pamir runter nach Osh ohne Reserverad gefahren.) Hat umgerechnet 30 Euro gekostet.




Fahren abends raus aus Osh und finden noch ein nettes Plätzchen neben einem Cafe. Leider wussten wir nicht, dass die Kamaz-Fahrer am liebsten nachts unterwegs sind, und unterhalb unseres Platzes heulen sie die ganze Nacht im Schritt-Tempo die Steigung hinauf.



3.7.09

Unterwegs zum 550 km entfernten Talas, wo Nurias Familie lebt. Ich bin immer noch "pamirkrank". Wir fahren gerade um den malerisch gelegenen Toktokul-See herum, und ich denke: Kein schlechter Moment zu sterben. Nur schade, dass ich danach keinen Blogeintrag machen kann, um diese letzte Etappe der Reise zu beschreiben. Auch würde mich interessieren, was Nuria macht, wenn ich plötzlich tot überm Lenkrad hänge. Ob es hier eine Notrufnummer gibt? Ich frage sie. Sie sagt, sie würde mein Geld einstecken und mit dem Taxi nach Hause fahren. Kirgisen sind halt nüchtern denkende Menschen.




Einmal gewöhnt an 20 kmh über steinige Bergpisten, fühlen sich 70 kmh auf glatter Straße an wie fliegen. Trotzdem schaffen wir es nicht an einem Tag, bleiben auf einem schönen Hinterhof in Toktokul. Es ist kalt, wir haben Gewitter und Regen.



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