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Reise 2011
Aserbaidshan
28.5.11
Grenze Azerbaidschan: Abwicklung ging reibungslos, wenn auch etwas zeitaufwändig, mussten uns hinten an eine lange Schlange von Autohändlern anstellen. Aber Zeit haben wir reichlich. Haben pro Person und Fahrzeug 20 USD für Roadtax und Versicherung bezahlt, mit Quittung. Schien uns korrekt zu sein.
Azerbaidschanischer Frisör-Salon. Erster Eindruck: Alles ist anders, und doch bekannt....
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....kommt mir hier irgendwie türkisch vor.
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Azerbaidschaner sind hübscher als Georgier. Aber anscheinend nicht so freundlich. Wir sind verwöhnt von der Herzlichkeit der Georgier, daher überrascht, als ein Idiot von Soldat Christine an die Wäsche will. Seine Wiese sollte eigentlich unser erster Schlafplatz im Land werden. War dann zu spät, noch einen ähnlichen zu finden. Sind an einer Tankstelle mit Lärm und Gestank geblieben.
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Aber gibt doch nette Leute. Nur mal kurz zum Frühstück angehalten, und schon kam die ganze Familie raus, und sie haben Chrsitine Blumen geschenkt.
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Baku: Einst Geheimwort meines Sparbuches, und nun nur noch 405 km entfernt. Dazu meine Musik auf den Ohren, und ich bin absolut glücklich, besser kanns einem nicht gehen, und der Straßenbelag sorgt für automatisches Head-Banging.
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29.5.11
In Shäki fahre ich zu dicht an einen Bordstein und zerdeppere die Radkappe. Mist!
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Christine lässt von diesem jungen Mann eine Halterung für den High Lift basteln. Ein Stück die Straße runter entdecke ich einen schönen Fabrikhof. Da es bald dunkel wird, ist Christine einverstanden, und wir bleiben dort für die Nacht.
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Es sieht für mich nur so aus wie ein Fabrikhof, es ist aber ein Schulhof. Der Wächter wird gerufen, um zu entscheiden, ob wir bleiben dürfen oder nicht. Er kommt mit Frau und Sohn, der etwas Englisch spricht. Wahrscheinlich kann er es nun zum ersten Mal stolz anwenden. Die Frau sagt irgendwas von "Deutschland, Au-Pair und Auto". Uns fällt kein Zusammenhang ein. Wir nehmen an, sie war als Au-Pair-Mädchen in Deutschland. Nein, Au-Pair sei eine Automarke. Kopfkratz! Dann fällts mir ein: Sie meint "Opel"! Und fährt ihn dann stolz auf den Hof, ein Opel Astra Kombi.
Wir dürfen bleiben, sollen aber nach Mitternacht unsere Autos nicht mehr verlassen, die Hunde seien dann los. Sehen aber nichts von ihnen, die haben wahrscheinlich Angst vor uns. Außerdem sollen wir morgens um 7 Uhr losfahren, weil dann die Kinder kommen. Ich vermute, unsere Anwesenheit würde denen gut gefallen.
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30.5.11
Ein Mitsubishi überholt uns, und der Fahrer hält uns an. Wir werden von diesen beiden ins Ismayili Restaurant zum Essen eingeladen. Er arbeitet "at the court", und ich höre das Wort "Vilayat", was wie "Liar" klingt. Ich nehme an, sie meint, er ist "Lawyer" und hat es falsch ausgesprochen. Ich berichtige sie und sage, Liar und Lawyer seien ja manchmal das selbe. Haha... Erst als er mir später seinen Namen in mein Tagebuch schreibt, erkenne ich meinen Irrtum. Er heißt Vilayat, und sie heißt Maral und ist Englischlehrerin. Beide sind super nett.
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Ismayili Restaurant. Wir sollen bei Vilayat und Maral schlafen, aber wir wollen lieber raus auf eine Wiese. Finden diesmal aber keinen passenden Platz und fahren zurück ins Restaurant und schlafen auf dem Parkplatz.
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Ansonsten sind Azerbaidschaner oft lästig distanzlos. Der oben zum Beispiel. Sie klettern einfach in meinen Sani, ohne mich zu fragen. Setzen sich im Cafe unaufgefordert zu uns an den Tisch und labern uns voll, obwohl wir nichts verstehen. Oder im Internet Cafe stehen sie hinter mir und schauen zu, was ich da mache. Das war in Georgien ganz anders. Auch die Schlafplatzsuche war in Georgien einfacher. Obs an der Religion liegt? Georgier sind Christen, Azerbaidschaner Moslems.
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31.5.11
Schlafplatz auf einem grünen Hügel mit Weitsicht...
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...links von uns das Anwesen des Präsidenten, rechts die Sternwarte
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...kaum angekommen, kriegen wir Besuch von Agit und Qoshgar im roten Lada Jigguli. Wie üblich fragen sie nicht lange, ob uns ihre Anwesenheit recht ist oder nicht, sondern befeuern geich ihren Samowar. Erst war mir mulmig, aber sie waren dann doch echt nett...
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1.6.11
Habe was von Christine gelernt: Sehenswürdigkeiten sind gar nicht so schlecht wie ich immer dachte. Aber es sind nicht die Kirchen oder die Millionen Jahre alten Felsmalereien (sowas schaue ich mir nicht an), sondern die Leute, denen man dort begegnet. Zum Beispiel diese Schulklasse vorm Eingang der Sternwarte, die dann geschlossen war. Aber wegen der Mädels, von denen einige etwas Englisch sprachen, wars trotzdem nett.
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Schauen uns dann mal bisschen auf Nebenstraßen um.....
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Manchmal dient uns eine Sehenswürdigkeit gleich als Schlafplatz, wie hier der Krater eines Schlamm-Vulkans. Hinter uns blubbert und faucht es die ganze Nacht lang.
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Da oben haben wir diese deutschen Männer getroffen, die in der Nähe eine Fabrik aufbauen. Sie laden uns zur Werksbesichtigung ein. Sie geben uns den Tipp, den Shirvan-Nationalpark zu besuchen.
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2.6.11
Christine und ich im Standesamt, wir haben heimlich geheiratet. Nein, Quatsch, das ist im Eingang zum Shirvan-Nationalpark: Wir tragen und ins Gästebuch ein, und wir dürfen reinfahren.
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Der Shirvan-Nationalpark ist wunderbar. Riesiges ebenes Gelände, es gibt Gazellen, jede Menge Vögel, Wölfe, Wildkatzen und Schlangen. Gazellen und Vögel haben wir auch gesehen, die anderen nicht. Und wir dürfen mit den Autos reinfahren, 35 km bis zum Strand über Pisten, und stehen da ganz allein für die Nacht. Die Vorstellung, der nächste Mensch ist 35 km entfernt, ist umwerfend. Ich glaube, das habe ich noch nie erlebt. Obwohl Christine später auf dem Berg mit dem Fernglas doch 2 Fischer gesichtet hat. Naja...
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Sie hüpft ins Kaspische Meer. Ich habe ihr gesagt, ich werde sie NICHT retten!
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Ich verstoße gegen die heilige Regel der Wild-Camper: "Verlasse den Platz genau so, wie du ihn vorgefunden hast!" Ich sammel Müll und bringe ihn raus aus dem Park, als Dank für den wunderbaren, menschenfreien Tag am Meer.
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3.6.11
Wir fahren nach Baku rein, um mal zu schauen, wie das mit der Fähre funktioniert. Interessante Stadt, aber stressig, geraten in fürchterliche Megastaus, man fährt Stoßstange an Stoßstange. Ich fahre mit dem Heck einen Mercedes an, langes Verhandeln, er will die Polizei holen, na gut, soll er die Polizei holen, ich vermute, die kommt sowieso nicht. Dann gibt er nach, wir einigen wir uns auf 50 Euro, womit er sicher gut zufrieden sein kann. Seine Landsleute wären wahrscheinlich abgehauen.
Eigentlich sollte uns ein Couchsurfing-Kontakt in Baku helfen, aber ich habe ihm zu spät geschrieben. Stattdessen treffen wir im Hafen zufällig auf Togrul (rechts im Bild), ein Autohändler. Er erzählt, er habe unzählige Autos aus Deutschland geholt, u.a. ein Wohnmobil aus Wolfhagen, meinem Geburtsort. In Wuppertal war er auch schon mal.
Togrul findet raus, dass wir für die Überfahrt nach Turkmenistan 80 USD pro Meter für unsere Autos zahlen müssen, plus 100 pro Person. Die Preise haben sich innerhalb eines Monats verdoppelt. Mist! Danach lädt er uns zum Essen ein, und seine Freunde kommen auch.
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4.6.11
In der Nacht führt Togrul uns in seinem Opel Astra raus aus Baku zum Standplatz von Romi und Mira aus der Schweiz, die mit Christine später durch China fahren werden. Nach dem stressigen Tag in Baku, werden wir heute am Meer abhängen....
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5.6.11
Das ist das Ticket-Büro im Hafen von Baku für die Fähre nach Turkmenistan. Der Ticket-Verkäufer wollte uns um rund 200 Dollar bescheißen. Zuerst versuchte er es mit einem höheren Meterpreis für die Autos. Wir wussten aber von Togrul, Christines Landrover plus 1 Person sollen 490 Dollar kosten. Auf der Quittung stand dann 347 - der Preis in Manat. Das sind umgrechnet aber nur 440 Dollar. Guter Trick, ich hätte mir nicht die Mühe gemacht, das umzurechnen, zumal ich den Kurs gar nicht kannte. Gut, dass ich Christine dabei habe. Und obwohl wir den Trick nun durchschaut haben, versucht der Typ es mit mir auch nochmal.
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Das ist kein Bergbaustollen, sondern der Bauch unserer Fähre. Zwei Züge, paar türkische LKW und unsere beiden Autos sind an Bord. (mein Sani steht links neben den Waggons, verdeckt von den Männern). Es stinkt fürchterlich, wahrscheinlich schlimmer als unter der Erde in einem Stollen. Der Gestank ist später auch nach einem Tag Fahrt mit offenen Fenster noch im Auto.
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Von innen kann man nicht auf Deck gehen (oder sie lassen uns nicht), wir müssen außen rum über diese Treppe entern. Das Schiff heißt: "Akademik H. Aliyev", das Schwesterschiff nebenan heißt "Professor Gül". Klingt nach Comicfiguren.
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Oben siehts genauso gruselig aus wie unten. Dann werden wir also vermutlich in dieser Nacht im Kaspischen Meer versinken. Ich bin ja alt genug dafür....
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Die Brücke sieht eigentlich gar nicht übel aus
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Wir legen ab. Mit schwarzem Qualm, Schrittgeschwindigkeit und Schräglage. Wir fragen den Kapitän, warum das Schiff Schlagseite hat. Er sagt irgendwas von Wasser, das sie ablassen, dann werde das Schiff gerade liegen. Natürlich alles Quatsch.
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Zwei LKW-Fahrer tanzen für uns. Und ein junger Turkmene möchte Christine beim Duschen helfen. Die jungen Aserbaidshaner sind alle "full of elektricity", wie der Wärter vom Shirvan-Park sagte. Das Schiff hat dafür weniger, nirgendwo Strom fürs Laptop.
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