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Reise 2011
Russland, Ukraine, Polen
5.9.11
Grenze: Ein kasachischer Zöllner will ein Geschenk, z.B. einen 10 Euroschein. Haha... Der andere klaut im Auto meine Taschenlampe. Ich reiße sie ihm aus der Hand, sonst wäre sie wohl weg gewesen. Aber die Russen sind korrekt und freundlich und fast alle schwul. Es geht ünberaschend schnell, in weniger als 2 Stunden sind wir in Russland.
Russland ist, wie ich mir dachte, langweilig. Flach, kalt, regnerisch und immer geradeaus.
Auto macht seltsames Geräusch, es dröhnt irgendwo oben über dem Fahrerhaus. Andreas meint, es sind die Bänder, die den Reifen auf dem Dach halten. Ich habe den Schmutzfänger in Verdacht, der nur noch an einer Schraube hängt.
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Weiterhin Regen, können nicht raus auf Feldwege. Rechts auf einem Hügel liegt ein Dorf. Andreas schlägt vor, dort rein zu fahren und an der Kirche zu übernachten. Ich bin skeptisch, aber fahre rein. Andreas holt den Pfarrer raus, der uns einen Platz hinter seinem Haus überlässt. Dachte, er würde uns zum Abendessen einladen, endlich mal interessante Gäste, aber wir sehen nichts mehr von ihm.
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6.9.11
Hole als erstes den Reifen vom Dach, den Schmutzfänger haben wir inzwischen verloren. Tatsächlich ist dann das Dröhnen weg.
Dank Andreas' Ausdauer am Steuer kommen wir gut voran. Sind in 9 Tagen 3200 km gefahren und jetzt bereits 395 km vor Voronesh, also ungefähr auf der Hälfte der Tour. Bisschen erschwerend ist die russische Schrift, die ich immer noch nicht lesen kann. Karte auch nur russische Schrift.
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Jetzt in einem Ort, der auf "...schow" endet. Sitze in einem Kaufhaus in der 3. Etage. Dort sollte ein Cafe mit WiFi sein. Es gibt Cafestühle, aber Getränke nur aus dem Automaten. Internet wird mir per Kabel zugeschaltet, anscheinend umsonst, Service vom Kaufhaus. Und es ist rasend schnell! Vielen Dank!
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Fahren spät noch nach Voronesh rein und überqueren die Wolga. Große Stadt ohne Profil und ohne Umgehung, wir müssen mitten durch. Immerhin beschildert, wenn auch nicht an jeder Kreuzung, aber dichter Verkehr mit Staus und dicker Luft.
Als wir durch sind, wird's dunkel. Wir bleiben auf einer Raststätte, soll jedenfalls eine sein. Alles ist in einem maroden Zustand, auch der Parkwächter und seine drei halb verhungerten, verlausten Köter. Es wird der schlechteste Schlafplatz bisher: Laut, schmutzig, und ich muss auch noch Gebühr dafür zahlen. Hab nichtmal ein Foto davon gemacht.
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7.9.11
Russische Grenze: Unfreundliche Beamte, durchsuchen merhmals das Auto, keine Hilfe beim Ausfüllen der Deklarazia. Ukrainische Seite dauert noch länger. Deklarazia nur in ukrainischer Sprache. Sie hocken in ihrem Container in Camouflage und gucken mich verächtlich an: Wenn sie an einer deutschen Grenze stehen, wäre die Deklarazia ja auch in Deutsch, sagen sie. Soll ich etwa mal eben Ukrainisch lernen? Zum Glück kann mir Eugen aus Nürnberg helfen. Er ist in Kirgistan geboren, spricht Russisch und kann das Urkainische entziffern. Er sagt, das Ukrainische sei für die Russen ein ulkiger Dialekt, ähnlich wie das Bayrische für Deutsche.
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Erster Eindruck von der Ukraine ist abstoßend: Sie fackeln die Felder ab, das ganze Land scheint zugenebelt von grauem, stinkendem Rauch. Häuser und Menschen ebenso grau und trist. Diesel kostet 90 Cent.
Wir finden einen TIR-Platz mit freundlichem Besitzer. Der Platz voller Schrott und Dreck, also durchaus nach meinem Geschmack. Wir zahlen 30 Griwni = 2,72 € für die Nacht und füllen morgens den Wassertank.
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8.9.11
Die E 101 Richtung Kiew ist in hervorragendem Zustand und geht immer geradeaus. Beinahe jede Kreuzung ist mit Polizei besetzt, aber sie halten uns nicht an.
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Auch mal wieder so einen gefunden...
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Wir beschließen, nach Internet Cafe zu schauen. In einem Außenbezirk von Kiew gibt's McDonald. Da hätten wir beides: WLan und was zu essen. Aber Andreas ist wieder mörkelig, kommt mir jedenfalls so vor. Immer, wenn ich ihn darauf anspreche, sagte er, es sei alles in Ordnung, er sei nur nachdenklich. Ich sage, ich hätte richtig Angst vor ihm, irgendwann wird sich das aufstauen, und er wird mir eine runter hauen. Er sagt wieder, es sei nichts, geht zum Auto, holt seine Tasche raus und verschwindet in einem U-Bahn-Schacht. Er musste nichtmal packen, hatte den Abgang anscheinend geplant. Witzug ist: Er kam vom Himmel und verschwand in der Erde....
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9.9.11
Ohne Andreas als erstes das zweite Bett ausgebaut und alles auf Einmannfahrbetrieb umgestellt. Das Angenehme in diesen Ländern ist, dass ich das Holzgestell gleich hier auf der Raststätte in die Mülltonne stopfen kann.
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Das Teil wird wohl was aus der Sowjetzeit sein....
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Die Ukrainer genießen den Wohlstand, sie sind pummelig bis fett und verstopfen mit ihren Autos die Städte. Schöne Frauen? Noch keine gesichtet, aber irgendwo gibt's bestimmt welche. In der Raststätte lässt sich der dicke Typ vor mir endlos Zeit für die Auswahl seiner Speisen. Bei mir ist die Bedienung genervt, weil ich nun mal ihre komische Sprache weder sprechen noch lesen kann. In die Ukraine fahre ich jedenfalls nicht noch mal.
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10.9.11
In Krakow / Polen. Die Grenze war furchtbar, die Ukrainer schickten mich zuerst zu den LKW, wo ich aber nicht hin gehöre, dann von einer Bude in die andere und zurück. Die Polen sind besser organisiert: Zoll und Polizei in einem gemeinsamen Container, und die beiden Frauen arbeiten Hand in Hand. Trotzdem lange in einer der vier Schlangen gestanden. Hat über 5 Stunden gedauert. Nach einer grünen Versicherungskarte haben sie mich nicht gefragt. Sie wollten nur wissen, wie viel Liter Diesel im Tank sind. Ich sagte 35, die 40 Liter in den Kanistern hatte ich in dem Moment ganz vergessen....
Heute Abend werde ich wohl in Görlitz ankommen, oder ich verbummel noch einen Tag auf polnischen Raststätten, weil die alle WiFi haben, und weil gerade schönes Sommerwetter in Polen herrscht...
Auf der A4: Eine Mercedes Limousine mit Krefelder Kennzeichen überholt, setzt die Warnblinker in Gang und fährt auf den Seitenstreifen. Ich denke, vielleicht ein Bekannter? Ein Zurkenreise11leser? Und halte hinter ihm. Kommt tatsächlich einer raus und auf mich zu. Kann aber kein Blogleser sein, die sehen anders aus. Er macht die Beifahrertüre auf und jammert was von Benzin, das er nicht hat. Ich fahre Diesel, sage ich. Nein, er will Geld für Benzin, 20 Euro und legt eine goldene Kette auf den Beifahrersitz. Alle seine armen Kinder habe er im Auto usw. Er ist wahrscheinlich ein Synthi oder Roma, mir stehen die Haare zu Berge, wie kann ich nur so blöd sein und mitten auf der AB anhalten? Ich schreie, er soll seinen Krempel nehmen und abhauen und lasse mal kurz die Kupplung kommen. Macht er dann auch - puh, noch mal gut gegangen. Paar Kilometer weiter steht er mit einem polnischen Wagen auf dem Seitenstreifen.
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Nachts Vollmond und am Tag Sommerwetter. Polnische Raststätten sind super, nicht so voll wie unsere und deutlich preiswerter. Ein Gericht + Getränk + offenes WLan für 5 €. Ich dusche für 1,20 € - die zweite nach der Abreise aus Bishkek vor 16 Tagen.
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12.9.11
Mit denen bin ich seit April unterwegs, jetzt 20.634 Kilometer. Man hat mir prophezeit, ich käme mit abgelaufenen Saisonkennzeichen nicht über die EU-Außengrenze, wahrscheinlich würden die Polen mein Fahrzeug beschlagnahmen. Für TÜV-Plakette und Versicherung haben die sich aber nicht interessiert. Von Polen nach Deutschland keine Kontrolle.
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Heute Morgen also nach Görlitz rein und an der ersten Tankstelle nach der Zulassungsstelle gefragt. Darauf gefasst, durch die ganze Stadt fahren, mich eventuell von einem Taxi hinführen lassen zu müssen, zeigt die Dame über meinen Kopf hinweg und sagt: "Da drüben das blaue Gebäude." Ich bin fassungslos, so viel Glück, und das an einem Montag! Es ist wieder wie auf der ganzen Reise: ich bin zur rechten Zeit am richtigen Ort.
Der Pförtner sagt, es geht erst 8:30 los, ich bin eine Stunde zu früh. Trotzdem schließt er extra für mich den Parkplatz auf, wo ich Zeit habe für das Frühstück.
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Nun bin ich ein Görlitzer und habe 5 Tage Zeit für die Heimreise.
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Um Mitternacht in Wuppertal. Stehe auf meinem Hügel am Stadtrand mit einem anderen Wohnmobil. Es ist stürmisch, werde im Bett hin und her geschaukelt und oben rauscht der Wind durch die Dachluke. Ich mag gar nicht einschlafen, so schön ist das!
Bin heute 676 km an einem Tag gefahren, so weit ist es von der polnischen Grenze bis Wuppertal. Und bin nie schneller als 70-80 kmh gefahren. Sehr zum Unglück der LKW-Fahrer. War manchmal erschrocken, wenn da ein PKW mit 200 oder mehr an mir vorbeihuschte. Aber wie man sieht, komme ich auch an.
Von Bishkek nach Wuppertal sinds 6555 km, 1000 weinger als vermutet. Es ist sicher die kürzeste, schnellste und billigste Route. Gut zum Durchfahren, spannend ist es aber nur in Kasachstan. Google führt einen über Türkei und Iran mit über 8000 km.
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