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Reise 2011
Turkmenistan
6.6.11
Turkmenbashi Hafen (benannt nach dem verstorbenen Präsidenten: "Herr der Turkmenen"). Die Fähre ist nicht untergegangen, ich habe sogar sehr gut geschlafen, meine himmlischen Freunde haben mal wieder gut auf mich aufgepasst.
Die Einreise ist wie gewohnt langwierig und teuer. Wir zahlen z.B. 10 Dollar für die Benutzung der Rampe, auf der wir vom Schiff runtergefahren sind. Kassiert wird natürlich erst, als wir schon an Land sind, wir hatten ja auch keine Alternative. Turkmenistan ist nach wie vor Absurdistan.
Ein Beamter ruft unsere Führerin Anna an, und sie ist tatsächlich wie vereinbart in Turkemnbashi und hilft uns bei den Formalitäten. Sie hatte zwar die Information, wir kommen erst morgen, aber alles geht nochmal gut, und wir checken ein im Hotel Turkmenbashi (die süße Dame am Bankschalter im Hafen heißt nicht "Turkmenbashi", sondern Shirin, sonst heißt hier scheinbar alles so)
Blick aus unserem Hotelfenster aufs Kaspische Meer. Das konnte der verstorbene Präsident leider auch nicht in Turkmenbashi umnennen. Es ist erstaunlich kühl, der Himmel am Morgen sogar bewölkt, und ein paar Tropfen fallen vom Himmel. Ganz ungewöhnlich für dieses Land und diese Jahreszeit.
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7.6.11
Anna spricht gut Deutsch, mit ihr kommen wir gut klar, die Agentur ist auch ok. Ich werde aber nie wieder nach Turkmenistan reisen. Ich habe von den albernen bürokratischen Schikanen endgültig die Schnauze voll.
Ich hatte es ja gewusst, bin ja nicht zum ersten Mal hier, daher hatte ich eigentlich vor, von Baku aus nicht nach Turkmenistan, sondern nach Aktau in Kasachstan überzusetzen. Es gab aber dann Gründe, doch wieder durch dieses Land zu reisen. Und nun sitze ich seit 24 Stunden in Balkanabat fest, weil der Stempel für unsere Registrierung gerade nach Turkmenbashi ausgeliehen worden ist. Einen zweiten gibt es nicht. Ich müsse 15 Minuten warten, höre ich. Nach 1 Stunde sagen sie, es dauert noch 4 Stunden. So wird das vermutlich weitergehen, bis mein Visum für Turkmenistan abgelaufen ist.
250 Dollar habe ich an der Grenze zahlen müssen, um dieses beknackte Land betreten zu dürfen. Nie wieder! Hier vor dem Hotel treffe ich einen Deutschen, der hier arbeitet. Er wundert sich, wie man auf die Idee kommen kann, dieses Land als Tourist zu bereisen. Recht hat er!
Einer der Gründe, es doch nochmal mit Turkmenistan zu versuchen, war der Yangi-Kala-Canyon. Ich kannte nur Fotos, wusste nicht, wie man dahin kommt. Anna wusste es auch nicht genau, aber sie hatte eine Handskizze dabei, und mit dieser Handskizze und Christines GPS haben wir ihn gefunden. Und die Ausgaben und die Mühen haben sich gelohnt, es ist phantastisch!
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"Turkmenbashi Etrabynyn Obasy" steht auf dem Schild, weiß nicht, was das heißt, aber "Hosh Geldiniz" heißt "Gute Fahrt"! Da gings ab Richtung Yangi-Kala, nach etwa 50 km von Turkmenbashi auf der Hauptstraße. In dem Käfig scheint eine seltene Pflanze zu wachsen.
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Dann gehts in die Wüste, und die ersten Kamele latschen über die Straße. Bis zum Yangi-Kala sinds etwa 180 km. Die Hälfte der Strecke ist recht gut. Dann folgt eine kaputte Teerstraße. Es gibt manchmal keine Stelle, auf der man nicht mit mindestens einem Rad in ein tiefes Loch fällt. Wenn man auf den Seitenstreifen fährt, hat man "Wellblech" unter sich, und das scheppert fürchterlicher als in ein Loch zu fallen.
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Der Yangi-Kala ist wohl ein ausgetrockneter See. An dieser Stelle - nehme ich an - tauchen wir runter zum ehemaligen Seeboden.
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Auf dem Seeboden: Rast an einer "Pfütze", in der sich Kamele wälzen. Der Wind bläst glücklicherweise auf sie zu, der Gestank der Tiere hätte uns vertrieben.
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Gibt es sonst nur selten im Land, aber hier gibt es Wegweiser!
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Dieser Anstieg führt zurück ans Ufer. Oben links führt eine Fahrspur zu unserem Nachtplatz auf dem Plateau.
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Lustiges Missverständnis: Christine wartet da hinten auf mich, und ich warte auf sie. Wir haben kein Walkie Talkie o.ä. Ist aber das erste Mal, sonst verstehen wir uns prima. Das funktioniert in etwa nach dem uns beiden passenden Prinzip: Christine macht, und mir ist alles egal.
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Auf dem Plateau: Es wehte schon ein scharfer Wind, als wir ankamen. In der Nacht steigert er sich zum Sturm. Der Sani schwankt fast genauso wie vorher durch die Straßenlöcher. Ich hatte Anna angeboten, bei mir im Auto zu schlafen, aber sie will lieber in ihr Zelt. Nachts im Traum sehe ich, wie sie mitsamt dem Zelt über den Rand des Canyons geblasen wird. Obwohl wir es an die Stoßstange angebunden haben, wäre es beinahe tatsächlich weggeflogen.
Keiner von uns kann schlafen. Gegen 3 Uhr sehe ich im Tal Scheinwerfer, hätte gern gewusst, wer sich da rumtreibt. Wir dachten alle daran, noch in der Nacht runter ins Tal zu fahren, in den Windschatten des Abbruchs. Aber ich fürchtete, wenn ich mein Auto mit der Breitseite in den Wind drehe, wird er umgeblasen. Erst bei Sonnenaufgang gibt der Himmel Ruhe.
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Ein Adler umkreist unser Lager mehrmals. Nehme jedenfalls an, es ist einer. Adler kenne ich nur aus dem TV. Ein Freund sagt später, es ist ein Geier.
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10.6.11
Das ist Wunuk aus dem Stamm der Nohuren in ihrem Bergdorf Nohur, wo wir unseren "Homestay" haben. Schon gestern bei der Ankunft erinnerte mich das Dorf an Griechenland. Dann sagt Anna, die Nohuren verstehen sich als Nachfahren des Alexander, bzw. seiner Armee. Die sei hier durchgezogen und habe rumgehurt, öh, nein: Nachkommen hinterlassen. Viele Nohuren sollen grüne Augen und helle Haut haben.
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Es gibt "Galupsi", meine zentralasiatische Lieblingsspeise = gefüllte Paprika.
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2003 wollte ein turkmenischer Polizist Strafe kassieren, weil mein Auto schmutzig war. Ich dachte, das war ein Witz. Aber es ist wahr. Mit einem schmutzigen Auto durch Ashgabat fahren kostet 25 Dollar Strafe. Sie sagen, auf meinem Sani sehe man den Schmutz nicht so deutlich, ich muss nicht schrubben, aber Christine!
Außerdem ist rauchen verboten, aber nicht in Restaurants, sondern draußen auf der Straße! Vor den Flughafengebäuden stehen immer noch Aschenbecher, aber wenn ein Unwissender dort eine Zigarette ansteckt, verlangt die Polizei 200 Dollar Strafe.
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Aus diesem Buch erfahre ich, warum die Turkmenen solche merkwürdigen Gesetze machen:
"Zur Erleuchtung der dunklen Wege wurde in das Herz und in den Geist des Turkmenen von Allah die Fackel der Intelligenz gestellt. Turkmen bedeutet: "aus der Erleuchtung stammend". So verbreitete sich der Name Turkmen weltweit."
Anna verkauft mir für 5 Dollar ein Exemplar von "Ruchnama", dem "heiligen Buch der Turkmenen", verfasst von dem durchgeknallten Ex-Präsidenten Saparmyrat Turkmenbashi, und zwar in Deutsch! Sie sagt, es sei alles wahr, was da drin steht. Ich habe Zweifel.
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11.6.11
Ashgabat: Der Turkmenbashi mit seinem heiligen Buch. Zwei Straßen weiter steht die nächste goldene Statue. Aber die durften wir nicht fotografieren, wahrscheinlich wird er schon als Gott verehrt.
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13.6.11
Nach 2 Tagen Pause in Ashgabat Aufbruch nach Norden in die Wüste Karakum.
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Erster Stop in der Oase Bahardok: Wenn mir der Schweiß in die Augen läuft, kann man sagen, es ist heiß. Hier ist das der Fall. Die Seitenstraße endet vor einer Sanddüne.
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Der Herr rechts wolltre mein Auto kaufen und mir 15 Kamele dafür geben. Ich wollte die Tochter dazu, daher sind wir nicht handelseinig geworden.
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Mammetyar. In dem Dorf habe ich 2003 mit Mitsch übernachtet. Von unseren beiden damaligen Gastgebern gibt es ein Foto in meinem Buch. Wir haben es einer Dorfbewohnerin gezeigt, und sie hat die Männer erkannt, aber sie seien inzwischen gestorben, sagt sie.
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Krater-Sightseeing: Eine verunglückte Erdgas-Bohrung aus der Sowjetzeit. Unten blubbert Schwefel aus dem Loch.
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Hinter dem Schwefel-Krater liegt das Dorf Darvaza, bzw. was davon übrig ist. Der Turkmenbashi ließ den ganzen Ort komplett abreißen und zubetonieren. Auf dem Hügel ist das Gestell des Wassertanks stehen geblieben, sonst ist nichts mehr vorhanden. Die Einwohner hat er immerhin vorher nach Ashgabat umgesiedelt. Man weiß nicht genau, warum er das gemacht hat. Diktatoren müssen sowas nicht begründen. Eine Hypothese besagt: die Gasleitung musste erneuert werden, und da das Dorf weit draußen in der Wüste lag, war ihm das zu teuer.
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Anlauf nehmen zum Gaskrater: Von diesen verunglückten Bohrungen gibts wohl mehrere in der Karakum. Die bekanntetste ist der brennende Gaskrater: "Door to hell" heißt er in unserer Karte. Er liegt nur 8 km entfernt von der Teerstraße. Den Anstieg schaffe ich mit Anlauf. Danach - so unsere Reiseführerin Anna - sei das Schlimmste geschafft, die Piste habe festen Untergrund. Darauf haben wir uns leider verlassen, weil sie schon mehrmals dort war.
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Die ersten 100 Meter waren tatsächlich fest, dann kam Weichsand. Ich dachte, es sei nur ein kurzes Stück und gab Vollgas, aber nach etwa 400 Metern gings weder vor noch zurück. Christine - wies ihre Art ist - wollte es aus eigener Kraft zurück schaffen. Ich wollte - wies meine Art ist - andere machen lassen, die das besser können. Also erstmal schaufeln und Sandbleche unterlegen. Ich kam jedesmal etwa 2 Meter weit, sehr mühselig in der Hitze. Haben dann doch einen schönen, dreiachsigen Kamaz 6x6 mit riesigen Rädern herbeigeholt. War für den ein Kinderspiel von 10 Minuten, den Sani rückwärts durch den Sand auf festen Boden zu ziehen.
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Da wollte ich hin und habs verpasst: das Höllentor. Oben am Kraterrand steht zum Größenvergleich Christines Defender
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Während die anderen neben dem Höllentor übernachteten, blieb ich bei diesen beiden netten Herren vorm Eingang eines Container-Camps für Gasarbeiter. In der Nacht sah ich den roten Schein des Kraters über den Hügeln.
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14.6.11
In Kone-Urgench nur kurz vollgetankt (20 Cent / Liter) und eingekauft. Abschied von Anna. Sie war ok, wenn auch schlecht informiert über Straßenzustand und -verlauf unserer Tour. Um sowas musste sie sich bisher nicht kümmern, dafür waren einheimische Fahrer mit ihren Geländewagen zuständig. Dann gleich über die Grenze nach Usbekistan. Ging überraschend schnell.
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