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Reise 2011
Usbekistan
14.6.11
Die Usbeken haben sich was Neues einfallen lassen: Bei der Einreise mit Auto wird an der Grenze ein Kfz-Pass ausgestellt, auf dem der Ort der Ausreise eingetragen wird. Wir möchten bei Namangan nach Kirgistan ausreisen. Die Grenze sei geschlossen, sagen sie, wir müssen über Osh. Eine andere Wahl haben wir angeblich nun nicht mehr. Wozu diese Regelung gut sein soll, weiß keiner. Wahrscheinlich eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, es muss ja extra dafür ein Beamter beschäftigt werden.
Kurz vor Nukus, der Hauptstadt der autonomen Provinz Karalpakstan (Land der Schwarzhutmenschen), den leeren Amudarja überquert und das ausgetrocknete Flussbecken vom Hochsitz einer Polizeistation aus fotografiert. Sein Wasser hat man auf verschiedene Kanäle umverteilt.
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Nukus: Stehen im Schatten der GIZ (Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit). Hatte zuhause - wies meine Art ist - nichts vorbereitet, musste für die Adresse erstmal ein Internet Cafe aufsuchen. Die Jungs haben uns dann gleich hingeführt. Die GIZ ist eigentlich kein Wohnmobilstellplatz, aber man hat ja so seine Beziehungen, nö?
Haben hier nun Dusche und WLan, und der überaus freundliche Bakhitjan zeigt uns eine Präsentation einiger GIZ-Projekte, z.B. Aufforstung des versalzenen Aralsee-Bodens. Er sagt, kein anderes Land habe hier so viel geholfen wie Deutschland. Da kann ich ja mal stolz sein auf uns!
In der Nacht zum ersten Mal eine volle Mondfinsternis beobachtet. Saß lange draußen auf der Straße mit Fernglas vor dem Gebäude der GIZ. Am nördlichen Himmel ein Wetterleuchten, und über meinen Kopf huschten Fledermäuse. Das Gefühl war phantastisch, alles still drumrum, nur manchmal Hundegebell....
Der Mond wurde so dunkel, dass ich die Milchstraße sehen konnte. Man sah ihn aber immer noch schwach rötlich. War trotzdem nicht so spektakulär wie die Sonnenfinsternis 2006 in der Türkei, auch wenn die um einiges kürzer war.
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16.6.11
Spaziergang durch Nukus...
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Maschruttka fahren mit Hans von GIZ
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Das z.B. ist von "uns": Hinweisschlilder in Nukus, eine Spende der GIZ
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17.6.11
Christine, müssen wir schon wieder solche Wege fahren? Immer nur Staub, Sand, Hitze und Schlaglöcher. Keine Cafes, keine Mädels...
"Hier dehnt sich die Ust-Urt-Ebene aus, die unwirtlichste Region Zentralasiens, wo es nur trockene Lehmflächen gibt und ausgedörrte, mit Salz gefüllte Senken. (Klaus Pander, Zentralasien)
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Wir wollen den Aral-See sehen. Ein Fahrer der GIZ hat uns Tipps gegeben, wie wir hinkommen. Es gibt unzählige Spuren und Pisten, früher muss hier richtig viel Verkehr gewesen sein, ich allein hätte mich hoffnungslos verfahren....
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Treffen dann einen Neuseeländer auf einem uralten Moped, es ist wirklich nur ein Moped. Das Meiste, was man davon sieht, ist Gepäck. Hat er in London gekauft, von dort ist er losgefahren, kommt gerade aus Kasachstan, unter anderem hatte das Teil einen Rahmenbruch, vielleicht treffen wir ihn in Tashkent nochmal, sofern das Moped durchhält - die spinnen, die Neuseeländer!
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Unsere Nachtplätze sind grandios. Mitten im Nichts. Kaum ist die Sonne verschwunden, drehen wir die Stühle um und schauen dem Vollmond zu, wie er den Himmel besteigt. Morgens wieder Sonnenaufgang, und alles in Rot. Kein Laut, keine Vögel, keine Moskitos, leichter Wind - alles perfekt.
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18.6.11
Bis hierher schaffe ich die Anfahrt zum Aralsee: Komsomolsk. Bis zum Ufer sind es noch 50 km. Wie üblich bei mir: Kurz vorm Ziel gebe ich auf. Keinen Bock mehr. Ich bin nicht pistentauglich.
Komsomolsk ist ein seltsamer Ort. Ein winziges Nest mit einer Landebahn und einem Sendemast. Aber alles ist kaputt. Kann mir nicht vorstellen, wovon die Leute leben. Sie sind freundlich, aber auch abweisend, misstrauisch, als fürchten sie, ich sei einer von der Geheimpolizei, der ihnen als Tourist getarnt auf die Schliche kommen will.
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Christine fährt das letzte Stück allein zum Aralsee. Mit Hilfe einiger Koordinaten von einem Freund von mir findet sie den See. Sie hatte von einer Gruppe Motorradfahrern gehört, die ihn trotz GPS nicht gefunden haben.
Streckenbeschreibung Aralsee
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19.6.11
Rückfahrt: Rettungswagen braucht Rettung. Ich schaffe es und versenke den Sani in die einzige weiche Stelle weit und breit. Wahrscheinlich ausgehölt von Tieren. Mit Blechen und Schleppen kommt er frei.
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Dann endlich, endlich wieder Teerstraße.
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Basar in Qonghirat. Wir leisten uns einen Führer, einen etwa 11 jährigen Jungen im Fußballtrikot, auf dem Ronaldo steht, also müssen wir ihn erst gar nicht nach seinem Namen fragen. Wir sagen, was wir kaufen wollen, und er führt uns hin. "Außerdem", sage ich, "hätte ich gern ein Mädchen, nicht viel älter als 20 und hübsch, vielleicht eine von deinen Schwestern?" Natürlich in Deutsch!
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Ronaldo führt mich in ein Cafe - aber ich rauche nicht, das sieht nur so aus, der Stengel ist das Stromkabel vom Kühlschrank hinten an der Wand....
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Christine lässt sich im Basar die Haare schneiden. Währenddessen setzt sich eine junge Frau mit Sohn zu mir an den Cafe-Tisch und schaut lange neugierig in mein aufgeschlagenes Tagebuch. "Das ist germanski, Deutsch, Nemitz", sage ich. Sie nickt und sagt: "Ich spreche Deutsch!" Sie ist Deutschlehrerin und ihr größter Traum ist, einmal nach Deutschland zu kommen. Ich gebe ihr meine Blogadresse, sie soll mich dann besuchen.
Inzwischen ist der Reserveradhalter am Defender ein zweites Mal gebrochen. Wir fahren zurück nach Nukus zur GIZ und schaun morgen nach einer Werkstatt.
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Ich fühle mich genauso dreckig und verstaubt. Die Dusche gerade in der GIZ war die beste meines Lebens.
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20.6.11
Das ist Nurik, also die männliche Variante von Nuria, den Namen können wir uns gut merken. Er ist der Fahrer vom GIZ-Chef. Wir haben ihn ausgeliehen, damit er uns zu einer Werkstatt fährt. Endlich darf ich mal auf dem Beifahrersitz sitzen! Später lade ich ihn ins Cafe ein. Er bestellt, ohne mich zu fragen, was ich essen möchte. Natürlich gibts wieder ausschließlich Fleisch. Als er aufgegessen hat, rülpst er zweimal lange und laut. Muss mal meinen usbekischen Freund fragen, ob das hier erlaubt ist, das würde mir auch Spaß machen, so öffentlich in einem Cafe....
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Christine in der Werkstatt, bringt die Männer auf Trab, der Bolzen vom Reserveradhalter wird erneuert, das wird einen ganzen Tag dauern und kostet 100.000 Sum = 40 Euro. Am Nachmittag rufen sie an, Auto sei fertig. Aber sie haben den Bolzen für die Halterung falsch angeschweißt, er zeigt jetzt nach unten, statt nach oben. Also alles nochmal machen!
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Drumrum gibts jede Menge wunderschöne Fotomotive....
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Ich lasse den Wüstenstaub abspritzen. Das kostet 15.000 Sum = 6 Euro, und zwar ohne nachfolgende Handwäsche. Das hätte ich an einer deutschen Tankstelle für 1 Euro haben können, und es wäre besser geworden. Gibt also doch mal was, was hier teurer ist.
Dabei hatte ich endlich mal wieder Gelegenheit, mich richtig schön aufzuregen und rumzuschreien. Sie wollten den Sani in die Halle fahren. Ich sah mit bloßem Auge, dass das nicht passt wegen der Fahrräder auf dem Dach. Aber sie mussten es ausprobieren und eckten natürlich an. Dann stieg einer aufs Dach und wollte die Räder losmachen. Das ging zu weit, ich musste laut werden.
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Innen auch einigermaßen gereinigt - zuhause ist es doch am schönsten...
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21.6.11
Das ist Bakhitjan, unser freundlicher Gastgeber in der GIZ. Er klärt uns über die folgenden Erlebnisse auf:
In der Werkstatt in Nukus, wo der Reserveradhalter vom Defender repariert wurde, wurde Christine von einem Mechaniker begrüßt: Er gab ihr die Hand, zog sie an sich, lüftete ihr T-Shirt hinten und spuckte ihr in den Rücken. Das sei ein Ritual, das ihr Glück bringen soll, sagt Bakhitjan. Die Arbeiter scheinen ständig irgendjemand Glück zu wünschen, sie spucken ständig um sich.
Es ist tatsächlich erlaubt, in einem Restaurant beim Essen laut zu rülpsen. Hingegen sei es unhöflich, sich die Nase zu schnäuzen. Dafür solle man nach draußen gehen.
Bakhitjan erzählt: Bevor die Russem nach Kasachstan kamen, waren die Kasachen muslimische Nomaden. Die Russen nahmen ihnen Schaf- und Ziegenherden weg und gaben ihnen Schweine und Landwirtschaft. Sie wollten ihnen damit beweisen, dass es keinen Gott gibt. Die Folge war eine Hungersnot unter den Kasachen.
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In Nukus gibts kein Diesel. Fahren Richtung Khiva, und dieser deutsche MAN kommt uns entgegen. Heraus kommt ein Einbeiniger auf Krücken. Es ist der "Rosner", wie er sich in diversen Foren nennt. Er ist auf der Rückfahrt von einer mehrmonatigen Reise mit seinem Expeditionsmobil. Er kopiert Christine eine Karte für ihr GPS....
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...während ich paar Mädels auf dem Feld fotografiere, die Hübscheste wollte sich leider nicht dazu stellen.
Wir bleiben über Nacht mit dem Rosner zusammen. Abends kommen wir in den Genuss einer seltsamen Vorstellung: Unterm Sternenhimmel steht in der usbekischen Wüste ein Mann auf einem Bein und spielt bayrische Weisen auf einem Akkordeon im Dreivierteltakt. Christine singt dazu, ich klatsche den Takt. Wahnsinn!
Der Rosner ist schon länger in Usbekistan. Er sagt, es gebe im ganzen Land nur wenige Tankstellen, die Diesel haben. Er hat seine riesigen Tanks aber randvoll. Also zapfen wir mit einer Rüttelpumpe 20 Liter daraus ab. Etwa 30 km weiter finden wir eine Tankstelle mit Diesel. Kann so schlimm also nicht sein. Aber sie bescheißen uns natürlich. Die Literzahl, die das uralte Zählwerk anzeigt, kann nicht stimmen. Angeblich laufen 63 Liter in den Sanitank, es können aber maximal 53 gewesen sein.
Der Preis scheint unterschiedlich zu sein. Auf einer Tafel las ich 920 Sum, einer wollte 1700 Sum für Diesel aus Kanistern, Rosner habe auch mal 2000 bezahlt. Liegt also umgerechnet zwischen 30 und 66 Cent.
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Versandete Pontonbrücke bei Urgench. Wir fahren über den Boden des Amudarja. Vor 8 Jahren sah das hier noch so aus:
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22.6.11
In Khiva wieder im Mirzoboshi B&B abgestiegen, Christine schläft drinnen, ich im Sani. Furchtbar heiß hier, ich saufe Kok-Tschai und Wasser, aber muss kaum Wasser lassen. Nachts im Sani nässe ich die Matratze mit meinem Schweiß, ich liege nackt auf dem Bett, anders ist es nicht auszuhalten. Ich erwarte demütig den Angriff der Moskitos. Aber sie kommen nicht, und ich kann schlafen. Bei Sonnenaufgang ist es halbwegs erträglich, aber dann geht der Wahnsinn von vorn los.
Immerhin sind wegen der Hitze nur wenige Touristen in der Stadt, die meisten Händler haben auch schon abgebaut.
Mein Couchsurfing-Kontakt aus Buchara hat mir geschrieben. Ich habe für sie ein neues Netbook mitgebracht. Ich kenne ja nun die Usbeken: War klar, dass sie es bis zu meiner Ankunft in Buchara nicht mehr würde haben wollen. Habe daher eins gekauft, das ich mir sowieso selbst kaufen wollte. Ich war nur gespannt, welche Ausrede ihr einfallen würde. Nun schreibt sie, sie habe einen Job in einer anderen Stadt angenommen, wir können uns nicht treffen. Aber ich könne das Netbook bei ihrer Familie abgeben, sie will es bezahlen, sobald ich mal wieder durch Buchara komme, also nächstes oder übernächstes Jahr. Haha....
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Es gibt Shutashi, was wohl "Grüne Nudeln" heißt, mal was Anderes, gibts nur hier in Choresm, sagen sie.
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Bin verliebt in Nodra, sie putzt im Hotel, ihre Vorzüge sieht man auf dem Foto nicht so deutlich. Liebste Nodra, komm mit mir nach Wuppertal und koche Shutashi für mich. Wir gehen Hand in Hand durch die Stadt, und du trägst genau die selben Klamotten wie auf dem Foto! Die Verliebtheit beruht - nehme ich an - nicht auf Gegenseitigkeit.
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Christine hat Durchfall, hatte ich bisher auch immer in Usbekistan, anscheinend unvermeidlich. Sie ist kaum rausgegangen, gestern kein Bier getrunken, aber für heute abend schoma 2 große Pullen kalt gestellt.
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24.6.11
Abschied von Nodra. Ob ich ihr sagen kann, dass ich verliebt bin in sie? Vielleicht lüfte ich ihr Kleid im Nacken und spucke ihr in den Rücken, soll ja Glück bringen...
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Von Khiva zum Ayaz-Kala gefahren. War wohl mal eine Festung, sind nur noch staubige Mauerreste zu sehen. Aber schön gelegen auf einem Hügel.
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Am Fuß des Hügels stehen wir am Jurten Camp....
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...und treffen dort 2 Franzosen und Ernst (Mitte) aus der Schweiz. Auch er auf einem Moped. Den Neuseeländer hat er auch getroffen.
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Die A380 Richtung Buchara besteht zum großen Teil aus Baustelle, hören wir. Und überhaupt fahren wir lieber Nebenstraßen. Also fahren wir erstmal zurück Richtung Nukus und nehmen dann den Abzweig nach Utchquduq.
Das ist ca. 350 km weiter als über die A380. Aber es hat sich gelohnt, es ist wunderschön und total einsam. Auf dem Nachtplatz sehen wir nach 4 Stunden das erste Auto vorbeifahren. Christine will am nächsten Tag sogar eine Nebenstrecke zur Nebenstrecke fahren, aber das geht mir dann doch zu weit.
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26.6.11
Die Straße nach Utchquduq scheint gefährlich zu sein, wir sehen eine Menge "Memorials". Liegt wohl daran, dass sie meist schnurgerade, gut asphaltiert und kaum befahren ist. Da kann man Gas geben. Die Sandalen gehörten wohl einem Kind.
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Für Tiere ist es auch gefährlich
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Nach etwa 300 km ohne Siedlung, ohne Tankstelle, kommt Utchquduq. Ein paar Plattenbauten und ein Basar. Das Wahrzeichen der Stadt ist eine Reihe pyramidenförmiger Schutthaufen. Anscheinend holt man hier irgenwas aus der Erde. (Uran, wie wir später erfahren)
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Wir Touris sind eine kleine Sensation in Utchquduq, hierhin verirren sich wohl nur wenige. Das ist die süße Kellnerin mit Mutter in dem einzigen Cafe. Zwei Jungs sind ganz begeistert, mich zu einer Reifenbude führen zu dürfen. Unterwegs winken sie ihren Freunden zu. Ich hatte den Sani am Abend zuvor mal wieder im Sand vergraben und zur Befreiung Luft aus den Reifen gelassen. Diese Geschichte erspare ich mir, ist ja schon peinlich.
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Zweite Wüstennacht stehen wir an einem der vielen ausgebaggerten Erdlöchern. Ringsum kein Laut, keine Tiere, nichtmal Mücken, nur ein paar bunte Schmeißfliegen interessieren sich für Christines Bier. Sie sitzt wie immer in der Sonne, obwohl sie schon einmal einen Sonnenstich hatte.
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27.6.11
In Buchara treffen wir den Ernst wieder (links). Die anderen sind auch mit Motorrädern hier: Zweiter von links ist Türke (Name vergessen), dann Thomas Houf aus Köln, ein facebook-Freund, ganz rechts Doug aus Alabama / USA.
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Dougs Bike, hat er einfliegen lassen. Steht "Hearley Davidson" drauf, aber sei "custom made", also wohl aus verschiedenen zusammengebaut. Er habe zuhause 35 Motorräder.
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Quatschen im Cafe mit einer Familie auf dem Tabshan nebenan. Die einäugige Tochter lädt uns ein in ihr Haus. Christine meint, bei ihr hätte ich gute Chancen. Kann ich mir nicht vorstellen, aber sie sollte es besser wissen. Nach einem Einbeinigen nun eine Einäugige. Mal sehen, wen wir sonst noch so treffen auf dieser Reise.
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28.6.11
Wir stehen in Buchara mitten in der Altstadt vor dem Orom-Hotel. Frühstück draußen auf der Straße kein Problem. Im Hotel kann Christine die Toilette benutzen: alles umsonst.
Um hierher zu finden, musste einer aus dem Hotel mitfahren. Wir fuhren durch enge, winklige Gassen und unter tief hängenden Stromleitungen durch. Wäre mein Sani ein paar Zentimeter breiter und höher. es hätte nicht gepasst.
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Das sind Umida und Mahliyo. Die beiden Süßen haben mich auf der Straße angesprochen, und ich hab sie auf eine Cola eingeladen. Sie haben aber dann MIR eine Cola ausgegeben. Sie sind super nett, ich verliebe mich gleich in Mahilyo. Wir verabreden uns für morgen 9:00 Uhr.
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Während ich mit den beiden durch Buchara spaziere, kommt uns ein Mann mit einem Instrumentenkoffer entgegen. Ich frage, was da drin ist. Er packt es aus und klimpert paar Töne. Dann will er 5000 Sum (1,50 Euro). Ich denke, er will mir seine Gitarre verkaufen, für den Preis hätte ich sie genommen, aber er will das Geld für sein Geklimper.
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Auf dem Weg ins Hamam sehe ich dieses Fahrrad. Man möchte mich daran hindern, es zu fotografieren, aber ich hatte bereits abgedrückt.
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Die Haare machen lassen, kostet 7000 Sum = 2 Euro. 2003 habe ich dafür 1000 Sum bezahlt.
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Ozoda Hammomi. Da war ich 2009 schonmal drin, und diesmal bin ich auf alles vorbereitet (siehe mein Buch, Seite 82). Habe Kondome, 20 Dollar, 20 Euro und 20.000 Sum dabei. Natürlich Handtuch, Seife usw., duschen muss ich unbedingt auch mal wieder.
Und dann klappts tatsächlich: Ich frage nach einer Jäwuschka, und eine nicht mehr ganz jungendliche Dame mit Goldzähnen kommt mit mir in den Duschraum und schließt von innen ab. Wir brauchen eine Weile für die Verhandlungen, sie will 40.000 Sum, schließlich ist sie mit 15 Dollar einverstanden. Ich lasse mich von ihr einseifen und hätte mit ihr ficken und noch einiges mehr machen dürfen, aber es bleibt bei Felatio. Mehr kann ich nicht, es ist nicht geil, das hatte ich auch nicht erwartet. Es ist bizzar, wie sie da vor mir auf den Steinfliesen kniet, in diesem finsteren, feuchten Verlies. Dass ich das noch erleben dürfte! Ich durfte sogar Fotos von ihr machen.
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Ich gehe raus und bin völlkommen beglückt von meinem kleinen Abenteuer, auch wenn es kein "Happy Ending" gab. Setze mich ins Cafe gegenüber, und dieser Herr spricht mich an. Er war wie so viele als Soldat in der DDR, und wir quatschen eine Weile blödes Zeug.
Um Mitternacht sitze ich vor dem Sani, Türen und Fenster offen, um die angestaute Wärme rauszulassen. Dann saust ein brennender Meteorit parallel zur Erdoberfläche durch den Himmel. Sieht aus wie eine rot sprühende Wunderkerze. Leider verdeckt das Haus das Ende der Flugbahn. Solche Sternschnuppen sollen sehr selten sein, habe ich gelesen.
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29.6.11
Umida und Mahliyo kommen tatsächlich um 9:00 Uhr und bringen Mechri mit, die ein bisschen besser Englisch spricht. Umida macht mir ein nettes Geschenk und Mechri zeigt mir ihre Wohnung in Buchara. Dann sitzen wir bis zum Nachmittag in einem Cafe. Sie lassen es sich nicht nehmen, mich einzuladen. Ich mache Mahilyo einen Heiratsantrag, aber sie ist schon verlobt, ich soll im September zur Hochzeit kommen.
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30.6.11
Rahima, unser Couchsurfing Kontakt. Habe ihr das Netbook übergeben, sie mir die Kohle. Habe mich schwer in ihr getäuscht, sie ist sehr nett und vertrauenswürdig. Sie hat uns ein leckeres, vegetarisches Menü gemacht, und ich hab ihr einen Heiratsantrag gemacht. Chrsitine meinte, sie sei einverstanden gewesen, ich meine, sie habe gesagt, es sei nur ein Scherz gewesen. Muss sie nochmal fragen....
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Nancy und Hans aus Holland in Buchara - perfekt ausgerüstet! Wollen auch durch China.
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Und das ist Reinhold aus dem Allgäu. Er ist am selben Tag wie ich in Deutschland gestartet, aber mit dem Fahrrad. 8200 km in 61 Tagen! Jetzt hat er uns überholt und ist vor uns auf dem Pamir. Er will einmal rund um den Globus fahren.
Auf seine Weise ist auch er perfekt ausgestattet. Weder am Körper noch in den Packtaschen ein Gramm zuviel. Karten hat er zuhause auf DIN A 5 Blätter kopiert, aber immer nur das Stück, das er befahren will. Hat er ein Blatt abgefahren, schmeißt er die Kopie weg, um das Gewicht des Papiers zu sparen.
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Waren gestern bis nachts 3 Uhr mit ihm und den anderen Travellern unterwegs. Reinhold sagte, das sei der erste schöne Abend auf seiner Reise gewesen.
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Hoher Besuch bei mir zuhaus....
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1.7.11
Abfahrt aus Buchara, vier Tage dort rumgehangen und viele Traveller getroffen, auf Fahrrädern, Motorrädern und mit LKW. Fast alle fahren durch China.
Etwas ist besser geworden in Usbekistan: Die meisten Polizisten lassen uns durchfahren ohne "Registrazia". In den Jahren zuvor wurde ich an jedem Posten angehalten, ich musste aussteigen, ins Wachhaus gehen, wo der Polizist mühselig meinen Namen entzifferte: "Chäng-gen, da?"
Einmal ist es auch jetzt wieder passiert, auf der A380 zwischen Buchara und Qarshi. Es gibt 2 Posten, der eine für die Ausreise aus der Provinz Buchara, der andere für die Einreise in die Provinz Qashqadarya. Sie liegen in Sichtweite voneinander entfernt. Auf beiden wurden wir angehalten und registriert. Ich hätte gern einen Wutanfall gekriegt, eine gedämpfte Version haben sie abgekriegt. Keine Lust mehr, den Blödsinn als eine Art exotischer Folklore hinzunehmen.
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Stehen in der Nacht auf einem Timuriden-Hügel zwischen Qarshi und Sharisabs. Der Sonnenuntergang sah in Wirklichkeit nicht so spektakulär aus. War ein bisschen lauter und dichter bevölkert als somst auf unseren Nachtplätzen. Bekamen sogar noch Besuch von 2 Jungs, die irgendwo in der Nähe wohnen, obwohl man kein Haus sehen konnte. Aber trotzdem schön.
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2.7.11
In Shahrisabs: Nach dem einbeinigen Rosner und der Einäugigen in Buchara nun eine einbeinige Bettlerin. Ich finde sie erotisch und gebe 1000 Sum. Andere geben 100 und machen die Geste eines Gebets. Zum Dank murmelt sie - nehme ich an - Verse aus dem Koran. Ich mache ihr Komplimente. Sie nickt und murmelt Verse. Es wirkt, als sei sie auch geistig behindert.
Ich denke mir eine Geschichte aus: Sie lebt allein mit ihrem Vater, der sie von Kind an sexuell missbraucht, wovon sie psychisch schwer gestört ist. Nach einem Unfall musste ihr das Bein amputiert werden, seitdem schickt er sie betteln. Hmm, ob er ihr in einem Wutanfall vielleicht selbst das Bein abgehackt hat? Nein, das geht wohl doch zu weit. Sie ist jedenfalls traumatisiert, und ich rette sie aus der Gefangenschaft, fliehe mit ihr nach Deutschland, und falls wir nicht gestorben sind....
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Samarkand, B&B Bahodir. Scheint ein Treffpunkt für "Cyclists" geworden zu sein, steht vielleicht in einem Fahrradführer. Mit den Einheimischen kann ich prima Englisch sprechen, mit den Touris ist es mir zu anstrengend, sie sprechen besser als ich....
An der Pinwand hängt noch immer das Foto von Su und mir von 2009, mit meiner Doppelripp-Unterhose zum Trocknen am Fenstergitter.
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3.7.11
Hotelzimmerausssicht in Samarkand. Die ganze Nacht Geklapper von draußen, ich vermute von einem Storch. Ich träume, ich besuche einen Freund in Wuppertal, und in seiner Wohnung ist das selbe Geklapper wie im Hotelzimmer in Samarkand. Ich schließe daraus, es muss aus mir kommen, mein Körper klappert. In meinem Alter kein Wunder.
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Registan Platz mit Stahlrohr-Tribüne, soll demnächst ein Musikfestival stattfinden.
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Der Registan-Platz ist schön, noch schöner ist, was da so rumläuft....
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4.7.11
Aufbruch aus Samarkand, wir nehmen Damien mit, Franzose, kann sich mit Türkisch verständigen, ist per Anhalter seit 8 Monaten unterwegs, jetzt bisschen reisemüde....
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Auf dem Weg nach Tashkent versucht, den Tuzkhan-Göli zu erreichen. Schöne Landschaften unterwegs, aber nicht bis zum See gekommen, ich hab mal wieder gestreikt...
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Handwaschsystem vor einem Cafe, Wasser oben rein und Hahn aufdrehen, ist zwar ein Seifenhalter dran, Seife muss man aber selbst mitbringen...
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Das ist Sakir. Habe ihn auf dem Weg zum See mitgenommen, zufällig ist er Deutschlehrer in Nakurt. Wir fragen ihn nach der Straße zum See. Er schaut lange in unsere Karte, erkennt auch einige Orte, weiß aber nicht, wie man da hinkommt. "Zu Fuß", meint er. Wir geben auf, die Straßen, bzw. Pisten sind sowieso viel zu schlecht für meinen Geschmack. Kann die Löcher und den Staub nicht mehr sehen....
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Nachtplatz bei Jangiqishlaq, kurz vor Jizzakh - wieder perfekt.
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5.7.11
Cafe in Khovost. Hier habe ich einst die Familie meiner 4. Frau besucht. Wehmütige Erinnerungen. Nehme Abschied....
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Über Nebenstraße Richtung Tashkent, Camping am Stausee, Christine mag keine Campingplätze, aber bleibt dann doch für die eine Nacht. Bisschen laut wars, alberne Musik, Hunde belllen, Esel schreien, Frauen schreien sich an.... Aber ich kann mal wieder unterm Himmel auf einem Tabshan schlafen. Weil Wochentag, ist es auch super billig: umgerechnet 1 Euro pro Person....
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6.7.11
Tashkent ist anstrengend, viel mehr Verkehr als früher. Und es gibt tatsächlich auf keiner Tanke Diesel. Man weiß nicht genau warum. Man vermutet, der Präsident verkauft ihn nach Afghanistan an die amerikanischen Truppen. Aber meine Freunde helfen uns. Wir fahren raus aus der Stadt, passieren 5x den selben Polizeiposten, bis wir schließlich auf einem Fabrikhof landen, wo in einer Garage ein alter GAZ-Tankwagen steht, voll mit Diesel. Er hat sogar ein Zählwerk und einen Zapfhahn. Wir müssen nur drauf achten, nicht gesehen zu werden. Wir tanken 2x 60 Liter, und unser Freund handelt sogar den Preis noch ein bisschen runter.
Heute zum dritten Mal in der kasachischen Botschaft. Hatten Antrag, Passbilder usw. schon gestern abgegeben. Aber der Konsul war nicht da, wir sollen heute 12 Uhr wieder kommen. Heute ist aber Freitag, und die Botschaft ist geschlossen. Wir treiben sogar den Konsul persönlich auf, aber er hat frei, wir müssen Montag kommen. Aber Dienstag ist unser letzter Tag in Usbekistan.
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Immerhin gibts auch in Tashkent süße Mädels...
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Im Cafe mit den GIZ-Mitarbeitern....
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Mein Gericht (Nudeln, Kartoffeln, Zwiebeln und Fleisch) heißt Beshgarmak = "Fünf Finger", wahrscheinlich weil alle fünf beim Essen fettig werden.
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8.7.11
Mit den Freunden abends im Taxi ins Cafe. Der Taxifahrer gehört dazu. Habe ihnen gesagt, ich möchte wieder heiraten, am liebsten eine Usbekin. Und einer kennt eine, die Interesse hat, und zu ihr sind wir unterwegs, damit ich sie mir anschauen kann.
Das Cafe heißt "Elephant", und sie arbeitet dort als Kellnerin. Sie heißt Anna, ist 37, blond, also eine Russin, und wir sind uns gleich sympathisch. "Ok, die nehm ich", sage ich meinen Vermittlern und lade Anna zu einem Ausflug in meinem Wohnmobil ein. Sie kann nicht, sie muss arbeiten. Urlaub gibts nicht, jedenfalls keinen bezahlten. Unbezahlt kann sie sich nicht leisten, sie muss ihre 2 Kinder durchkriegen. Sie arbeitet seit 4 Jahren 6 Tage pro Woche je 15 bis 17 Stunden und verdient ca. 400 Dollar, incl.Trinkgeld. So eine Situation wäre für mich ein guter Grund, mich umzubringen.
Wird also wohl nichts mit uns beiden, und ohne gemeinsame Sprache wäre der Ausflug auch nicht so toll geworden. Schade.
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9.7.11
Der Vorteil einer einfachen Wohneinrichtung: Man kann sie jedem zeigen und jeden zu sich einladen, ohne rot zu werden. Der Beruf der Straßenkehrfrau ist noch nicht ersetzt worden durch Maschinen, wahrscheinlich weil die Frauen billiger sind.
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10.7.11
Heute am Fluss Chrichiq Picknick gemacht. Der Tabshan wird normalerweise an Männer vermietet, die mit ihren Huren unbeobachtet sein wollen. Meine Freunde haben die Besitzerin überredet, eine Ausnahme für ihre deutschen Gäste zu machen. Speisen müssen wir uns selbst holen im Basar.
Beim Abschied frage ich die Besitzerin, ob ihre Tochter schon verheiratet ist, ich wüsste da jemand.... Nein, sagt sie, aber ich solle lieber sie selbst nehmen. Ok, sage ich, sie soll gleich mitkommen. Aber die Tochter hält sie fest.
Sehe einige Veränderungen in Tashkent: Der Park im Zentrum ist baumlos. Alle Bäume gefällt, damit man das neue Kongress-Gebäude besser sehen kann. Straßenbahnen und O-Busse sind aus dem Zentrum verschwunden, und das türkische Kaufhaus Mir ist geschlossen. Mein Freund sagt, die Regierung habe alle Türken rausgeschmissen, weil sie versucht hätten, die Usbeken zum Islam zu bekehren. Vielleicht gefiel der Regierung auch nicht, dass die Türken mit ihrem Kaufhaus so erfolgreich waren. Es war immer gut besucht, und im Restaurant gab es nach meinem Geschmack die besten Speisen der ganzen Stadt. Sowas geht halt nur in einer Diktatur: Mal eben die Türken rausschmeißen. Den Usbeken scheints egal zu sein.
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Aber mein Gemüsehändler Islam ist geblieben, hat den selben Stand an der selben Stelle wie schon vor 5 Jahren. Ist nur bisschen dicker geworden. Er hat mich auch gleich wieder erkannt. Er kann ungefähr so viele Wörter in Deutsch wie ich in Russisch: "Auwiddersähn - Gutten Tack"
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11.7.11
Zum 4. Mal in der kasachsischen Botschaft. Wir sollen die Transit-Visa um 15 Uhr bekommen. Um 17:30 Uhr haben wir sie endlich in der Pässen. Etwas übermütig machen wir den 1. Fehler: Anstatt über Nacht in Tashkent zu bleiben, fahren wir raus Richtung kasachische Grenze.
Natürlich schaffen wir es nicht im Hellen, und in Chinaz macht Christine den 2. Fehler: In einem Cafe prostet sie den beiden dicken, goldbezahnten Frauen am Nebentisch zu, die sich auch eine große Flasche Sarbast-Bier bestellt haben. Auf dem Foto hat sich bereits ein Polizist hinzugesellt.
Die ganze folgende Geschichte zu erzählen, ist mir zu mühsam. Sie endet auf einer Polizeiwache, wo ein Polizist einen Bericht in den Computer tippt. Wir sollen Chinaz sofort Richtung kasachische Grenze verlassen, auch wenn Christine inzwischen 1,5 Liter Bier intus hat. Vergesse leider, nach einer Kopie des Berichts zu fragen. Christine fährt dann rückwärts aus dem Hof der Polizeiwache raus und gerät mit 2 Rädern in einen der tiefen Gräben zwischen Straße und Bürgersteig. Mit Vollgas kann sie sich mit kanpper Not daraus befreien.
Die dicke Frau und ein Polizist eskortieren uns in einem Daewoo Matiz bis vor den Schlagbaum der Grenze. Immerhin müssen wir so den Weg nicht selber suchen. Es gibt wie üblich keine Schilder. Wir wollen aber nicht in der Nacht über die Grenze und warten, bis die blöde Kuh weg ist. Wir fahren ein Stück zurück und beziehen einen Schlafplatz neben 2 türkischen LKW, direkt an der Hauptstraße. Nicht gerade idyllisch, aber wir haben keine Wahl.
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